"Post-Fessenheim-Prozess muss vorangebracht werden"

Hans-Jochen Voigt

Von Hans-Jochen Voigt

Fr, 09. Juli 2021

Breisach

Mahnwache gegen Atomstrom feiert die Stilllegung des Kernkraftwerks in Fessenheim vor einem Jahr / Viele offene Fragen.

Gustav Rosa, der Initiator der Mahnwachen gegen Atomstrom auf dem Neutorplatz in Breisach, hatte in dieser Woche zu einer weiteren, der mittlerweile 502. Mahnwache eingeladen. Gefeiert wurde der Jahrestag der endgültigen Abschaltung des Atomkraftwerks Fessenheim vom 29. Juni des vergangenen Jahres.

Rosa sagte, die Antiatom-Protestbewegung aus dem Dreyeckland wolle auf ein Jahr ohne Atomstrom aus Fessenheim anstoßen und feiern, aber auch darauf hinweisen, dass die "Post-Fessenheim-Prozesse" weiter vorangebracht werden müssen.

Er begrüßte neben einigen Stadträten, die zur Wache gekommen waren, vor allem die "Treuesten der Treuen", die die Mahnwachen stets begleitet haben. Zu den Gästen gehörten der Geschäftsführer des BUND-Regionalverbandes südlicher Oberrhein, Stefan Auchter, sowie dessen Vorgänger Axel Mayer, die SPD-Bundestagskandidatin Julia Söhne und der Bundestagsabgeordnete der Linken Tobias Pflüger sowie weitere Politiker und zahlreiche Freunde aus dem Elsass.

Rosa erinnerte an die früheren Protestbewegungen in Marckolsheim und Wyhl. Jetzt habe man wieder durch Standhaftigkeit überzeugt, auch wenn der Protest zu Anfang belächelt worden sei. Es seien von der Gegenseite die "Totschlagsargumente" Arbeitsplätze, Energieengpässe und wirtschaftlicher Niedergang vorgetragen worden. Inzwischen habe die EdF, die Betreiberin des Kernkraftwerkes in Fessenheim, mitgeteilt, dass von 737 Beschäftigten noch 464 angestellt seien, die restlichen wurden finanziell abgesichert. Es habe keine einzige Entlassung und auch keine Stromausfälle gegeben. Der Post-Fessenheim-Prozess sei nun zügig mit realen Fortschritten zu füllen, dabei seien alle gefordert, die Lokal-, Landes- und Bundespolitik, aber auch die Wirtschaft und nicht zuletzt die Bevölkerung auf beiden Seiten des Rheins, sagte Rosa.

In seiner kurzen Ansprache lobte Pflüger den Druck, den die Protestbewegung ausgeübt habe. Es gebe Stimmen, die nach dem Kohleausstieg aus der Energiegewinnung wieder zur Atomkraft zurückkehren wollten. Das Problem des Atomstroms sei mit der Abschaltung des Kernkraftwerkes noch nicht gelöst, schließlich benötige man sichere Endlager für den Atommüll, da dieser noch über 35 000 Jahre lang strahlen werde. Gemeinsam müsse man aufpassen, welche Entwicklung in Fessenheim anstehe, gefordert seien jetzt Modelle für erneuerbare Energien.

Axel Mayer teilte seine Sorge mit, dass es in der Schweiz noch mehrere sehr alte Kernkraftwerke gebe, auch prüfe man dort, ob Atommüllendlager nahe der deutschen Grenze angelegt werden könnten.

Theo Ziegler begleitete die Veranstaltung musikalisch, zu der auch französischer Sekt und kleine Speisen gereicht wurden.