Einfach rauslassen

Rülpsen ist völlig normal

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

So, 25. September 2022 um 07:08 Uhr

Neues für Kinder

Achtung, da kommt er! Erst langsam, dann immer schneller arbeitet er sich vom Magen über die Speiseröhre nach oben, jetzt schnell den Mund aufmachen und … bööööölk. Da ist er: der Rülpser.

Erwachsene sind ja generell ein bisschen komisch. Sehr gut sieht man das zum Beispiel am Rülpsen. Sie können sich einfach nicht entscheiden, ob sie das gut finden oder nicht. Bei einem Baby sind sie ganz heiß drauf, dass es endlich mal rülpst. Sie reiben ihm nach dem Essen den Bauch, tragen es ruckelnd durch die Gegend, klopfen ihm auf die Schulter, bis endlich ein ordentlicher Rülpser aus dem Babymund kommt. Dann sind sie völlig aus dem Häuschen und loben das Kleine: Ja fein, super hast du das gemacht. Und als ihr neulich beim Abendessen einen 1a fetten Rülpser gelassen habt, da waren Mama und Papa sicher auch total begeistert, oder? Haha. Eben.
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Gucken wir uns zunächst mal an, was das eigentlich genau ist, dieser Rülpser. Das ist schnell erklärt, denn beim Rülpsen bahnt sich einfach verschluckte Luft ihren Weg ins Freie. Denn Luft, die wir einatmen, gehört in die Lunge, nicht in den Magen. Dort gelangt sie vor allem beim Essen und Trinken hin. Das ist ganz normal, wir haben immer Luft im Mund, die nun mal gemeinsam mit der Pommes und dem Bissen Pizza nach unten rutscht.

Die Luft im Magen wird über das Blut in die Lunge transportiert, dort arbeiten wir sie wieder aus. Ein Teil wandert auch mit durch den Darm und gelangt auf diesem Weg wieder nach draußen: Sie wird zu einem Pups.

Der Magenmund ist eigentlich immer gut verschlossen – also die Stelle, wo die Speiseröhre in den Magen übergeht. Hier können Pommes und Pizza nur rein, aber nicht wieder raus nach oben. Manchmal aber gelangt besonders viel Luft in den Magen. Wenn wir hektisch gegessen oder viel geredet haben, während wir die Spaghetti mit Tomatensoße in uns reingeschaufelt haben. Auch Getränke mit Kohlensäure bringen jede Menge Luft nach unten. Diese Luft schafft es dann, den Magenmund kurz von innen zu öffnen, und flutscht dann, zack, nach oben raus. Dort ist an einer Stelle hinter dem Kehlkopf die Speiseröhre besonders eng. Hier muss sich die aufsteigende Luft durchdrücken – dabei entsteht ein kleines Geräusch, eine Art Plopp. Im Mund kann das Plopp wie ein Echo verstärkt werden, und wenn wir den Mund zusätzlich ein wenig öffnen, kommt das Geräusch als lauter Rülpser nach draußen. Dabei gilt: Je mehr Luft nach oben kommt, umso besser stehen die Chancen auf einen großen Rülpser. Wer einen Rülpswettbewerb gewinnen möchte, muss also für genügend Luft im Magen sorgen. Das geht am einfachsten, indem man Apfelschorle oder Mineralwasser mit viel Kohlensäure trinkt.

Wer vor anderen laut rülpst, wird bei uns in Deutschland und vielen anderen Ländern schief angeguckt: Das gehört sich nicht! Dabei muss wirklich jeder Mensch rülpsen, manche sagen auch aufstoßen dazu. In China ist es völlig okay, wenn man nach dem Essen rülpst – es ist ein Zeichen, dass es geschmeckt hat und man zufrieden ist. Und nicht nur Menschen können rülpsen: Kühe und Ziegen tun das alle 40 Sekunden. Da sollen sich Mama und Papa mal beschweren.

Manche Menschen rülpsen so gerne, dass sie es üben, um Rekorde aufzustellen. Am längsten kann, dem Guinnessbuch der Rekorde zufolge, der Italiener Michele Forgione rülpsen, nämlich eine Minute, 13 Sekunden und 57 Millisekunden lang. Einen Weltrekord für den lautesten Rülps hat Paul Hunn 2009 aufgestellt: Sein Rülps war 109,9 Dezibel laut. Das ist so laut wie eine Kettensäge. Viele haben es versucht, aber keiner konnte lauter rülpsen als Paul. Bis vergangenes Jahr: Neville Sharp aus Australien rülpste mit 112,4 Dezibel. Neuer Weltrekord. Also auf geht’s: Holt ein Glas Mineralwasser und fangt an zu trainieren.