Rosen in Reben dienten früher als Warnsignal

Hubert Gemmert

Von Hubert Gemmert

Mi, 01. Juli 2020

Glottertal

Vom Scharbächleberg ins Föhrental säumen Rosen den Wanderweg.

. Wer gerne in den Rebbergen Glottertals wandert oder spazieren geht, sieht manchmal Rosen am Ende einer Rebreihe. So auch auf dem sogenannten Rosenweg im Föhrental – ein Insidertipp. Denn weder die Touristik-Information, noch das Rathaus konnten auf die BZ-Anfrage hin mit dem Namen etwas anfangen. Nach einigen Recherchen kam aber doch noch Licht in das Geheimnis des Rosenwegs – der zudem Zuwachs bekommen soll.

Wer den Wiggisrain – dieser Berg trennt das Unterglottertal vom Föhrental – in Richtung Föhrental wandert, kommt am Rebstück Scharbächleberg vorbei. Die Reben gehören Hans-Georg Scherzinger, einem passionierten Rosenliebhaber. Vor sieben Jahren kaufte er zu seinen eigenen Reben von zwei älteren Damen noch weitere Reben dazu. Da in der Steillage die Arbeit für den heute 72-jährigen Winzer immer schwerer wurde, beschloss er mit zwei weiteren Kollegen, die Steillage in eine Quertrasse umzubauen.

Nachdem alle erforderlichen Genehmigungen vorhanden waren, ging es mit dem Umbau los. Nach Fertigstellung gab es an jeder Reihe ein kleines Stückchen freien Platz. Diesen nutzte Scherzinger, um seine Rosen anzupflanzen. "Früher wurden Rosen als Warnsignal neben Reben gepflanzt. Da sie schneller Mehltau und Pilzerkrankungen als die Reben bekamen, waren sie ein guter Indikator für aufkommende Krankheiten. In der heutigen Zeit ist dies nicht mehr nötig. Meine Rosen dienen mir nur noch als Freude, wenn ich im Rebberg arbeite", erklärt Scherzinger. Er erfreut sich aber nicht nur an den Rosen, sondern legt großen Wert auf resistente Sorten, die er selbst veredelt.

"Das beste Mittel gegen Mehltau ist nicht die gekaufte Chemie, sondern eine Mischung aus zehn Prozent Milch und 90 Prozent Wasser. Diese Lösung ist kostengünstig, schnell gemacht, wirksam und umweltfreundlich. Einmal pro Woche und der Mehltau hat keine Chance".

Allerdings müsse dies regelmäßig gemacht werden. Einmal vier Wochen vergessen und es sei zu spät für das Rosenjahr. Scherzinger hat noch mehr gute Tipps auf Lager. So ist ein Brennesselsud gut gegen Läuse und zugleich ein guter Dünger. Einmal pro Woche in den Boden, und dieser wird mit den notwendigen Nährstoffen versorgt. Aus den Stängeln des Ackerschachtelhalms, auch als Zinnkraut bekannt, lässt sich ganz einfach ein Sud herstellen, der Zier- und Nutzpflanzen stärkt und gegen Blattläuse, aber auch Pilze wie Grauschimmel, Mehltau, Sternrußtau oder Schorf schützt. Gerade Sternrußtau findet man immer wieder an Rosen. Die Blätter werden Gelb, bekommen schwarze Flecken und fallen ab. Der Rose passiert aber nichts.

Udo Opel, Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Roter Bur, erzählt, dass die Winzergenossenschaft die alte Tradition Reben und Rosen wieder aufgreifen möchte und beschlossen hat, im Herbst anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Gesamtgemeinde Glottertal, am Winzerpfad 50 verschiedene Rosen zu pflanzen. Die erste Blüte der Rosen am Scharbächleberg ist vorbei, aber Ende Juli, Anfang August gibt es eine zweite – und Wanderer können den Ausblick auf die Rheinebene mit den Vogesen oder ins Föhrental erneut rosenumrankt genießen. 2021 bekommt der Rosenweg am Scharbächleberg ein Pendant am Winzerpfad.