Kleine Parteien

Sabine Schumacher und Zeki Ates treten im Wahlkreis Lörrach-Müllheim direkt an

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Di, 19. September 2017 um 14:16 Uhr

Lörrach

Auch sie wollen in den Bundestag: Sabine Schumacher (Piraten) und der parteilose, aber sozialistische Zeki Akes treten im Wahlkreis Lörrach-Müllheim als Direktkandidaten an.

Neben den in Bundes- und Landtag vertretenen Parteien bewerben sich bei der Bundestagswahl am 24. September im Wahlkreis Lörrach-Müllheim zwei weitere Kandidaten um das Direktmandat: Sabine Schumacher aus Lörrach für die Piraten und Zeki Ates aus Grenzach-Wyhlen als parteiunabhängiger Kandidat, der der Internationalistischen Liste/MLPD nahesteht.

Sabine Schumacher

Sabine Schumacher ist Vorsitzende des Bezirksverbandes Freiburg der Piratenpatei. Die 52-jährige Schauwerbegestalterin ist zudem Mitglied bei Freifunk Dreiländereck und Mieterhilfe, aktiv bei Attac Lörrach, der IG Musikkultur, "FairNETZt" und dem Aktionsbündnis gegen Rechts. Bei der Landtagswahl 2016 kam sie für die Piraten auf 669 Stimmen oder 0,83 Prozent. Vor wenigen Wochen rückte sie für die Linke, auf deren offener Liste sie 2014 bei der Kommunalwahl angetreten war und Platz vier belegt hatte, in den Lörracher Stadtrat nach.

"Mir liegt die Entwicklung der Region und das Wohl der Menschen sehr am Herzen", sagt Sabine Schumacher. Im Dreiländereck fehle es beispielsweise an bezahlbarem Wohnraum. In weiten Teilen stehe zudem der Ausbau der notwendigen Infrastruktur für schnelles Internet noch aus. Dafür setzt sie sich ein. Denn "unsere Lebens- und Arbeitswelt wird zunehmend stärker von Informationstechnologien geprägt". Gerade Schulen seien auf Breitbandanschluss und passende Hardware angewiesen. Überhaupt sieht Schumacher bei den Bildungsstätten und deren Bausubstanz erheblichen Bedarf für Investitionen in Gebäude, aber auch in die Innenausstattung. "Junge Menschen brauchen eine freundliche Umgebung, die zum Lernen motiviert; der Staat sollte in die Menschen und die Zukunft der Gesellschaft investieren und sie nicht zugrunde sparen."

Als weitere politische Anliegen nennt Schumacher einen fahrscheinlosen ÖPNV, eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung, ein Konzept für bezahlbaren Wohnraum, die Förderung neuer Wohnideen, ein bedingungsloses Grundeinkommen sowie mehr Bürger- und Volksentscheide. Wichtigstes Ziel für den 24. September ist, mindestens 0,5 Prozent zu erreichen, um in der Parteienfinanzierung zu bleiben. "1000 Stimmen fallen für Großparteien nicht ins Gewicht; für kleine Parteien können sie entscheidend sein", sagt die Piraten-Kandidatin.

Zeki Ates

Dafür, dass er parteiunabhängig kandidiert, gibt Zeki Ates organisatorische Gründe an: Die Zeit reichte nicht. Inhaltlich steht der 55-jährige Industriearbeiter aus Grenzach-Wyhlen nämlich hinter dem Programm der Internationalistischen Liste/MLPD, die von 18 Organisationen aus linken Strömungen getragen wird. Ates ist überzeugter Sozialist. Er setzt sich gegen prekäre Beschäftigung ein, für eine Umweltpolitik im Einklang mit der Natur und eine sofortige Abschaltung der Atomkraftwerke, insbesondere in der Region.

Es brauche mehr Versorgung im Gesundheits- und Pflegewesen sowie deutlich mehr sozialen Wohnungsbau. Ates fühlt sich gut vernetzt, vor allem weil er in der alevitischen Gemeinde in Weil am Rhein aktiv ist. Die Aleviten sind eine vorwiegend in der Türkei beheimateten Glaubensrichtung des Islam, die in Deutschland rund eine halbe Million Mitglieder zählt. Ates sieht sich als Repräsentant einer demokratischen Türkei; deren Staatspräsident Erdogan kritisiert er; von der deutschen Regierung fordert er denn auch "eine andere, konsequente Politik." Da sich der mediale Wahlkampf auf die großen Parteien konzentriere, rechnet sich Zeki Ates für den Sonntag nicht mehr als einen Achtungserfolg aus.

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