SC Freiburg

SC-Coach Streich: "Das Momentum war bei uns, wir haben gegen eine starke Wolfsburger Mannschaft gewonnen"

bz, dpa

Von BZ-Redaktion & dpa

Sa, 23. Oktober 2021 um 17:22 Uhr

SC Freiburg

Weiterhin ungeschlagen: Mit etwas Spielglück und einer ansonsten kontrollierten und abgebrühten Leistung gewinnt der SC Freiburg in Wolfsburg mit 2:0 (1:0). Die Streich-Elf ist vorerst Tabellendritter.

Mit "Auswärtssieg"-Rufen feierten die Freiburger Fans ihre Spieler, die Wolfsburger-Anhänger quittierten die Darbietung ihrer Mannschaft mit lauten Pfiffen. Während der SC Freiburg seine Erfolgsgeschichte fortsetzt, verschärft sich die Krise des VfL immer weiter.

Das 0:2 (0:1) am Samstagnachmittag war bereits das achte Pflichtspiel der Niedersachsen in Serie ohne Sieg. Der Druck auf Trainer Mark van Bommel wächst. Einige Fans forderten bereits lautstark die Ablösung des Niederländers, der nach der Partie relativ schnell in den Katakomben des Stadions verschwand.

"Ich glaube, dass wir uns vom Kämpferischen und von der Einstellung nichts vorwerfen können", sagte Wolfsburgs Torwart und Kapitän Koen Casteels. "Im Moment befinden wir uns in einer Spirale, in der wir auch nicht das Glück haben, das man manchmal haben muss." Auch van Bommel sprach auf der Pressekonferenz nach der Partie vom fehlenden "Quäntchen Glück" und sagte: "Es sind kleine Details, die entscheiden." Freiburgs Trainer Christian Streich nickte zustimmend.

"Heute hatten wir das richtige Momentum" Christian Streich
"Heute hatten wir das richtige Momentum", stellte der 56-Jährige fest. Philipp Lienhart hatte sein Team in der 27. Minute in Führung gebracht, Lucas Höler (68.) erzielte das zweite Tor für die Breisgauer. Als einzige Mannschaft bleibt Freiburg in dieser Saison in der Fußball-Bundesliga ungeschlagen. "Das ist natürlich extrem geil", sagte Höler bei Sky.


Während das Überraschungsteam auf einem Champions-League-Platz liegt, rutscht Königsklassen-Teilnehmer Wolfsburg immer weiter ab. Vor 10 251 Zuschauern präsentierte sich der VfL nicht kreativ genug und ineffizient.

Wenig Höhepunkte zu Beginn der Partie

Die Partie bot zu Beginn nur wenige Höhepunkte. Der kämpferische Einsatz stimmte bei beiden Mannschaften, doch im Spiel nach vorne fanden weder Wolfsburg noch Freiburg gute Lösungen. Die Gastgeber, bei denen Maximilian Arnold sein 260. Bundesliga-Spiel bestritt und damit zum alleinigen Rekordspieler des Clubs aufstieg, zeigten zwar einige vielversprechende Ansätze. Fehlpässe oder technische Ungenauigkeiten verhinderten dann jedoch wirkliche Torgefahr.

Freiburg beschränkte sich zunächst hauptsächlich auf die Defensive und schlug dann eiskalt zu. Nach einem Freistoß von Vincenzo Grifo scheiterte Lienhart zunächst an Casteels und drückte dann den Nachschuss über die Linie. Zunächst zählte das Tor wegen einer vermeintlichen Abseitsposition nicht. Nach Einschreiten des Videoassistenten Sascha Stegemann durfte der SCF jedoch jubeln.

Wolfsburger scheitert an der Latte

Nach dem Treffer spielte der VfL energischer Richtung gegnerisches Tor, Freiburg war bei Gegenangriffen gefährlich. Wolfsburgs U21-Europameister Lukas Nmecha hatte Pech, als er mit einem wuchtigen Schuss nur die Latte traf (36.).

Auch nach dem Seitenwechsel mühte sich der Volkswagen-Club in der Offensive vergeblich. Freiburg stand sicher in der Abwehr und ließ gegen zumeist zu ideenlose Wolfsburger nicht viel zu. Vertreter Nmecha spielte zwar nicht schlecht, das Fehlen des mit dem Coronavirus infizierten Top-Torjägers Wout Weghorst als Zielspieler im Angriffszentrum war dem VfL jedoch deutlich anzumerken. Immer mehr Fans quittierten die mäßige Leistung ihrer Mannschaft mit Pfiffen. "Wir wollen euch kämpfen sehen", forderten einige von den Rängen - auch, wenn das eher nicht das Problem war.

Höler sorgt für Feierstimmung bei den SC-Fans

Und die Laune der VfL-Anhänger verschlechterte sich weiter. Höler vollendete einen der zu diesem Zeitpunkt seltenen Freiburger Angriffe zum 2:0 und sorgte damit endgültig für Feierstimmung bei den SCF-Fans.

Nach der Partie wurde SC-Coach Christian Streich zu Bayern-Star Joshua Kimmich gefragt. "Jeder Mensch in unserem Land ist frei", sagte Streich nach dem 2:0-Sieg seiner Mannschaft im Bundesliga-Spiel beim VfL Wolfsburg am Samstag. "Ich wünsche mir, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen, weil ich weiß, was es für Auswirkungen haben kann, wenn man sich nicht impft."

"Und deshalb würde ich mir natürlich wünschen, dass die Menschen, die in der Öffentlichkeit sind, sich darüber bewusst sind." Christian Streich

Streich ergänzte: "Die Gefahr, dass man dann einen schweren Verlauf hat, wenn man Covid-19 kriegt, ist ums Vier-, Fünffache höher. Und deshalb würde ich mir natürlich wünschen, dass die Menschen, die in der Öffentlichkeit sind, sich darüber bewusst sind. Aber: Jeder ist frei und das ist grundsätzlich gut so. Und deshalb hat man diese Meinung zu respektieren." Streich war gefragt worden, ob er es aufgrund von dessen Bekanntheit und Vorbildfunktion problematisch sehe, dass sich Kimmich bislang nicht gegen das Virus hat impfen lassen.
Die Statistik zum Spiel:
VfL Wolfsburg: Casteels - Mbabu, Lacroix, Brooks (88. Bornauw), Paulo Otavio (56. M. Philipp) - Guilavogui (56. Lukebakio) - Baku, Vranckx, Arnold, Steffen (80. F. Nmecha) - L. Nmecha
SC Freiburg: Flekken - Gulde (69. Schade), Lienhart, N. Schlotterbeck - Kübler (87. Haberer), M. Eggestein, Höfler, Günter - Jeong (78. Demirovic), Grifo (87. Sildillia), Höler (78. Petersen).
Schiedsrichter: Tobias Welz (Wiesbaden). Zuschauer: 10251. Tore: 0:1 Lienhart (27.), 0:2 Höler (68.). Gelbe Karten: Steffen (2), Guilavogui (3), Mbabu (3) / -