Nachfolge

Präsidentensuche beim SC Freiburg: Wer folgt auf Fritz Keller?

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Fr, 16. August 2019 um 14:25 Uhr

SC Freiburg

Fritz Keller wird wohl neuer DFB-Präsident und gibt dann sein Amt an der Spitze des SC Freiburg ab. In 47 Jahren standen dort nur er und Achim Stocker. Nun beginnt die Suche nach einem Nachfolger.

Dass der SC Freiburg einen neuen Vorsitzenden oder, wie das Amt seit einigen Jahren heißt, einen Präsidenten sucht – dieser Vorgang kommt noch deutlich seltener vor, als eine Papstwahl im Vatikan. Seit 1972 gab es immerhin fünf Päpste. In diesen 47 Jahren standen mit Achim Stocker und Fritz Keller nur zwei Vereinschefs an der Spitze des Sportclubs. Wenn Keller zum DFB wechselt, wird sein Amt in Freiburg vakant. Wer die Nachfolge antritt, gilt als völlig offen.



Beim Sportclub gibt man sich defensiv. "Es gibt dazu noch keine Überlegungen, wir haben auch keinen Zeitdruck", sagte Sprecher Sascha Glunk am Donnerstag am Rande der obligatorischen Pressekonferenz zum anstehenden ersten Bundesliga-Spieltag. Es gebe klare Strukturen und Verantwortlichkeiten im Verein, die tägliche Arbeit laufe weiter. Die turnusgemäße Mitgliederversammlung des SC findet im Oktober statt. Der Sportclub wolle sich zur Präsidentschaftskandidatur und allem, was dazugehört, nicht mehr äußern, bis die Wahl gelaufen sei, so Glunk.

Achim Stocker stand 37 Jahre an der Spitze

Achim Stocker, der Langzeit-Vereinschef, ist 1972 in Abwesenheit zum SC-Boss gewählt worden. Seine vier Amtsvorgänger waren nur ein bis maximal drei Jahre im Amt geblieben. Mit Stocker kam Kontinuität in den SC. Die heutige Vereinslegende stand 37 Jahre bis zu seinem Tod im November 2009 an der Spitze des Clubs. Fritz Keller, der damalige Vize, folgte erst kommissarisch, dann 2010 offiziell als gewählter Vorsitzender. 2014 wurde er zum Präsidenten des SC umfirmiert. Seit 1994 gehört er dem Vorstand an, nachdem er sich zuvor bei Achim Stocker gemeldet hatte.

Massiv verändert haben sich das Amt und der Aufgabenbereich des Präsidenten durch das Votum der Mitgliederversammlung im vergangenen Herbst. Damals wurden per vom Aufsichtsrat betriebener Satzungsänderung die Kompetenzen des Präsidenten massiv beschnitten und auf Repräsentation und Beratung des hauptamtlichen Vorstandes eingeschränkt. Der Vorstandsvorsitz, den es bis dahin beim SC gab, wurde abgeschafft. Fritz Keller zeigte sich wenig begeistert davon, akzeptierte aber. Das operative Geschäft liegt nun allein in Händen der Vorstände Oliver Leki und Jochen Saier.

Namen fallen bisher nicht

Doch wer tritt nun in Fritz Kellers Fußstapfen? Namen waren am Donnerstag auch bei intensivem Herumhorchen in einschlägigen Kreisen noch keine zu hören. "Ich gehe aber fest davon aus, dass wir bis zur Hauptversammlung im Oktober einen Kandidaten haben", sagte ein Aufsichtsratsmitglied. Der Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich Breit werde sicher im Hintergrund die nötigen Gespräche führen: "Beim SC läuft so etwas immer geräuschlos ab – und am Ende gibt es einen Vorschlag, dem fast alle zustimmen können", prophezeit der Insider. Heinrich Breit selbst wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Er befindet sich derzeit im Urlaub und ließ von dort auf Nachfrage nur verlauten, dass die Organe des Vereins zeitnah das weitere Vorgehen beim Sportclub abstimmen würden.

Heinrich Breit soll keine Ambitionen haben

In anderen Vereinen wechseln oft Aufsichtsratsvorsitzende ins Präsidentenamt. "Wenn Heinrich Breit Präsident werden will, wird er es auch", sagt das befragte Aufsichtsratsmitglied. Breit leiste als Chef des Gremiums hervorragende Arbeit, sei allseits anerkannt, pflege beste Kontakte zu DFB und der Deutschen Fußball-Liga. Allerdings glaubt man in Aufsichtsratskreisen nicht, dass Breit Ambitionen aufs Präsidentenamt und damit auf mehr Öffentlichkeit hat.

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