Schalkes Negativrekorde

dpa

Von dpa

Di, 02. Juni 2020

1. Bundesliga

Das tief verunsicherte Team sorgt seit Ende der Corona-Pause beständig für Enttäuschungen.

Jochen Schneider spricht von einem erschreckenden Negativlauf, David Wagner wirkt zunehmend ratlos: Nicht nur die Durchhalteparolen des Schalker Trainers scheinen seit Wochen zu verhallen. Auch alles, was Wagner mit seiner tief verunsicherten Mannschaft auf dem Platz probiert, funktioniert nicht. Selbst der erneute Wechsel auf der Torwartposition blieb ohne Wirkung. Doch am zurückgekehrten Alexander Nübel, der zur kommenden Saison bei Bayerns Nationaltorhüter Manuel Neuer in die Lehre geht, ist die 0:1-Pleite gegen Werder Bremen nicht festzumachen.

Gepatzt hatte vor dem Siegtreffer von Leonardo Bittencourt (32. Minute) am Samstag Jean-Clair Todibo, der sich im Mittelfeld einen unnötigen Ballverlust leistete. Das 25. Gegentor im elften Spiel ohne Sieg war für Wagner schwer zu ertragen. "Am Ende steht wieder eine Niederlage, steht wieder ein wahnsinniger individueller Fehler. Deshalb haben wir wieder verloren, auch wenn wir nicht viele Torchancen zugelassen haben", sagte der Coach nach der vierten Pleite seit der Corona-Pause, die sein Team aus der Spur gebracht hat. Schon der Wiederbeginn im Derby war zum Debakel geraten. Dem 0:4 beim BVB folgten binnen sechs Tagen das 0:3 gegen Augsburg, das 1:2 in Düsseldorf und nun das 0:1 gegen Werder. Angesichts der anhaltenden Talfahrt fand Schneider deutliche Worte. "Unsere Rückrundenbilanz und insbesondere unsere Leistungen seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs sind niederschmetternd", sagte der Sportvorstand der Bild. "So können und dürfen wir uns als FC Schalke 04 nicht präsentieren."

Die zweitschlechteste Serie der Clubhistorie

Ähnlich sieht es Wagner. "Ich möchte jetzt Corona nicht als Ausrede, als Alibi oder sonst etwas ausnutzen. Wir haben eine wahnsinnig schlechte Phase", sagte der Coach. "Natürlich geht so was an den Jungs nicht spurlos vorbei. Es ist jetzt an uns, ihnen das Selbstvertrauen zu geben, dass sie weiter sauber Fußball spielen."

Sätze, die Wagner seit Wochen gebraucht. Der letzte Schalke-Sieg resultiert aus einer längst vergangenen Zeit, als noch Zuschauer im Stadion zugelassen waren. Am 17. Januar gewann Schalke zum Rückrunden-Start gegen den Champions-League-Kandidaten Mönchengladbach. Nach dem 18. Spieltag war Schalke Fünfter, sieben Zähler hinter Bundesliga-Spitzenreiter RB Leipzig und punktgleich mit Erzrivale Dortmund.

Viereinhalb Monate später hat Königsblau die zweitschlechteste Serie der Clubhistorie aus der Saison 1996/1997 eingestellt, rutscht in der Tabelle immer weiter ab. Und der nächste Tiefpunkt lauert schon. Einmal blieb Schalke zwölf Mal nacheinander ohne Sieg – in der Spielzeit 1993/1994. Vor fast 27 Jahren.

Hätte der Revierclub nicht schon in der Hinrunde 30 Zähler gesammelt – er wäre ein sicherer Abstiegskandidat. Dabei sind Wagners taktische Überlegungen nachvollziehbar. Nach den Patzern von Markus Schubert konnte er nicht an der eigentlichen Nummer zwei festhalten. Auch die Installation einer Fünfer-Abwehrkette erschien angesichts der Gegentorflut so logisch wie der Versuch, es gegen Bremen in der zweiten Hälfte mit der alten Offensiv-Taktik zu versuchen. Funktioniert hat aber auch das nicht.