Offene Ateliers

Riegels Kunstschaffende zeigten sich gemeinsam der Öffentlichkeit

Christiane Franz

Von Christiane Franz

Di, 06. Juli 2021 um 08:44 Uhr

Riegel

Die Riegeler Künstlerinnen und Künstler öffneten am Wochenende nach der Corona-Pause ihre Ateliers und zeigten neueste Arbeiten.

Recht kurzfristig fiel die Entscheidung, die Künstlertage trotz der immer noch allgegenwärtigen Pandemie durchzuführen. Am Samstag und Sonntag öffneten die Künstler ganz unterschiedlicher Couleur wieder die Türen zu Ateliers und Galerien, um interessierten Besuchern unter Hygienemaßnahmen Einblicke in ihr jüngstes Schaffen zu geben. Der Zuspruch war nicht ganz so groß wie in den Jahren vor der Pandemie. Dennoch zeigten sich die Künstler erleichtert, wieder mit Publikum in Kontakt treten zu können.

Rundgang durch Ateliers bot viel Spannendes

Spürbar weniger los war im Atelier von Dorothee Lang ganz hinten bei den Riegeler Lofts. Lang zeigte sich darüber wenig verwundert. Die Entscheidung für die Künstlertage sei kurzfristig gefallen, weshalb auch die Werbung im Vergleich zu den Vorjahren geringer ausfiel. Wer sich auf den Rundgang durch die offenen Ateliers machte, konnte viel Spannendes entdecken. Für Langs lustige Tonfigurengruppen war zum Beispiel das Miteinander aktuelles Thema, ob als "glückliche oder andere Paare" oder auch als leidenschaftliche Sänger eines Opernchors nebst Solisten. Auch die Lockerungen I und II verewigte Lang in der ihr eigenen humorvolle Weise, zu sehen in den Schaufenstern der Apotheke im Ort.

Holzschnitt, Collagen und Bronzeskulpturen

Bei Cordula Böhle in der Galerie im Engel standen Arbeiten aus Holzschnitt im Vordergrund. Die Künstlerin kolorierte dafür dünnes Chinapapier nach ihren Vorstellungen des Lichteinfalls. In einem ähnlichen Verfahren druckte Böhle mehrfach übereinander und arbeitete mit Collagen. Daraus entstanden ganz von Struktur und Farbe geprägte Bilder, die mal an eine eisige Landschaft erinnerten, mal einfach durch ihre Muster wirkten. Bei Böhle stellte außerdem Hubert Lang einige seiner Bronzeskulpturen aus.

Bürgerhaus als Gemeinschaftsatelier

Im Bürgerhaus zeigten Carmen Gukelberger, Karine Stader, Senta Ernst sowie Michelle und Norman Hothum ihre neuesten Arbeiten. Bei Besuchen auf Flohmärkten besorgt sich Carmen Gukelberger Material für ihre Bilder. Den Blick zog das tanzende Paar mit der Uhr auf sich: "Die Zeit läuft" heißt es. "Zurück zur ersten Liebe Stift und Papier" kommentierte Karine Stader ihre Porträtzeichnungen. Doch auch von Gustave Klimt inspirierte Arbeiten entstanden während der Zeit des Lockdowns. Radierungen von Engeln in mythischen Landschaften und in altrussischer Tradition fein bemalte Holzeier präsentierte Michelle Hothum. Senta Ernst hat in einem ihrer Bilder die Perlen einer zerrissenen Kette zu einer Collage verarbeitet, die jetzt den "Unterwasser-Charakter" unterstreiche, so die Künstlerin. Erfolgreich ist Norman Hothum mit den Geschichten von Alisande, der Handwerkerin zu Zeiten des Mittelalters.

Aquarelle, viel Blattgold und ein Comic

Im Atelier Thiel zeigte Karl-Heinz Thiel neben Aquarellen vom Kaiserstuhl auch einen anschaulichen Film über die alte handwerkliche Vorgehensweise der Vergoldung einer Marienstatue mit Blattgold. Einen Büchertisch belegte die vielfältige Arbeit des Illustrators Wolfgang Keller. Sein vor kurzem veröffentlichtes Comic-Buch "Ludwig II.", bei dem er Autor und Zeichner ist, lag ebenfalls aus. Einige Bilder ergänzten den Einblick.

Mit dem Trick, den Fokus der Kamera nicht zentral zu setzen, gelang der Fotografin Marina Meindl ein spannender Bildaufbau. Eine ganz naturnahe Ästhetik hielt sie anhand verwesender Äpfel fest.

Kunst inmitten von üppigem Grün

Im Garten von Anna Busch standen malerisch die Skulpturen der Künstlergruppe oben links. Vertreten war Busch mit Werken aus verschiedenen Steinarten. Eine expressive Arbeit gelang ihr mit einem zerklüfteten Torso aus Pappmaché. Martin Steiner stellte Skulpturen aus Holz und Stein aus. Dirk Kottmann arbeitete aus Marmor eine hauchzart erscheinende halbrunde Skulptur, die wie ein Teil eines aufgeschnittenen Balls wirkte. Arbeiten der Bildhauerei, aber auch Malerei steuerte Corinna Tilp bei. Ihre abstrakten Themen in bestechendem Blau boten einen Gegensatz zum üppigen Grün. Geometrische Formen inspirierten Bernhard Maier, der als Gast von der Künstlergruppe eingeladen war, zu seinen Arbeiten.

Schwebende Kuben sind die neue gestalterische Herausforderung von Dieter Rottler. Die Arbeiten ergänzte er in seiner Galerie um Bilder aus Beton. So entstand aus den geometrischen Formen der Eindruck der Silhouette einer Großstadt.

Afrika als zentrales Thema

Afrika bleibt das Thema des Künstlerehepaars Peter und Michèle Zimmermann, die ihre Werke in einem neuen Ausstellungsraum präsentierten. Beherrscht von den mächtigen Augen des Löwen zog ein Bild der Malerin Michèle Zimmermann den Blick des Betrachters an. Die Verbindung von Stahl und Holz gelang Peter Zimmermann mit dem Getreidespeicher. Die Originaltür von einem Getreidespeicher der Volksgruppe der Dogon zierte den Stahlschrank, der geöffnet den Blick auf reiche Ähren freigab. Zu Gast bei Zimmermanns war Karin Demirel, die einige ihrer Bilder ausstellte.

Mehr Fotos von den Künstlertagen gibt es unter mehr.bz/kuenstlertage21