Punktlandung an Menge und Qualität

Aribert Rüssel

Von Aribert Rüssel

Mo, 25. November 2019

Teningen

Die Winzergenossenschaft Nimburg-Bottingen freut sich über ein solides Ergebnis, ärgert sich aber über den Winzerkeller.

TENINGEN-NIMBURG. Mit einer wie von ihm formulierten "Punktlandung an Menge und Qualität" zeigte sich Vorstandsvorsitzender Erwin Mick bei der Hauptversammlung der Winzergenossenschaft Nimburg-Bottingen durchaus zufrieden. Auch wenn die Erntemenge 2019 an Trauben 41 781 Kilo weniger betrug als im Vorjahr und somit der Ertrag pro Ar nur bei 123 Kilogramm gegenüber 2018 bei 132 Kilogramm lag,

Die durchschnittlichen Oechslewerte lagen gegenüber dem Vorjahr bei 92 Oechsle. So konnte doch immerhin eine Gesamtmenge an 213 983 Kilo Trauben eingefahren werden. "Es kann nicht immer ein Jahr 2018 geben", sagte Mick. Insgesamt beurteilten es die Nimburger Winzer als ein zufriedenstellendes annehmbares Ergebnis, was sich auch in der Bilanz als positiv darstellte – auch unter der Berücksichtigung, dass die Rebfläche um weitere 2, 07 Hektar von 19,36 Hektar auf 17,29 Hektar geschrumpft ist. Ein Problem mit dem fast alle Winzergenossenschaften zu kämpfen haben: es fehlt einfach an Nachwuchs. Da ist es schon ein kleiner Lichtblick, wenn immerhin 0,28 Hektar an Junganlagen angelegt werden konnten. Angefangen bei Müller Thurgau, über Weißen Burgunder, Riesling, Ruländer/Grauburgunder, Spätburgunder, Regent, Scheurebe, Johanniter, Gewürztraminer und Muskateller gibt es einen umfassenden Sortenspiegel.

Nahezu die Hälfte der Rebfläche werden dabei ökologisch bewirtschaftet und dass die Nimburger Winzer ihr Handwerk bestens verstehen, bestätigt sich auch bei den Weinprämierungen. Zweimal Gold und zweimal Silber bei der Landesprämierung und zweimal Silber bei der Bundesweinprämierung sprechen für sich. Gold bei der Landesprämierung gab es für den Weißburgunder Steingrube Kabinett trocken und für den Spätburgunder Steingrube trocken. Silber für Steingrube Graf von Kageneck Premium Frühburgunder trocken und Steingrube Scheurebe Kabinett trocken. Silber bei der Bundesweinprämierung gab es für Steingrube Weißburgunder Kabinett und Steingrube Spätburgunder Qualitätswein.

Ausgebaut wird der Wein im Badischen Winzerkeller Breisach, für den Vorstandsmitglied Eckert Escher anwesend war. Wie nicht anders zu erwarten, gab es reichlich Gesprächsbedarf. Hauptsächlich zum Thema Traubengeld und vor allem zur Ankündigung, zukünftig auf lokaler Ebene aus Kostengründen keine Ein-Liter-Gebinde mehr anzubieten. Hierbei soll eine Großlagenangabe wie Vulkanfelsen für den Anbaubereich Kaiserstuhl eingeführt werden. Während das immerwährende Thema Traubengeld von Escher mit marktwirtschaftlichen Aspekten erklärt wurde, stieß die Ankündigung zum Ein-Liter-Gebinde auf heftigen Widerstand. Darin sehen die Winzer einen erheblichen Identitätsverlust eines lokal erzeugten Produkts. Der Stolz des Winzers auf seinen Weinbauort, aus dem er Motivation und Freude für seine Arbeit schöpft, ginge damit verloren, so Aufsichtsratschef Martin Lautenschlager.

In seinem Bericht zur Tätigkeit bestätigte er der Winzergenossenschaft nicht nur eine gute Zusammenarbeit, sondern auch ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr. Vor allem da zuvor von Winfried Baumann für das Geschäftsjahr eine positive Bilanz von 4442,70 Euro bilanziert werden konnte, die anteilsmäßig und einstimmig in die gesetzlichen und anderen Rücklagen eingebracht werden.

Ein Thema beschäftigt die Winzer besonders, könnte es sie doch bis hin zu ihrer Existenz gefährden: Das Volksbegehren "Rettet die Bienen", welches vorsieht, jeglichen Einsatz von Pflanzenschutzmittel zu verbieten, auch die biologischen. Nur wenige der Bürger, die für das Volksbegehren seien, wüssten, dass auch Biozide wie Kupfer und Schwefel mit einbezogen sind. Dies würde auch den ökologischen Weinbau nach den Kriterien nahezu aller Bioverbände und einen Weinanbau in allen betroffenen Schutzgebieten unmöglich machen. Betroffen wäre fast die gesamte Kernfläche des Kaiserstuhls, etwa 4000 Hektar bestockter Fläche. Mit seinem Volksantrag wolle der Badische Weinbauverband einen vernünftigen Dialog fördern. Er richte sich nicht gegen das Volksbegehren und erst recht nicht gegen das Eckpunktepapier der Landesregierung. Man wolle damit ein starkes Zeichen für einen Gesellschaftsvertrag der Landwirtschaft und des Weinbaues setzen. Damit der Volksantrag angenommen wird, werden 40 000 Unterschriften benötigt. Man sei prinzipiell nicht gegen Artenschutz, doch was es brauche, seien vernünftige und vor allem umsetzbare Lösungen, die sowohl den Artenschutz wie auch die Entwicklungsperspektiven der Landwirtschaft weiter bringen, so die einhellige Meinung der Winzer.