Wahlkreis Waldshut

Robert Kuhlmann (Die Linke) möchte die Autoindustrie zukunftsfähig machen

Stefan Mertlik

Von Stefan Mertlik

Mo, 22. Februar 2021 um 07:53 Uhr

Kreis Waldshut

Robert Kuhlmann tritt für Die Linke im Wahlkreis 59 an, weil für ihn Mobilität und Nachhaltigkeit in keinem Widerspruch stehen. Auch für die Digitalisierung des Landes hat der 27-Jährige Pläne.

Seit einem halben Jahr lebt Robert Kuhlmann im Kreis Waldshut. Nun möchte er den Wahlkreis 59 als Kandidat für die Linkspartei im Landtag vertreten. Autoindustrie und Nachhaltigkeit stehen für den 27-Jährigen in keinem Widerspruch. Auch für die Digitalisierung des Landes hat er Pläne.

Vergangenen August zog Robert Kuhlmann für einen IT-Job aus dem Ruhrgebiet nach Grenzach. "Um Themen wie Digitalisierung behandeln zu können, ist es nicht wichtig, hier aufgewachsen zu sein", antwortet der 27-Jährige auf die Frage nach fehlendem Regionalbezug. Kuhlmanns politische Karriere begann in Gelsenkirchen, wo er in seiner Abiturzeit Treffen der Jusos besuchte. "Weil meine Eltern jahrelang die SPD gewählt haben, war die Jugendorganisation meine erste Anlaufstelle." Kuhlmann hätte sich dort allerdings eine offenere Streitkultur gewünscht.

Video: Robert Kuhlmann im BZ-Fragenwirbel



Der erste Kontakt mit der Linkspartei verlief zaghaft. Im Kreisverband Bochum half er gelegentlich beim Verteilen von Flugblättern. Zwei Tage nach der Bundestagswahl 2017, bei der Die Linke 9,2 Prozent der Stimmen holte, reichte er seinen Mitgliedsantrag ein. Als Kandidat für den Landtag im Wahlkreis 59 möchte er nach einer einfachen Regel handeln: "Wir müssen Missstände angehen, sobald wir sie erkennen."

Wirtschaft

"Die Autoindustrie hat meiner Meinung nach das größte Zukunftspotenzial", sagt Kuhlmann. "Ich wünsche mir, dass Baden-Württemberg ein Modellland für synthetische Biokraftstoffe wird." Die Technologie, die Rest- und Abfallstoffe in Sprit verwandelt, könne ein vielversprechender Ersatz für fossile Kraftstoffe werden. Verbrennungsmotoren und Motoren für synthetische Biokraftstoffe seien sich sehr ähnlich. Das ermöglicht eine Produktion unter fast identischen Bedingungen. Kuhlmann: "Meine Vision ist es nicht, die Autoindustrie zu zerschlagen, ich möchte sie zukunftsfähig machen."

Klimaschutz und Verkehr

"Der Klimawandel ist eine Tatsache, um die wir nicht herumkommen", sagt Kuhlmann. In der Bevölkerung stelle er bereits ein Umdenken fest. Nachhaltigkeit werde immer wichtiger. Das merken auch die Unternehmen, die auf Druck der Kundschaft ökologischer produzieren. Um diese noch stärker zur Nachhaltigkeit zu motivieren, könne er sich eine CO2-Steuer und Prämien für nachhaltige Unternehmensführung vorstellen.

Für eine Verkehrswende seien Alternativen zum Auto notwendig. Kuhlmann weiß, dass er Menschen an abgelegenen Orten nicht vom Fahrrad überzeugen kann. Wichtig sei es, erst einmal dort Fahrradtrassen zu schaffen, wo es leicht umsetzbar ist: in Grenzregionen und Talachsen zum Beispiel. In höheren Lagen und im ländlichen Bereich würde Kuhlmann den Ausbau des Nahverkehrs fördern. Bei der Energieversorgung möchte er sich für den Ausbau von Solar-, Wasser- und Windkraft einsetzen.

Landwirtschaft

"Die Landwirtschaft ist eine der wenigen Branchen, in der der Kunde diktieren kann, was er bereit ist, zu bezahlen", sagt Kuhlmann. Dadurch entstehe ein Preiskampf, in dem es kleine und mittelständische Betriebe schwer haben. Wenn der Abnehmer den Preis bestimmt, dürfe sich niemand wundern, wenn der Bauer keine Bioqualität mehr liefern kann. "Wir sind es gewohnt, für eine Packung Salami weniger als einen Euro zu zahlen", sagt Kuhlmann. Auch er wünsche sich eine tierfreundlichere Produktion, aber der Verbraucher müsse das auch honorieren. Kuhlmann schlägt vor, nachhaltige Betriebe in einer anderen Form als bisher zu subventionieren.

Digitalisierung

"Glasfaser ist die Technik der Zukunft", sagt Kuhlmann. Nur so könne man die Betriebe und Privathaushalte mit schnellem Internet versorgen. Für die Umsetzung wünscht sich der Softwareingenieur ein langfristiges Investitionsprogramm mit klaren Zielvorgaben.

Um beim mobilen Internet hohe Netzsignalqualitäten zu garantieren, möchte Kuhlmann verpflichtend für Netzbetreiber auf sogenanntes "Site-Sharing" setzen. Dadurch nutzen mehrere Anbieter einen Funksendemast gleichzeitig. Das soll Netzlücken in dünner besiedelten Gebieten schließen. "99 Prozent der Wohnflächen werden bereits von Funkmasten abgedeckt, aber nicht von jedem Anbieter", sagt Kuhlmann. Wer einen Vertrag bei Anbieter X hat, der nächstgelegene Funkmast aber von Anbieter Y betrieben wird, hat davon nichts.

"Digitaler Unterricht bereitet die Schülerinnen und Schüler auf die digitale Welt vor, die immer mehr Raum in unseren Leben einnimmt." Robert Kuhlmann
"Die Digitalisierung der Schulen wurde verschlafen", sagt Kuhlmann. Es fehle an Infrastruktur und Endgeräten wie Tablets und Laptops. Wenn die Politik das Thema priorisieren würde, wäre eine schnelle Umsetzung möglich, ist sich Kuhlmann sicher. Schulungen von Lehrkräften sei innerhalb weniger Tage machbar. Wenn es an den Finanzen hapert, böten aufgearbeitete Second-Hand-Geräte eine günstigere Alternative zu neuen Computern. "Digitaler Unterricht bereitet die Schülerinnen und Schüler auf die digitale Welt vor, die immer mehr Raum in unseren Leben einnimmt", sagt der 27-Jährige.

Wahlkreis

"Ich kann verstehen, dass man hochspezialisierte Leistungen in Zentralkliniken bündelt", sagt Kuhlmann. "Das hilft aber nicht, wenn sich am anderen Ende des Landkreises ein Patient mit Herzstillstand befindet." Kuhlmann bezeichnet die Situation rund um die Schließung des Spitals in Bad Säckingen als "Frechheit". Erst mit der Eröffnung des neuen Krankenhauses in Albbruck hätte das geschehen dürfen. Gerade in der Corona-Krise sei jedes Krankenbett wichtig. "Wir können nicht an der Gesundheit sparen", sagt Kuhlmann.