Ramona Straubs WM-Traum ist geplatzt

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 10. Februar 2021

Skispringen

Weltklasse-Skispringerin des SC Langenordnach hört auf ihr Bauchgefühl und bricht die Saison ab.

. Vor dem Fernseher statt mittendrin wird Ramona Straub die in zwei Wochen beginnende Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf erleben. Statt wie ihre Kolleginnen in die heiße Phase der Vorbereitung zu starten, hat sich die Skispringerin des SC Langenordnach dazu durchgerungen, die Saison vorzeitig zu beenden. Ohne einen einzigen Wettkampfsprung in diesem Winter absolviert zu haben.

Ihr verspäteter Einstieg in die ohnehin von zahlreichen Absagen beeinträchtigte Saison war für den Weltcup in Hinzenbach am vergangenen Wochenende geplant. Dass ihre Verfassung nicht für den lange ersehnten Einsatz beim Heim-Weltcup auf der Großschanze am Hochfirst reichen würde, war der 27-Jährigen recht früh klar geworden (die BZ berichtete). Doch in der Woche darauf sollte und wollte sie sich beim Training mit ihren Bundeskader-Kolleginnen in Oberstdorf auf die drei Weltcupspringen in Oberösterreich vorbereiten. Es blieb beim Plan. Diesmal waren es keine Reizungen oder Entzündungen in ihren von zwei Kreuzbandrissen lädierten Knien. Vergleichsweise banal klingende "Bauchbeschwerden" verhinderten schon ihre Anreise zum Stützpunkt im Allgäu. Denn Beeinträchtigungen in dieser Körperregion und die weit vornübergebeugte Anfahrtsposition auf der Schanze – das verträgt sich nicht, erklärt Ramona Straub. Sie entschied sich, auf ihr "Bauchgefühl" zu hören, auch wenn der Kopf anders wollte.

Dabei ging es nicht nur um die akuten Beschwerden. "Es wirkt so, als würde ich gut springen", sagt die Hochschwarzwälderin über ihre Trainingsleistungen zuvor. "Aber die Landung war nicht gut und auch nicht sicher", ergänzt sie gleich. Wie wichtig bei der so komplexen Sportart Skispringen die Landung ist, "wird oft nicht erkannt", so die Wahrnehmung der erfahrenen Athletin. Den "Vertrauensbonus" von Bundestrainer Andreas Bauer schätze sie sehr, betont Straub. Obwohl sie nach gesundheitlichen Rückschlägen mehrmals vorgesehene Einsätze absagen musste, hält er an der Schwarzwälderin fest und hat ihr zusätzliche Zeit eingeräumt. Natürlich auch, weil er das Potenzial der Hochschwarzwälderin kennt und weiß, wie wichtig sie für das deutsche Frauenteam ist. Bei der Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld trug die damals 25-Jährige als Tagesbeste maßgeblich zum WM-Titel im Frauen-Teamwettbewerb bei. Mit Ramona Straub in guter Form wären die Chancen auf einen erneuten Medaillengewinn im Team erheblich größer als ohne sie.

Doch dass sie diese Form bis zur WM noch erreichen könnte, daran glaubt die Sportsoldatin nicht mehr. Denn "ein paar Sachen müssen funktionieren", darunter die Landung. "Da muss man ehrlich sein und auf gut Glück, das mach’ ich nicht", erklärt die Schwarzwälderin. Sie wolle keiner Kollegin den Platz wegnehmen bei der Weltmeisterschaft, um dann womöglich doch nicht starten zu können. Diese professionelle Einstellung ist typisch für sie und Selbstmitleid lässt sie offenbar gar nicht erst aufkommen. Und so wird Ramona Straub bei erstmals vier Wettbewerben der Frauen (Normal- und Großschanze, Team und Mixed-Team) aus der Ferne mitfiebern, statt selbst abzuheben.