Gerne wieder: Schlosslichtspiele Karlsruhe

Sommertraum auf der Fassade

Rainer Schulz

Von Rainer Schulz

Sa, 07. September 2019

Reise

GERNE WIEDER: Schlosslichtspiele locken mit Projektionskunst.

ie unterschiedlich die Menschen doch ticken! Die einen sind stets auf der Suche nach dem Unbekannten, die anderen treibt es Jahr für Jahr an denselben Urlaubsort oder sie machen den gleichen Wochenendausflug. Warum? Das beschreiben Autoren der BZ in unserer Serie "Gerne wieder". Viel Vergnügen!

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Die Zahlen sind riesig an die Karlsruher Schlossfassade projiziert. Nur noch wenige Sekunden... Vier, drei, zwei, eins und null! Endlich beginnt die Show. Die Wandfläche leuchtet in bunten Farben. Wirbelnde Wassermassen fließen über das Schloss. Im nächsten Moment befinden wir uns im Weltall, sausen an Planeten und Asteroiden vorbei und schauen von oben auf die Erde. Eine mit Tieren dicht gefüllte Arche Noah startet in die Weiten des Weltraums. Staunend schauen wir beim Entstehen von Bauwerken zu, beobachten Schildkröten im Meer oder einen Tiger im Dschungel. Die Projektionen verwandeln die Fassade immer wieder in eine neue Welt. Doch es sind nur optische Illusionen, auch die Klänge tragen uns hinweg: Es gluggert, es gurgelt, rauscht und zischt. Dann wieder durchdringt das Zwitschern der Vögel aus dem Dschungel die Nacht. Wir werden aufgesogen und hineingezogen in die Projektionen.

Die Karlsruher Schlosslichtspiele haben sich etabliert. Seit Jahren schon. Abend für Abend im August und September strömen Jung und Alt auf das Gelände, manch einer hat seinen eigenen Klappstuhl dabei. Andere rollen ihre Badetücher auf dem Rasen aus, machen es sich bequem. Unter dem Motto "Ein Sommer der Liebe und des Lebens. Hate comes late – Love comes first" zeigen die internationalen Künstler ihre Medienkunst, die sich Projection-Mapping nennt. Dabei werden mit Videoprojektoren Bildsequenzen auf der Schlossfassade abgebildet.

Wer schon im vergangenen Jahr da war, erkennt einige der Shows wieder. Zu sehen sind aber auch neue Animationen. Eine der bekanntesten Künstlergruppen stammt aus Ungarn: Maxin10sity. Schon seit der ersten Ausgabe der Schlosslichtspiele im Jahr 2015 sind die Projektionskünstler mit dabei und haben längst ihre Fans.

Auch wir zunehmend begeistert: Abstrakte Formen bewegen sich im Takt der Musik über die Wandfläche. Die Schlossfassade besteht nun nur noch aus farbigen Punkten, die wie vom Wind weggeblasen wieder verschwinden. Das Gebäude scheint sich vor unseren Augen aufzulösen.

Zweieinhalb Stunden dauert der Bilderrausch. Da kann einem schon mal der Magen knurren. Vor dem Schloss gibt es Pommes, Crêpes, Bratwürste und Getränke. Die Profis unter den Besuchern packen Decken und ihr mitgebrachtes Picknick aus.

Auf der Schlosswand erscheinen nach und nach Hände. Große und kleine. Sie reiben, klopfen und klatschen auf die Schlossfassade. Es hört sich an, als würden sie dadurch einen Sound komponieren. Ein mitreißender Rhythmus entsteht. Das Schloss wird zum Instrument, das von den projizierten Händen wie ein Klavier bespielt wird. Jonas Denzels Werk "hands-on" fordert zum Mitmachen auf. Wir werden Teil des Rhythmus, ein Teil der Show. Wer bisher Projection-Mappings nicht kannte, ist spätestens jetzt ein Fan dieses ungewöhnlichen Genres. Hinsetzen, zurücklehnen und einfach genießen.