Reingekämpft

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 03. November 2019

SC Freiburg

Der Sonntag Die Bundesliga-Frauen des SC Freiburg haben sich nach anfänglicher Mühe gefunden.

Nach holprigem Start kommen die Bundesligafrauen des SC Freiburg um Neu-Trainer Daniel Kraus immer besser in Fahrt. Beim Heimspiel gegen Meister und Tabellenführer VfL Wolfsburg sind sie heute (14 Uhr, Möslestadion) krasser Außenseiter.

Ganz zur Reputation passt nicht, was Abteilungsleiterin Birgit Bauer am späten Donnerstagnachmittag zur aktuellen Situation zu Protokoll gibt: "Wir haben uns im Laufe der Saison gut reingekämpft." Reingekämpft – ein Wort für ein Team, das in den vergangenen Jahren für seinen filigranen Stil viel Lob eingeheimst hat. Ballbesitz, technische Lösungen, offensive Ausrichtung: Seit längerem sind diese Schlagworte untrennbar mit den Kickerinnen des SC Freiburg verbunden. In Freiburg werde ansehnlicher und erfolgreicher Fußball gespielt, so lobt die Konkurrenz Woche für Woche.

Bilanz der vergangenen fünf Jahre beeindruckend

Die Bilanz der vergangenen fünf Jahre liest sich beeindruckend: Zwei vierte und ein dritter Platz und zuletzt der Einzug ins DFB-Pokalfinale. Der liebevoll-anerkennende Spitzname der Breisgau-Brasilianer gilt längst nicht mehr nur für die männlichen Vertreter des Sportclubs.

Die Breisgau-Brasilianerinnen haben sich einen Ruf erarbeitet. Der allerdings zu Beginn der Saison ein wenig ins Wanken geriet. Vier Wochen lang blieben sie eingangs sieglos. Offensivdrang Fehlanzeige. "Da hatten wir weniger Spielglück", findet Managerin Bauer. Dennoch: Der Start nach der Ära Jens Scheuer, er wollte nicht so recht gelingen. Vier Jahre lang hatte der Ortenauer im Breisgau die Geschicke geleitet. Seit dieser Saison trainiert er den ambitionierten FC Bayern München.

Es ist das alte Lied des Freiburger Konzepts: Als Ausbildungsverein bringt der Verein Spielerinnen heraus, die regelmäßig das Interesse der wohlbetuchten Konkurrenz wecken. Dieses Jahr verließen Giulia Gwinn (FC Bayern) und Desiree van Lunteren (Ajax Amsterdam) den Sportclub – wieder zwei hochveranlagte Kickerinnen, die im Breisgau eine starke Entwicklung genommen hatten. Die vergangenes Jahr so starken SC-Außenbahnen mussten neu besetzt werden.

"Dadurch war die Umstellung schon groß", betont Sportchefin Bauer, der es dank weitsichtiger Transferpolitik gelungen ist, erneut ein starkes Kollektiv zusammenzustellen. Zuvorderst wäre da der komplett neu aufgestellte Staff: Vom Athletikbereich bis zum neuen Cheftrainer Daniel Kraus, der mit mächtig Vorschusslorbeeren nach Südbaden gekommen ist. In den vergangenen drei Jahren hat der 35-jährige Fußball-Lehrer aus der SGS Essen eine äußerst offensivstarke Equipe geformt. Davor hatte der ehemalige Bundesligaspieler in seiner Heimat mit dem FF USV Jena für Furore gesorgt.

"Mittlerweile haben wir ja ein paar Punkte geholt und sind auf Kurs", betont der Familienvater, der sich in Freiburg sichtlich wohlfühlt. "Wir mussten uns alle aneinander gewöhnen und Automatismen entwickeln." Vier Siege aus den vergangenen fünf Spielen belegen eindrücklich: Beim SC wächst etwas zusammen. Kraus’ Handschrift ist bereits zu erkennen: "Wir wollen mit Ballkontrolle und technisch anspruchsvoll spielen, fußballerische Lösungen suchen." Die Ausrichtung ist deutlich offensiv. Defensiv aber präsentieren sich die SC-Frauen noch wacklig. Was dazu führt, dass eines sicher ist, wenn die Mannschaft spielt. "Das sind bisher immer Fußballspektakel", schmunzelt Kraus, "aber das ist mir lieber, als sich nur hinten reinzustellen. Wir wollen Fußball spielen." 1:5 gegen die TSG Hoffenheim, 5:4 gegen Turbine Potsdam, 4:0 gegen Jena, 4:2 gegen den 1. FC Köln – kurzum: Spielt der SC Freiburg, fallen Tore.

Hoffen auf Nachnutzung im Schwarzwaldstadion

Und so ist das Kraus-Team mittlerweile in der Liga angekommen: Bis auf Rang acht haben sie sich vorgearbeitet. Auch wenn sie gegen Meister Wolfsburg heute Außenseiter sind, ist sich Kraus sicher: "Jetzt kommen die Spiele, nach denen wir genau wissen, wo wir hingehören." Nach Wolfsburg wartet Essen, dann Frankfurt – Mannschaften auf Augenhöhe.

"Ich bin guter Dinge", sagt Abteilungsleiterin Bauer, die derzeit zusätzliche Sorgen umtreiben. Durch die regenreichen Tage zuletzt konnte ihr Team aufgrund des durchnässten Trainingsgeländes kaum trainieren. Bauer: "Wir brauchen professionelle Trainingsbedingungen für unseren Frauenfußball. Eine Nachnutzung des Schwarzwald-Stadions durch den Sportclub würde unsere Rahmenbedingungen daher entscheidend verbessern." Kraus betont das Sportliche: "Wir wollen den Weg weitergehen und als ganzes Team offensiv spielen." Was passt: Die Breisgau-Brasilianerinnen haben schließlich einen Ruf zu verlieren.