Angeklagte: Sex war einvernehmlich

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 11. Juli 2019

Südwest

Mutmaßliche Gruppenvergewaltigung: Die beiden Beschuldigten Majd H. und Timo P. weisen Vorwürfe der Anklage vehement zurück.

FREIBURG. "Ich bin kein Vergewaltiger", erklärte Timo P., einer der elf Angeklagten im Prozess um die mutmaßliche Gruppenvergewaltigung beim Hans-Bunte-Areal. Der Sex sei einvernehmlich, vom mutmaßlichen Opfer gar mit Vehemenz gefordert worden. Ähnlich äußerte sich mit einer allerdings nur kurzen Erklärung auch Majd H., der von der Staatsanwaltschaft als Hauptangeklagter geführt wird.

Neun der elf Männer auf der Anklagebank schweigen weiter zu den Vorwürfen – zwei Beschuldigte haben am vierten Prozesstag geschildert, was in jener Oktobernacht geschehen ist. Für den Hauptverdächtigen Majd H. verlas Anwalt Jörg Ritzel ein Statement: H. habe der 18-Jährigen keine Drogen verkauft und auch keine K.-o.-Tropfen in den Drink geschüttet. Es sei zu keiner Vergewaltigung gekommen, wohl aber auf ausdrückliches Verlangen der Frau zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr. Die 18-Jährige sei dabei voll orientiert gewesen. Er habe, so Majd H., an jenem Abend auch niemanden zum sexuellen Kontakt mit dem mutmaßlichen Opfer ermuntert.

Der 25-jährige Timo P. wiederum stand dem Gericht in einer dreistündigen Befragung umfassend Rede und Antwort. Er war damals kurz nach Mitternacht mit seiner Freundin und einer weiteren Begleiterin in den Technoclub gekommen. Davor hatte P. fünf Joints geraucht, Kokain konsumiert und mit Alkohol vorgeglüht. Per Telefon habe ihn sein Freund Majd H. zum Wäldchen nahe der Disco beordert, angeblich weil er Hilfe brauchte. Dort fand P. die halbnackt auf dem Boden liegende 18-Jährige. Sein Kumpel H. ging weg. "Ich wollte, dass die Frau in den Club zurückkehrt", sagt. Timo P. Sie habe das verweigert und nach Sex verlangt. P. will zunächst abgelehnt haben, willigte dann aber in Oralverkehr ein. Danach sei er mit schlechtem Gewissen in den Club zu seiner Freundin zurückgekehrt.

Das Opfer beschrieb er als enthemmt: Anhand ihrer geweiteten Pupillen habe er erkannt, dass sie berauscht war. Für ihn keine Überraschung: "Wenn man ins Hans Bunte geht, nimmt man Drogen." Das würde für 90 Prozent der Leute gelten, die man dort trifft. Im Laufe des Abends habe er mitbekommen, dass auch andere Männer hinaus ins Wäldchen gingen. 10 bis 15 könnten es gewesen sein, sagte er später bei der Polizei. Gegen 2.30 Uhr wollen er und Majd H. einen Bekannten hinaus geschickt haben, um nach der jungen Frau zu schauen. Der Bekannte kehrte um, weil die Polizei vor der Tür stand. Die Nebenklägerin sei später auch an diesem Polizeiwagen vorbeigegangen.

Am Abend darauf traf Timo P. im Stadtteil Weingarten den Syrer Jekar D., heute einer der Mitangeklagten im Prozess. P. sprach vor Gericht von einem zufälligen Treffen. Daran glaubt die Staatsanwaltschaft jedoch nicht. Denn am Nachmittag hatten die zwei Männer und auch Majd H. untereinander Kontakt, wie die Telefonauswertung ergeben hat. Bei dem Treffen ging es auch um ein Video, dass Jekar D. vom Geschehen im Wäldchen aufgenommen haben will. Timo P. riet D., das Video aufzubewahren, weil es beweise, "dass sie es wollte." Die Polizei hat das Video allerdings nicht gefunden. Der Prozess wird am Donnerstag mit der Befragung des Leiters der Ermittlungen fortgesetzt. Die Vernehmung der jungen Frau hat das Gericht auf den 24. Juli verschoben.