Protest mit verschiedenen Untertönen

kna

Von kna

Mo, 18. Mai 2020

Südwest

Größte Demonstration gegen Corona-Auflagen in Stuttgart / Kristallsteine für neue Energie.

STUTTGART/FREIBURG (epd/BZ). In mehreren Regionen Baden-Württembergs sind am Samstag Menschen gegen die Einschränkung von Grundrechten infolge der Corona-Pandemie auf die Straße gegangen. Die Proteste verliefen friedlich und hatten teilweise Party-Flair unter eingehaltenen Abstandsauflagen.

Auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart demonstrierten mehr als 5000 Menschen gegen Einschränkungen von Grundrechten infolge der Corona-Verordnung. Wie von der Stadt gefordert, hielten sie Mindestabstände ein. Die eingesetzten Ordner trugen Mund-Nase-Bedeckungen. Diese "8. Mahnwache Grundgesetz" der Initiative "Querdenken 711" wurde auch live ins Internet übertragen und hatte dort mehr als 3000 Zuschauer.

Im Live-Chat dazu bemängelten Kritiker: "Was bringt die Demo, wenn alle Regeln eingehalten werden?" oder machten sich lustig über Kristallsteine, die Teilnehmer geschenkt erhielten, um "positive Energie, Liebe und Freude" mit nach Hause zu nehmen. "Dämliche Eso-Spinner" lautete dazu ein Kommentar.

Die Demonstrationsteilnehmer erwiesen sich als bunt: Regenbogen- und PACE-Fahnen dominierten das Bild. Es gab Flaggen von Schweden und Spanien, von Deutschland, Europa und den USA. Ganz vereinzelt waren im Randbereich auch rot-weiß-schwarze Flaggen der rechten Szene zu entdecken. Die Stimmung war locker. "Endlich mal wieder eine Open-Air-Party – für das, was uns genommen wurde: gute Laune und Tanz", rief der aus Ghana stammende niederländische Sänger Nana Lifestyler unter Beifall.

Lifestyler und weitere Redner wie der Arzt Wolfgang Wodarg oder der Unternehmer Milorad Krstic sind zum Teil umstritten. Wodarg etwa hält viele Reaktionen auf die Corona-Krise für unbegründete Panikmache. Krstic sieht in der Gefährdung älterer Menschen keinen Anlass für allgemeine strenge Infektionsschutzmaßnahmen: "Sterben gehört zum Leben dazu", sagte er in Stuttgart. Organisator Michael Ballweg betonte, "Querdenken 711" schließe ausdrücklich "rechtes faschistisches Gedankengut und linksradikales gewaltbereites Potenzial" aus. Mehrere hundert Menschen durften laut Polizei das Gelände nicht mehr betreten. Rund 60 Personen, die bei der Anfahrt in Straßenbahnen keine Masken trugen, müssen mit einem Bußgeld rechnen.

Zudem habe es eine Gegendemonstration im Stadtbereich von Bad Cannstatt gegeben. Am Rand der Hauptversammlung gab es Störer, die die Polizei mutmaßlich dem linken Spektrum zurechnet. Auf deren Konto gingen vermutlich auch zerstochene Autoreifen und drei verletzte Passanten, heißt es im Polizeibericht, möglicherweise auch ein Brandanschlag auf Fahrzeuge mit Veranstaltungstechnik in der Nacht zum Samstag.

In Freiburg kamen mehr als 500 Teilnehmern zu vier verschiedenen Protestaktionen, untern anderem einer Meditation für das Grundgesetz auf dem Rathausplatz. Das Polizeipräsidium Offenburg meldete ebenfalls mehrere störungsfrei verlaufene Veranstaltungen, unter anderem in Baden-Baden mit 160 Personen und in Offenburg mit 250. In Schopfheim kamen 150 Menschen zu der wöchentlichen Kundgebung.

Im Vergleich zur Vorwoche habe sich die Zahl der Veranstaltungen halbiert und die Teilnehmerzahlen seien größtenteils rückläufig gewesen, so die Polizei.