Sicherheit

Auf einer Riegeler Kirche dürfen Störche nicht mehr überall nisten

Joshua Kocher

Von Joshua Kocher

Sa, 02. März 2019 um 16:53 Uhr

Riegel

Die meisten Störche der Region nisteten wohl auf St. Martin in Riegel. Jetzt hat die Pfarrei viele Nester entfernen lassen – die Gefahr und Verschmutzung durch herabfallenden Kot sei zu groß.

In der Hochzeit hatten sich 27 Vögel auf dem Dach der Kirche niedergelassen – und acht Nester gebaut. Vier davon hat die Kirchengemeinde im Dezember entfernen lassen.

Wenn jemand verletzt wird, muss die Kirche haften

"Der Schmutz ist das eine", sagt Jürgen Schindler, Leiter der Seelsorgeeinheit Nördlicher Kaiserstuhl, zu der Riegel gehört. Der Kirchturm habe inzwischen richtige Schlieren. "Das andere ist die Sicherheit der Menschen unten am Eingang der Kirche", sagt Schindler. Immer wieder seien Besucher durch herabfallenden Kot beschmutzt worden. Sollte mal jemand verletzt werden, müsste die Kirche haften.

Am 14. Juni 2018 wandte sich die katholische Kirchengemeinde deshalb an das Regierungspräsidium – mit der Bitte, einen Teil der Nester entfernen zu dürfen. Vier Nester seien alleine im vergangenen Jahr hinzugekommen.

"Theoretisch müsste die Pfarrei das Areal jede Woche mehrfach auf eigene Kosten reinigen lassen", sagt Markus Adler, Pressesprecher des Regierungspräsidiums (RP) Freiburg. "Das hat uns die Kirchengemeinde glaubhaft dargelegt." Auf Dauer hätte die Gemeinde nicht die Kraft, das Problem organisatorisch und finanziell zu stemmen. Außerdem sehe die Gemeinde massive Probleme für die Verkehrssicherungspflicht. Deshalb hat das RP eine Ausnahmegenehmigung zur Entfernung der Nester ausgestellt.

Pyramiden sollen den Nestbau verhindern

Eigentlich ist es laut Bundesnaturschutzgesetz verboten, Storchennester zu entfernen. Der Weißstorch gilt als schützenswert. Ausnahmen sind nur erlaubt, wenn beispielsweise erhebliche wirtschaftliche Schäden drohen oder die öffentliche Sicherheit in Gefahr ist. Darauf beruft sich das RP in seiner Entscheidung. "Es ist aus Sicht der Höheren Naturschutzbehörde verständlich, dass die Kirchengemeinde die vier neuen Nester kaum mehr tolerieren kann", sagt Adler. "Zumal sie bereits seit mehreren Jahren ihren Beitrag zum Schutz der Störche und anderer streng geschützter Vogelarten leistet – unter anderem im Kirchturm."

"Muss man den Tieren deshalb ohne Alternative die Nistplätze nehmen?"Bürgerin Yvonne Mingolla
Nach dem Ende der Brutsaison am 1. Oktober 2018 durfte die Kirchengemeinde die Nester ersatzlos entfernen – was sie am 11. Dezember auch tat. "Seitdem sind nur noch die vier ältesten Nester auf dem Kirchendach", sagt Schindler. Von diesen gehe keine Gefahr aus. An den übrigen potenziellen Nistplätzen seien kleine Pyramiden angebracht worden, damit die Störche keine Nester mehr bauen können.

Darüber beschwert sich Yvonne Mingolla, eine Riegeler Bürgerin, im Gespräch mit der BZ. "Riegel hat einen Storchensegen", sagt sie. "Aber muss man den Tieren deshalb ohne Alternative die Nistplätze nehmen?" Die Störche ohne Nest wirkten nicht sehr glücklich, sondern eher verwirrt, findet sie. "Hätte man nicht unter die Nester etwas bauen können, dass kein Dreck nach unten fallen kann?", fragt sie. Dazu sagt Schindler: "Das wäre nicht möglich gewesen. Nicht allein finanziell, auch hinsichtlich Denkmalschutz und Umsetzung."

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