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Wie sich ein Ehepaar höhere Zinsen von seiner Bank erstreiten konnte

Niels Nauhauser

Von Niels Nauhauser

So, 03. März 2019 um 13:52 Uhr

Geld & Finanzen

25 Jahre lang schrieb eine Sparkasse einem Ehepaar zu wenig Zinsen gut. Das Problem: Die Sparkasse verwendete eine Vertragsklausel, die der Bundesgerichtshof später für rechtswidrig erklärte.

Herr und Frau B. schlossen 1993 jeweils einen Prämiensparvertrag bei der Sparkasse Radolfzell ab (jetzt Hegau-Bodensee). Über 25 Jahre schrieb die Sparkasse zu wenig Zinsen gut. Mit der Verbraucherzentrale kamen die beiden nun zu ihrem Recht: insgesamt 4000 Euro mehr. Das Problem: Die Sparkasse verwendete eine Vertragsklausel, die der Bundesgerichtshof später für rechtswidrig erklärte: "Der jeweils gültige Zinssatz wird durch Aushang bekanntgegeben".

Dem Gerichtsurteil zufolge muss die Sparkasse ihre Zinsen stattdessen fair und äquivalent an die Marktverhältnisse anpassen, was die Bank nicht umgesetzt hatte. Die Verbraucher informierten sich bei der Verbraucherzentrale über ihre Ansprüche und forderten die Sparkasse zur Neuabrechnung des Vertrags auf, zunächst erfolglos: Angeblich sei die anhand der Rechtsprechung korrigierte Zinszahlung geringer als die tatsächliche.

Die korrigierte Berechnung war aber fehlerhaft, da eine absolute statt relative Zinsanpassung vorgenommen wurde. Die Verbraucher konfrontierten die Sparkasse erneut mit den Fakten der Verbraucherzentrale, wieder ohne Erfolg. Die angerufene Sparkassen-Schlichtungsstelle schloss sich der Argumentation der Verbraucherzentrale an und empfahl eine Neuberechnung durch die Sparkasse.

Am Ende bot die Sparkasse eine Nachzahlung von rund 2000 Euro pro Sparvertrag im Rahmen eines Vergleichs an. Für die beiden Verbraucher lohnte sich das Beharren auf ihr Recht: Statt 1500 Euro variabler Zinsen, erhielten sie jeweils 3500 Euro.

Niels Nauhauser leitet die Abteilung Altersvorsorge, Banken, Kredite bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.