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Umwelt & Natur

Falken erobern die Metropolen der Welt

Vor 60 Jahren galten Wanderfalken fast als ausgestorben. Doch die Greifvögel schlugen zurück. Mit einer Fluggeschwindigkeit von 360 Kilometern pro Stunde sind sie die Könige der Lüfte.

  • Eskimokuss der speziellen Art: Eine Falknerin begrüßt ihren Vogel. Foto: Julian Stratenschulte

Betrachtet man Frankfurt durch die Augen eines Vogelschützers wie Ingolf Grabow, dann besteht die Stadt nicht aus Stadtteilen, sondern aus Revieren. Jeder höhere Turm markiert einen eigenen Machtanspruch. Um ihn erstreckt sich das Hoheitsgebiet der Falken.

"Im Grunde zähmt man den Falken nicht, sondern wird selbst ein bisschen wilder, ein bisschen wie er." Ein Falkner, zitiert nach der britischen Autorin Helen MacDonald Seit der Antike verklärt der Mensch den Greifvogel. Überlegen, erhaben und edel soll er sein. Rätselhaft, wild und widerspenstig. Schwer zu sagen, wo der Vogel aufhört und der Mythos beginnt. Nur so viel steht fest: Der Bann, in den uns dieses Wesen versetzt, ist ungebrochen: Falknerkurse boomen. Die Jagd mit abgerichteten Falken auf Wild wird immer beliebter. Falknerverbände verzeichnen doppelt so viele Anmeldungen wie vor fünf Jahren. Familien pilgern in Scharen zu Greifvogelshows, arabische Scheichs lassen ihre Vögel in der Economy-Class einfliegen. Jetzt erobert der Vogel auch noch die Großstädte. Mancher Vogelschützer nennt Frankfurt bereits die Wanderfalken-Hauptstadt Deutschlands.

Die Frankfurter Skyline gehört den Wanderfalken
An diesem Tag im Spätjahr ist der Vogelexperte Ingolf Grabow auf dem Weg zum Revier Ginnheimer Turm. Einmal im Jahr schaut er nach den Nestern. Grabow – graue Haare, grüne Latzhose, Eidechsen-T-Shirt – arbeitet als Nestbetreuer beim Naturschutzbund Frankfurt. Er parkt seinen Lieferwagen vor dem Turm, steigt aus, legt den Kopf in den Nacken und hält Ausschau. In einem Lüftungsschacht auf ungefähr 160 Meter Höhe nisten Falken. Heute will Grabow das Nest reinigen.

Der Pförtner begrüßt Grabow mit einem Lächeln. "Zu den Falken?", fragt er. Man kennt ihn in der Stadt, 15 Nistplätze betreut er mittlerweile. Der Aufzug ruckelt in die Höhe, nach einer Minute hält er an. Grabow tritt in den Gang. Neonleuchten surren, sonst ist der Turm wie tot. Ein paar Stockwerke weiter oben feierten einst Schlagerstars wie Rex Gildo im ehemaligen Turmrestaurant. Lange her. Heute lebt in dem Turm einsam das monogame Wanderfalkenpärchen.



Dass der ...

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