Auswärtsniederlage

SC Freiburg verliert trotz ansprechender Leistung gegen Bremen

Toni Nachbar

Von Toni Nachbar

So, 14. April 2019 um 11:14 Uhr

SC Freiburg

Der Sonntag Der SC Freiburg hat enorm viel investiert, um sich für das bittere 0:5 in Mainz zu rehabilitieren. 75 Minuten lang hielt die Freiburger Defensive, um dann doch vor dem Bremer Ansturm zu kapitulieren.

Die Liste der Freiburger Ausfälle ist lang: Nicolas Höfler war gesperrt, Nils Petersen, Manuel Gulde, Philipp Lienhart, Rolland Sallai sind weiterhin verletzt oder rekonvaleszent. Der SC-Trainerstab musste gründlich überlegen, welche taktische Grundformation und welche Anfangself am geeignetesten wäre, dem Europa-League-Anwärter von der Weser Paroli bieten zu können.

Christian Streich und seine Kollegen entschieden sich für ein defensives 3-5-2, in dem Florian Niederlechner und Vincenzo Grifo das Sturmduo bildeten, während Amir Abrashi, Jerome Gondorf und Janik Haberer die Aufgabe erhielten, das zentrale Mittelfeld dicht zu machen. Die defensive Dreierreihe bildeten überraschend Dominique Heintz und die jungen Schlotterbeck-Brüder – eine Premiere.

35 Minuten lang gab es auf beiden Seiten kaum Torchancen

Dass es gegen die Enttäuschten zu Mainz leicht werden würde zu gewinnen, hatten sich die Bremer nie vorzustellen gewagt. Werder-Coach Florian Kohfeldt wählte deshalb die offensivste und kreativste Anfangsvariante, die sein Kader hergibt: So stellte er Max Kruse als "freischaffenden Künstler" ins offensive Mittelfeld, davor die Stürmer Yuya Osako und Milot Rashica. Im Mittelfeld sollten zudem Nuri Sahin, Maximilian Eggestein und Davy Klaassen für Druck sorgen.

So entwickelte sich während der ersten Halbzeit lange ein Spiel, in dem Werder Ballbesitz und Initiative hatte, während der SC sich darauf konzentrierte, viele Zweikämpfe aggressiv zu gewinnen und die entscheidenden Räume eng zu machen. 35 Minuten lang gab es auf beiden Seiten kaum Torchancen. Lediglich köpfte mal der Bremer Verteidiger Milos Veljkovic über das SC-Tor, während auf Freiburger Seite Pascal Stenzel mit einem harmlosen Distanzschuss den Bremer Schlussmann Jiri Pavlenka prüfte.

Zum SC-Helden hätte Grifo avancieren können

Erst unmittelbar vor der Pause wurde es turbulenter, als in der 38. Minute zwei Mal der Freiburger Torhüter Alexander Schwolow zuerst einen Kopfball, dann einen Schuss Kruses bravourös entschärfte. Apropos Schwolow: Nach seinem Fehler vor einer Woche, der die hohe Niederlage in Mainz einleitete, präsentierte er sich gestern in Bremen in einer glänzenden Verfassung, die die Reife und Klasse dieses Keepers verrät. Viel spricht dafür, dass gestern Schwolow der beste Freiburger auf dem Platz war.

Zum SC-Helden hätte aber Grifo avancieren können, wäre ihm in der 44. Spielminute die Freiburger Führung gelungen. Der Leihspieler aus Hoffenheim verfehlte aber bei seiner Großchance das Bremer Tor und zwang nach dem Schlusspfiff die Freiburger zum Fazit: Vielleicht wäre diese Partie mit einer 1:0-Halbzeitführung anders verlaufen. So aber musste der Sportclub auch nach der Pause weiterhin nur ein 0:0 verteidigen. Und er tat es gut, allerdings verliefen die zweiten 45 Minuten optisch viel ausgeglichener. Vielleicht auch deshalb kam Werder nun häufiger zu Chancen: So musste Keven Schlotterbeck gegen Klaassen auf der Torlinie retten, während sich im weiteren Verlauf Schwolow gleich drei Mal gegen Schüsse und Kopfbälle des eingewechselten Bremer Stürmers Claudio Pizarro auszeichnen konnte.

Aber das Freiburger Bollwerk hielt nur bis zur 75. Minute. Dann endete ein langer Bremer Angriff mit einer Flanke Rashicas auf Klaassen, der im Rücken der Schlotterbeck-Brüder zum Kopfball kam und das 1:0 für Werder erzielte. Die Hoffnung der Freiburger, der ehemalige Ajax-Spieler könnte im Abseits gestanden haben, zerstörte nach einer Überprüfung der Video-Assistent.

Dem Sportclub blieb nur wenig Zeit, auf riskante Offensive umzuschalten. Mehr noch: Den starken Bremern gelang kurz vor Schluss sogar das 2:0, ehe der eingewechselte Luca Waldschmidt in der Nachspielzeit für Ergebniskosmetik sorgte.
Werder Bremen: Pavlenka (46. Kapino) - Gebre Selassie, Veljkovic, Moisander, Augustinsson - N. Sahin - M. Eggestein, Klaassen - M. Kruse - Osako (63. Pizarro), Rashica (87. Harnik)

SC Freiburg: Schwolow - N. Schlotterbeck, K. Schlotterbeck, Heintz - P. Stenzel (63. Frantz), Abrashi, Günter - Haberer, Grifo, J. Gondorf (81. L. Waldschmidt) - Niederlechner (81. Höler)

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Hannover) - Zuschauer: 41000 (ausverkauft)