Wenn die Freistellungsaufträge nicht stimmen

Michael Schreiber

Von Michael Schreiber

Sa, 24. August 2019

Wirtschaft

Kapitalerträge müssen versteuert werden – es gibt aber einen Freibetrag / Wer zu wenig versteuert, bekommt Post vom Finanzamt.

Einmal erteilt, geraten Freistellungsaufträge schnell in Vergessenheit. Dabei ist es sinnvoll, sie regelmäßig zu prüfen. Denn so vermeiden Sparer, dass sie unnötig Steuern auf ihre Kapitalerträge zahlen müssen.

Was ist ein Freistellungsauftrag?
Auf Einnahmen aus Kursgewinnen, Spargeldern, Dividenden und Zinspapieren fallen pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer an – plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Hausbank überweist das Geld direkt an den Fiskus. Anleger, die ihrer Bank jedoch rechtzeitig einen Freistellungsauftrag erteilen, bekommen bis zu 801 Euro pro Person ohne Steuerabzüge ausgezahlt. Für Verheiratete sind es gemeinsam 1602 Euro. Sparer können dieses Freistellungsvolumen bei einer einzigen Bank ausschöpfen, sie können es aber auch auf mehrere Institute verteilen. Wichtig ist nur, dass man bei mehreren erteilten Freistellungsaufträgen das steuerfreie Volumen insgesamt nur einmal verteilt.

Für jede Bank ist nur ein einziger Freistellungsauftrag nötig – er gilt dann für sämtliche Konten und Depots bei dieser Bank. Nach einem Bankwechsel oder der Eröffnung neuer Konten wird das Freistellungsvolumen aber oft mehrfach genutzt. Durch die automatischen Meldepflichten der Banken fliegt das schnell auf. Deshalb sollten Sparer regelmäßig prüfen, welchen Banken sie einen Freistellungsauftrag erteilt haben und wie hoch die tatsächlichen Kapitalerträge dort waren. Nicht mehr benötigte Konten sollte man schließen, um den Überblick zu behalten.

Und wenn ich zu viel
freigestellt habe?
Inländische Banken müssen dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) die Höhe der steuerfrei ausgezahlten Kapitalerträge ihrer Kunden übermitteln. Erhärtet sich durch den Blick auf die abrufbaren Informationen der Verdacht einer Steuerstraftat, etwa weil der Betroffene eine hohe Zahl von Konten führt und sein gesetzlich zulässiges Freistellungsvolumen mehrfach genutzt hat, können die Finanzbeamten gezielt die Offenlegung der Konten verlangen und die Ehrlichkeit des Steuerzahlers durchleuchten.

Wer vom Finanzamt angeschrieben wird, sollte Ruhe bewahren. Denn oft ist die mehrfache Inanspruchnahme der Freistellungsaufträge nur aus Versehen erfolgt. Die Finanzämter wollen in der Regel niemanden vorschnell der Steuerhinterziehung beschuldigen. Wer für alte Jahre noch Steuerbescheinigungen der Banken hat, sollte diese vollständig einreichen und um eine Korrektur der bisherigen Steuerabrechnung bitten. Im Regelfall werten die Finanzämter diese nachgereichten Unterlagen als "Selbstanzeige" und sehen von weiteren strafrechtlichen Ermittlungen ab. Die zu wenig bezahlten Steuern müssen aber nachgezahlt werden. Sechs Prozent Zinsen berechnet das Finanzamt zusätzlich.

Muss ich Bankunterlagen

nachreichen?
Oft fordert das Finanzamt auch dazu auf, rückwirkend für die vergangenen Jahre Bankunterlagen vorzulegen. Dazu sind Sparerinnen und Sparer aber nur verpflichtet, wenn diese tatsächlich auch aufbewahrt wurden. Denn für private Kapitalanleger sehen die Steuergesetze keine Aufbewahrungspflicht vor. Das haben die Finanzgerichte schon mehrfach entschieden (zum Beispiel Finanzgericht Nürnberg vom 21. Oktober 2015 Aktenzeichen 5 K 456/14 oder Finanzgericht Münster vom 3. November 2014, Aktenzeichen 10 K 1512/10 E).

Wer keine Steuerbelege oder Kontoauszüge aufgehoben hat, muss diese nicht nachträglich bei seiner Bank – womöglich noch auf eigene Kosten – beschaffen. Das muss das Finanzamt dann direkt erledigen. In jedem Fall sollten Verbraucher aber nach einem "blauen Brief" des Finanzamts die beanstandeten Freistellungsaufträge für die Zukunft auf das gesetzlich zulässige Maß reduzieren, um nicht erneut ins Visier der Steuerprüfer zu geraten.