Gemeinderatssitzung

Das Eschentriebsterben führt in Schallstadts Wald zur Verdoppelung des Holzeinschlags

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Fr, 06. Dezember 2019 um 14:23 Uhr

Schallstadt

Anhaltende Trockenheit und Schädlinge setzten manchen Baumarten arg zu. Das hatte Revierförster Jürgen Bucher in der Gemeinderatssitzung in Schallstadt zu berichten.

Neben der zum 1. Januar 2020 in Kraft tretenden Forstneuorganisation in Baden-Württemberg, die aufgrund kartellrechtlicher Auseinandersetzungen zur Rundholzvermarktung notwendig ist, standen der Forstbetriebsplan 2020, der Vollzug 2018 und ein aktueller Bericht aus dem Gemeindewald auf der Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatssitzung in Schallstadt. Außer guter Preise für Laubholz in den Jahren 2018 und 2019 hatte Revierförster Jürgen Bucher wenig Gutes zu berichten: Anhaltende Trockenheit und Schädlinge setzten manchen Baumarten arg zu.

Ob Staats-, Kommunal- oder Privatwald – bis dato hat der Holzverkauf in Baden-Württemberg in einer Hand gelegen. Dies hatte zu einem Verfahren des Bundeskartellamtes gegen das Land geführt, da die Behörde einen Verstoß gegen das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen sah. Ab dem 1. Januar 2020 werden in Sachen forstwirtschaftlicher Revierdienst Staats- vom Kommunal- und Privatwald getrennt und vorgeschrieben, dass forstliche Dienstleistungen zumindest kostendeckend erfolgen müssen. Den entsprechenden Dienstleistungsvertrag mit dem Fachbereich Forst am Landratsamt billigte das Ratsgremium einstimmig.

Ebenfalls ohne Gegenstimmen wurde der Forstbetriebsplan für 2020 beschlossen. Details zum Ist-Zustand des rund 325 Hektar großen Gemeindewaldes erläuterte Förster Bucher: 2018 seien statt der ursprünglich vorgesehenen 1700 nun 6400 Festmeter Holz geschlagen worden. Das habe zwar die Einnahmen gegenüber Plan deutlich erhöht, aber auch die Ausgaben mehr als verdoppelt. Letztlich hatte der Wald statt 2800 Euro insgesamt 4800 Euro erwirtschaftet.

Ein sattes Plus von 25.000 Euro erwartet der Revierleiter für dieses Jahr, in dem sich "eine ganz ähnliche Situation" abzeichne, sagte Bucher. Für das Jahr 2020 stellte er in Aussicht, dass sich "die Situation langsam abschwächt". Statt des jährlichen Erntesolls von 1700 Festmetern sei ein Hiebsatz von 2500 Festmetern geplant.

"Es ist ein langsamer Prozess über fünf bis sieben Jahre", sagte Förster Bucher zum Eschentriebsterben. Seit etwa zehn Jahren befällt das Falsche Weiße Stängelbecherchen, eine vermutlich eingewanderte Pilzart, Eschen zu 100 Prozent. "Jeder Baum ist betroffen, und wir können es nicht beeinflussen", erklärte der Fachmann zu allerlei vergeblichen Versuchen, den Pilzbefall aufzuhalten. Insbesondere im Bereich des Mooswaldes bestehe der Baumbestand nahezu zu einem Drittel aus Eschen, was rund 300 Hektar ausmache, rechnete Bucher den Ratsmitgliedern vor. Diese Fläche werde sukzessive von den kranken Eschen befreit und mit Eichen aufgeforstet. "Dies ist die einzige Alternative für den Mooswald", sagte Bucher zu der pflegeintensiven und langsam wachsenden Baumart.

Buchen sterben schneller als Eschen

"Die Trockenperioden haben dem Wald deutlich zugesetzt", fuhr er mit Blick auf Baumarten wie Buchen und Kiefern fort. Erstere kämen im Schallstadter Gemeindewald im Bereich Schönberg in einer Größenordnung von zirka 50 Hektar vor. Im Gegensatz zu den Eschen stürben Buchen rasch ab, was sowohl mit Blick auf die Verkehrssicherungspflicht als auch die Holzvermarktung schnelles Handeln notwendig mache. Für 2020 stehe das neue für zehn Jahre gültige Forsteinrichtungswerk an. Hier werde, versicherte der Revierleiter, "die neue Situation berücksichtigt". Jürgen Buchers Bilanz: "Deutschlandweit kämpfen die Wälder mit dem Klimawandel."