Wohnmobile in Vogtsburg

RHEINGEFLÜSTER: Der Boom wird weitergehen

Thomas Rhenisch

Von Thomas Rhenisch

Sa, 11. September 2021

Vogtsburg

Der Sonne dabei zuschauen, wie sie im Westen hinter den Vogesen untergeht, dabei einen guten Wein genießen, sich danach ein paar Meter weiter ins bequeme Womo-Bett kuscheln und am nächsten Morgen mit Vogelgezwitscher in bezaubernder Landschaft aufwachen: So oder so ähnlich stellen sich Womo-Reisende ihren Urlaub im Kaiserstuhl vor. Die Realität war in den vergangenen Jahren nur leider allzu oft eine andere. Wanderparkplätze und Aussichtspunkte waren an manchen Wochenenden mit Wohnmobilen regelrecht überlaufen, Camper stand an Camper, wer keinen Platz mehr fand, suchte sich einen, notfalls auch irgendwo in der Rebflur. Der Camping-Boom stieß daher nicht überall auf Gegenliebe. Winzer, Anwohner aber auch andere Gäste, die die Schönheit der Landschaft genießen wollten, zeigten sich zunehmend genervt. Verständlich, dass die Stadt Vogtsburg deshalb im Mai die Reißleine zog und versuchte, mit Hilfe eines neuen Regelwerkes die Probleme zu lösen. Übernachtungen sind seither nur noch gegen eine Gebühr an bislang noch wenigen ausgewiesenen Stellplätzen erlaubt. Das ist einerseits legitim und wird auch andernorts so gehandhabt. Allerdings sollte den Wohnmobilisten im Gegenzug an diesen Stellplätzen auch eine umfassende und funktionierende Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Daran hapert es in Vogtsburg derzeit noch. Hier gilt es, möglichst schnell gegenzusteuern, weitere attraktive Plätze auszuweisen und möglichst mit Entsorgungsstationen und Stromanschlüssen auszustatten. Die Wohnmobilisten ziehen sonst weiter, stellen ihr Gefährt woanders ab und geben ihr Geld woanders aus. Eine Kommune, die so sehr vom Tourismus lebt wie Vogtsburg, kann es sich nicht leisten, diese für Gastronomie und Handel wichtige Klientel dauerhaft zu verprellen. Denn eines scheint sicher: Der Boom bei den Wohnmobilreisen wird so schnell nicht zu Ende gehen.