Rigides Testkonzept im abgeriegelten Tal

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Di, 23. Februar 2021

Wintersport

Im Jahr 2005 sorgten insgesamt 350 000 Anhänger bei der Heim-WM für Stimmung, diesmal bleiben die Tribünen leer.

Vor zwei Jahren überlagerte ein internationaler Dopingskandal die Nordische Ski-Weltmeisterschaft in Österreich. Mindestens 23 Athletinnen und Athleten, vor allem Skilangläufern und Radrennfahrern, konnte in den fast zweijährigen Ermittlungen rund um die sogenannte Operation Aderlass systematische Manipulation nachgewiesen werden. Cheforganisator Mark S., ein Arzt aus Erfurt, wurde zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Diesmal, bei den Welttitelkämpfen im Allgäu, könnte das Thema Covid-19 das sportliche Geschehen unangenehm begleiten. Oberstdorf liegt ganz in der Nähe von Reichsbürger-Hotspots. Am Rande des Illertals im Norden der wintersportverliebten Gemeinde leben besonders viele Corona-Leugner. Die ganze WM wurde hermetisch abgeschottet, in der Eissporthalle des Orts ein Corona-Testzentrum eingerichtet. Wie bei der alpinen WM im italienischen Cortina d’Ampezzo und den Titelkämpfen der Biathleten im slowenischen Pokljuka bewegen sich Athleten, Betreuer, die wenigen Journalisten und Funktionäre in sogenannten Blasen, die vor Ansteckungen schützen sollen. 750 Sportlerinnen und Sportler aus 62 Ländern gehen bei 24 WM-Entscheidungen an den Start. Insgesamt reisen 4500 Menschen an. Sie alle sollen sich regelmäßig PCR- und Antigentests unterziehen. Schmerzlich vermisst werden vor allem die norwegischen Fans, die noch jeder WM ein ganz besonderes Flair verliehen haben.

Bei der letzten Heim-WM vor 16 Jahren sorgten insgesamt 350 000 Zuschauer in der Allgäu-Arena und auf der riesigen Tribüne des Langlaufstadions südlich von Oberstdorf für eine Atmosphäre, die schon allein eine Reise wert war. Diesmal dürfen allenfalls Pappfiguren auf den Tribünen positioniert werden – was auch die Tourismus-Manager der Gemeinde umtreibt, die sich von der WM natürlich Werbung erhofft hatten. "Es wird ein anderes Wintermärchen als 2005", sagte WM-Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz: "Diese Situation hat sich niemand gewünscht."

Bis Mitte Januar hatten die Organisatoren zusammen mit dem Deutschen Ski-Verband noch versucht, wenigstens die Erlaubnis für jeweils 2500 Zuschauer an Schanzen und Loipen zu bekommen. Namentlich DSV-Präsident Franz Steinle setzte sich dafür ein. Doch die hohen Ansteckungszahlen im Pandemie-Winter machten selbst diesen Versuch zunichte. Das Testkonzept ist jetzt noch rigider als ursprünglich geplant. Auch das Hotelpersonal soll regelmäßig untersucht werden.

ARD und ZDF übertragen abwechselnd live, außerdem Eurosport.