Theater

Premiere: "Die Casanova Akte" an der Freiburger Schauspielschule

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

So, 08. September 2019 um 20:15 Uhr

Theater

Sein Leben war prallbunt und abenteuerlich. Bei der Freiburger Schauspielschule kam jetzt "Die Casanova Akte" auf die Bühne. Eine so freche wie originelle Collage.

Frauenheld, Lebemann, Kleriker, Okkultist, Spion, dazu Weltenbummler, Schriftsteller, Philosoph, Bibliothekar und immer wieder ausgebüxter Gefangener – kaum zu glauben, wie prallbunt und abenteuerlich das Leben des 1725 in Venedig als Sohn eines Schauspieler-Paars geborene Giacomo Girolamo Casanova war. Doch was ist Wahrheit, was ist Dichtung? Jedenfalls entwickelten Studierende des siebten und achten Semesters der Freiburger Schauspielschule auf der Grundlage seiner berühmten Memoiren ein eigenes Stück: Seit letzten Herbst schrieben sie Texte, erarbeiteten Szenen und Choreografien, tüftelten an Licht und Effekten (Lion Koch) und komponierten Sound und Raps (Artur Grenz).

Herausgekommen ist eine ebenso freche wie originelle Collage aus Lesung, Schauspiel, Parodie und Musical, die jetzt in der ausverkauften Experimentalbühne im E-Werk eine rauschende Premiere feierte (Konzept und Regie: Grete Linz). Diese Woche reist die Truppe damit auf das zum dritten Mal stattfindende Young Theatre Festival ins kroatischen Bale und zeigt dort "Die Casanova Akte" in jenem Haus, in dem der charismatische Glücksritter nach seiner Flucht aus den Bleikammern des Dogenpalasts und während seiner Europa-Odyssee Unterschlupf fand. Die tiefe Kellerbühne ist in sepiafarbenes Kerzenlicht getaucht und durch einen transparenten Plastikvorhang zweigeteilt: Hinter ihm sieht man schemenhaft einen Tisch mit Perücken und allerhand Kostümen. Davor bleibt viel Raum für den Erzähler am Mikro (Jakob Stöckeler) und das aufgekratzte Partyvolk, das jetzt zu fetten Beats einen mitreißenden Rap inklusive den dazugehörigen coolen Gesten singt. Man kennt Veronika Wider, Artur Grenz, Julia Sofia Schulze, Lion Koch und Zoë Knapp schon aus ganz unterschiedlichen Vorgängerproduktionen.

Schön zu sehen, wie sie sich im Lauf ihrer Ausbildung entwickelt haben: Souverän, mit viel Präsenz und individuellem Ausdruck wirbeln sie bestgelaunt in kleinen Schwarzen oder weißen Ripp-Unterhemden über die Bühne.

Viele pfiffige Regie-Ideen

Sechs Szenen beleuchten im Lauf dieses Abends Casanovas schillernden Lebenslauf und Charakter – jedes Mal führt der Erzähler mit Originalzitaten und spitzen Kommentaren ein, gibt es einen passenden Rap und ein von allen gesprochenes Intro. Dann tönt gefühlvolle Klassik von Casanovas Zeitgenossen Andrea Luca Luchesi aus dem Off, und man erlebt den Liebesgiganten (Lion Koch) in Aktion mit seinen Gespielinnen oder Widersachern.

Aparterweise blickt man dabei auf diese meist erotischen Szenen hinter dem Plastikvorhang wie ein Voyeur durch eine Milchglasscheibe, im Blaulicht leuchten nackte Haut und weiße Unterwäsche, die Spieler sprechen Italienisch. Immer wieder wird mit Stummfilmkomik ironisch gebrochen, es gibt hier viele pfiffige Regie-Ideen und einen spannungsreichen Mix aus Lustigem, Melancholischem und Tragik. Fraglos ist das spritzige Unterhaltung!

Weitere Aufführungen: von 27. bis 29. September sowie von 4. bis 6., 11. bis 13. und 18. bis 20. Oktober, jeweils um 20 Uhr, sonntags um 18 Uhr. Experimentalbühne im E-Werk, Freiburg. Karten unter Tel. 0761/381191 oder http://www.casanova-akte.de