FLUCHTPUNKT: Letzte Ruhe nach dem Sturm

Günter Schenk,

Von Günter Schenk &

Sa, 30. November 2019

Reise

Ein Ort zum Innehalten ist der älteste protestantische Friedhof Spaniens. Er liegt in Malaga, keine fünf Fußminuten vom Strand der andalusischen Mittelmeermetropole entfernt. Eine Oase der Stille unweit der Stierkampfarena. Mehr als Tausend Menschen haben dort ihre letzte Ruhe gefunden. Auch mehr als 40 Deutsche, die im Dezember 1900 beim Untergang des Schulschiffes "Gneisenau" starben. Keiner, der heute an Malagas Stränden Urlaub macht, ahnt, welche Kraft das Mittelmeer entfesseln kann. So wie an jenem Tag, als ein Wettersturz das Schulschiff zwang, seinen Ankerplatz vor der Küste aufzugeben. Bei Windstärke 8 war an Segelsetzen nicht zu denken – und die alte Dampfmaschine konnte dem Sturm nicht standhalten. Voller Wucht zerschellte das Schiff an der Hafenmole. Wer das nicht überlebte, liegt heute auf Malagas Friedhof – auch der Kapitän. Den Vorwurf, trotz Unwetterwarnung nicht rechtzeitig den schützenden Hafen aufgesucht zu haben, nahm er mit ins Grab. Weniger monumental ruhen die armen Schiffsjungen, der jüngste nicht einmal 15 Jahre alt.

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