Hautärzte beraten per App

Elena Kolb

Von Elena Kolb

Mi, 15. Januar 2020

Gesundheit & Ernährung

AppDoc ist ein Angebot, hinter dem drei Heidelberger Fachärzte stehen / Es soll zahlreiche Arztbesuche unnötig machen.

Es gibt mittlerweile zahlreiche telemedizinische Angebote. Eines davon ist AppDoc, ein Hautarzt-Angebot, das von der Landesärztekammer Baden-Württemberg anerkannt wird. Drei Heidelberger Hautärzte mit viel Berufserfahrung beraten über die App, die von ihnen gemeinsam mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen konzipiert wurde. Die Beratung kostet 24,95 Euro, die gesetzlich Versicherte selbst zahlen müssen.

Luise L. hat bereits seit Wochen einen juckenden Hautausschlag. Auf einen Termin beim Hautarzt muss sie lange warten, doch dafür hat sie keine Geduld mehr. Sie wendet sich an AppDoc. Für die telemedizinische Einschätzung ihres Problems muss sie Fotos von ihrem Ausschlag an den Händen und Beinen machen, aus 10 und 30 Zentimeter Entfernung. Außer Alter und Geschlecht muss sie keinerlei persönliche Daten angeben. Luise L. schreibt, seit wann sie den Juckreiz hat, dass sie in der Vergangenheit schon mal eine Cortison-Creme benutzt hat und wo es juckt. Es dauert eine ganze Weile, bis die Bilder hochgeladen sind, doch dann kann Luise die Anfrage abschicken. Es ist Samstagnachmittag, 16.26 Uhr. Zweieinhalb Stunden später erhält Luise L. eine Antwort von Benjamin Durani, einem Heidelberger Hautarzt.

Dieser zählt mehrere mögliche Ursachen für den Juckreiz auf: Pilze, Kontaktallergien, Schuppenflechte oder Neurodermitis. Auch an die Krätzmilbe müsse gedacht werden. Er nennt ihr den Namen einer rezeptfreien Fettsalbe und einer Repair-Creme, die sie anwenden solle und empfiehlt ihr, auf das Händewaschen zu verzichten und stattdessen ein Desinfektionsmittel zu benutzen.

Sein Fazit ist allerdings, dass sie sich doch an einen Hautfacharzt wenden soll, der Abstriche nehmen und Allergietests durchführen könne.

Die App ist preisgekrönt: Für ihre Entwicklung bekam Titus J. Brinker vom Berufsverband der Dermatologen den Innovationspreis 2019 verliehen. Brinker ist Assistenzarzt an der Universitäts-Hautklinik Heidelberg und Leiter der App-Entwicklung am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen. Die App soll die Lücke zwischen einer Internetrecherche und einem Praxisbesuch schließen. Seit November 2018 hätten bereits mehr als 3000 Patienten den Service genutzt, sagt Brinker. Etwa 70 Prozent der Patienten konnte ihm zufolge ein Hautarzt-Besuch erspart bleiben und in 90 Prozent der Fällen sei eine sichere Diagnose möglich gewesen. Die häufigsten Diagnosen beträfen Ekzeme und Muttermale. Es sei für Privatversicherte meist möglich, die Kosten zurückerstattet zu bekommen. Man verhandele auch mit den gesetzlichen Krankenkassen darüber, den Service in Kooperation anzubieten, so Brinker.

AppDoc: Anfrage über App und Website; Preis: 24,94 Euro. http://www.online-hautarzt.net