HINTERGRUND

Sonja Zellmann

Von Sonja Zellmann

Mo, 18. Februar 2019

Liebe & Familie

Wechselmodell

In Deutschland gab es im Jahr 2017 laut Statistischem Bundesamt rund 120 000 Scheidungskinder und nach Schätzungen mindestens ebenso viele Kinder mit getrennten Eltern, die nie verheiratet waren. Zahlen dazu, wie viele dieser Kinder in welchem Umgangsmodell leben, gibt es keine. In einer Umfrage des Allensbach-Instituts von 2017 sagten jedoch 15 Prozent der befragten Trennungseltern, dass sie ein gemeinsames Betreuungsmodell praktizieren.

2017 hat der Bundesgerichtshof (BGH) beschlossen, dass Familiengerichte auf Antrag eines Elternteils das Wechselmodell auch gegen den Willen des anderen Elternteils als Umgangsregelung anordnen dürfen. Entscheidendes Kriterium sei das Kindeswohl, Voraussetzung, "eine bestehende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Eltern". Am Amtsgericht Freiburg wurde der BGH-Beschluss seit Februar 2017 laut Gerichtsvizepräsidentin Sabine Linde-Rudolf bisher drei Mal umgesetzt. "Das passiert aber wirklich nur in ganz ausgesuchten Fällen, wenn wir davon ausgehen können, dass die Eltern sich zusammenraufen." Insgesamt gab es in Freiburg in dieser Zeit rund 1000 Verfahren (Umgangs- und Sorgerechtsverfahren), in denen er theoretisch hätte angeordnet werden können.

In Ländern wie Schweden, Frankreich, Italien, Belgien und Norwegen ist das Wechselmodell gesetzlich Regelfall.