Kunstausstellung

Quadratisch, praktisch, Kunst: Ausstellung im Herbst in der Villa Berberich in Bad Säckingen

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Sa, 07. März 2020 um 12:01 Uhr

Bad Säckingen

Bei der Ausstellung "20/20 QuadrArt" sind mit Blick auf die aktuelle Jahreszahl ausschließlich Werke im Format 20 mal 20 Zentimeter zugelassen.

Noch während der kürzlich zu Ende gegangene, von 1900 Kunstfreunden besuchte "Grand Salon 2020: Colours" das Fest der Farben feierte, arbeiteten dessen Veranstalter Elena Romanzin und Frank von Düsterlho in Kooperation mit der Stadt Bad Säckingen bereits intensiv an einer neuen, ganz anders gearteten Ausstellung, die unter dem Titel "20/20 QuadrArt" im Herbst präsentiert wird. Dann werden 400 Kunstwerke in der Villa Berberich zu sehen sein.

Ein Spiel mit Zahlen

Der Ausstellung liegt ein Spiel mit Zahlen zu Grunde: Mit Blick auf die aktuelle Jahreszahl sind ausschließlich Werke im Format 20 mal 20 Zentimeter zugelassen, und die Anzahl der Exponate ist durch das Produkt ihrer Maßzahlen vorgegeben. Bereits jetzt haben 56 Künstler zugesagt, insgesamt sollen es 65 werden.

Bad Säckingens Kulturreferentin Christine Stanzel bezeichnete es als spannend, dass ein formaler Aspekt wie eine Jahreszahl zur Leitidee einer Ausstellung werden kann. Dass dieses Konzept näher liegt, als man auf den ersten Blick vermuten könnte, zeigt die gewichtige Rolle, die Zahlenverhältnisse (beim Goldenen Schnitt), mathematische Gesetze (bei der Perspektive) und nicht zuletzt das Quadrat selbst in der Kunstgeschichte spielen. So zählt das "Schwarze Quadrat" von Kasimir Malewitsch zu den epochalen Werken der klassischen Moderne, und auch im Werk Piet Mondrians spielt die Geometrie eine zentrale Rolle. Auch der Abstrakte Expressionist Mark Rothko bediente sich des Quadrates und sah darin nicht nur einen Formalismus, sondern auch spirituelle Qualitäten. "Das Quadrat ist nicht ausgerichtet, sondern modular, nach allen Seiten hin erweiterbar und steht oft für Unendlichkeit", erklärte Christine Stanzel.

Eine große Bandbreite an Stilrichtungen

Während die Grand Salons sehr klassisch ausgerichtet sind und Werke der Malerei und Skulptur präsentieren, wie es der Tradition der Pariser Salons des 19. Jahrhunderts entspricht, wird bei der künftigen Ausstellung eine große Bandbreite an Gattungen und Stilrichtungen zu sehen sein – neben Gemälden und Skulpturen also auch Fotografien, Drucke, Kalligraphien, Videokunst und Installationen. Wie Frank von Düsterlho erklärte, sei der formale Aspekt nur als Ausgangspunkt für größtmögliche Kreativität zu verstehen: "Unsere einzige Vorgabe ist das Format, ansonsten sind die Künstler völlig frei in der Wahl des Stils, der Gattung und des Motivs."

Insgesamt, so Kuratorin Elena Romanzin, zeichne sich bereits jetzt eine ausgewogene Balance zwischen realistischer und abstrakter Malerei ab. Wie man es aus den Grand Salons kennt, werden Künstler aus verschiedenen Ländern vertreten sein, denn die Ausstellung hat einen internationalen Anspruch. "Das Gros der Werke wird eigens für diese Ausstellung geschaffen", verrieten die Veranstalter, die es als einen Vertrauensbeweis werteten, dass auch bekannte Persönlichkeiten sofort bereit waren, an dieser Konzeptausstellung mitzuwirken. Auch das Öflinger Haus der Diakonie ist eingebunden, denn bei zwei Kunstaktionstagen werden die behinderten Künstler Werke für die Ausstellung schaffen. "Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch, sind aber nicht dogmatisch auf bestimmte Stilrichtungen festgelegt", betonten die Veranstalter.

"Die Bildensembles können dann wie ein Palindrom von rechts nach links, oben nach unten, und jeweils umgekehrt gelesen werden." Kuratorin Elena Romanzin
Natürlich ist es eine herausfordernde Aufgabe, 400 Exponate in den Räumen der Villa Berberich unterzubringen, und zwar so, dass die Ausstellung zu einem Gesamtkunstwerk wird, das mehr ist als die Summe der Einzelwerke. "Die Besucher werden beim Eintritt überall Quadrate sehen", verriet Elena Romanzin, denn die Exponate werden zu Ensembles aus vier, neun oder 16 Einzelwerken geordnet. Innerhalb dieses Rahmens wird eine große Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten herrschen und jedes Werk als Individuum erlebbar bleiben. "Die Bildensembles können dann wie ein Palindrom von rechts nach links, oben nach unten, und jeweils umgekehrt gelesen werden", so die Kuratorin.
Die Ausstellung "20/20 QuadrArt" wird von Samstag, 17. Oktober, bis Sonntag, 15. November, in der Villa Berberich zu sehen sein.