Ein moderner Traditionalist

Peter Maahn (SP-X)

Von Peter Maahn (SP-X)

Sa, 16. Februar 2019

Auto & Mobilität

BZ-VORSTELLUNG: Mercedes-Benz B-Klasse / Der kompakte Van tritt mit neuester Elektronik an.

Nun steht die neue B-Klasse von Mercedes bei den Händlern. Der kompakte Van ist sportlicher als bisher, hat das moderne Innenleben der verwandten A-Klasse und damit auch jüngere Kundschaft im Visier. Die eher reifere Jugend will Mercedes dennoch nicht verschrecken.

Wer Spaß an digitaler Technik, hochauflösenden Monitoren statt klassischer Armaturen oder an einer langen Liste an elektronischen Beifahrern hat, kann nach A jetzt auch B sagen. Die dritte Auflage der Mercedes B-Klasse will das Image des bevorzugten Fortbewegungsmittels der Generation "55 plus" hinter sich lassen. Dazu hat Mercedes tief ins Regal seiner Assistenzsysteme gegriffen, und das Blechkleid rundum auf einen dynamischen Auftritt getrimmt.

Dabei sollten die Vorzüge der in den letzten 13 Jahren weit über eine Million Mal verkauften B-Klasse bewahrt werden. Erhöhte Sitzposition mit guter Übersicht, viel Platz auch auf Rücksitzen sowie Stadttauglichkeit dank nur mäßig gewachsener Außenmaße. Das äußere Erscheinungsbild gleicht im Wesentlichen der Silhouette des Vorgängers, wobei die bislang scharfen seitlichen Falze weggeschliffen wurden und an der Flanke des Neulings dezente Glätte vorherrscht.

Im Test-Benz war die breiteste Version der aus der A-Klasse bekannten Armaturen eingebaut. Zwei Bildschirme mit einer Gesamtbreite von mehr als einem halben Meter, wobei im Blickfeld des Fahrers die nötigen Instrumente analog dargestellt werden. In der Mitte zeigt der hochauflösende Monitor die Navi-Karte, dient der Musikauswahl oder der Klimaanlagensteuerung.

Von außen unsichtbar arbeiten im neuen Mercedes stets auch neue Motoren, zwei Benziner und drei Diesel. Zum Beispiel im B 200 d mit seinem Zweiliter-Selbstzünder und 150 PS. Die Stuttgarter setzen weiter auf die Antriebsart und haben das Triebwerk mit großem Aufwand fahrverbotssicher gemacht: Es erfüllt die erst ab 2020 geltende Abgas- und Verbrauchsnorm 6d. Die Nachbehandlung der kritischen Abgase übernehmen gleich zwei Katalysatoren mit Adblue-Technik. Das Ergebnis ist ein Real-Verbrauch von 4,5 Litern auf 100 Kilometern bei 119 Gramm CO2- Ausstoß. Die Benziner und der kleine Diesel erfüllen die Euro-6d-Temp-Norm, bleiben also auch von möglichen Fahrverboten verschont.

Der 4,53 Meter lange Fünftürer hält sich an die Mercedes-Behauptung "mehr Sports für den Tourer". Die serienmäßige Doppelkupplungsautomatik tanzt je nach gewähltem Modus behände durch die acht Gänge, dreht sie in Sportstellung bis zum Anschlag oder überspringt schon mal eine Stufe, wenn es komfortabel oder bewusst sparsam voran gehen soll. Dank rekordverdächtiger Aerodynamik (cw 0,24) flutscht die B-Klasse durch den Wind und verschont die Insassen vor Windgeräuschen.

Mercedes offeriert eine Fülle technischer Highlights, meistens freilich gegen Aufpreis. Abstandsradar und Kamera etwa schauen 500 Meter weit voraus, arbeiten mit der Navigation zusammen und passen das Tempo zum Beispiel vor Kurven, Kreuzungen oder bei per Kamera erkannten Tempolimits automatisch an. Der Assistent, der den toten Winkel im Blick hat, warnt im Stand vor dem Öffnen der Türen, wenn sich ein Fahrzeug (auch ein Fahrrad) von hinten nähert. Die B-Klasse kann sogar teilautomatisch unterwegs sein, zum Spurwechsel reicht ein Antippen des Blinkers. Weitere Beispiele sind das in die Scheibe gespiegelte, groß geratene Head-up-Display oder der Notbremsassistent.

Mit einem Einstandspreis von knapp 32 000 Euro für das Basismodell stößt die B-Klasse auch schon in Bereiche vor, in denen anderswo die Mittelklasse beginnt. Es wird sich zeigen, ob die Traditionskundschaft auf den High-tech-Zug springt. Verdient hätte sie es.