Blick ins Nest

Die Störche in Mengen haben fünf Eier gelegt

Elena Hunn

Von Elena Hunn

Di, 09. April 2019 um 11:01 Uhr

Schallstadt

Die Störche sind da – auch in Schallstadt, Wolfenweiler und Mengen sind die Nester besetzt. Jetzt fehlt nur noch der Nachwuchs.

In den meisten Orten sind die Störche inzwischen zurück, so auch in Schallstadt, wo alle drei Nester wieder besetzt sind. Wer die Tiere beobachten möchte, der findet sie in Wolfenweiler am Bahnhof, auf dem Dach des Rathauses und in Mengen auf dem Turm der evangelischen Kirche. Dort liegen bereits fünf Eier im Nest.

In Mengen kann man die Tiere nicht nur von unten betrachten, sondern auch einen Blick ins Nest werfen. Die Webcam des Bürgerforums, die einige Zeit vom Netz war, funktioniert jetzt wieder. Wenn das Storchenpaar nicht gerade brütet, sieht man dort die fünf Eier wohlbehütet in der Nestmitte liegen.

Da die Schallstadter Nester zu verschmutzt waren, wurden die rund 800 Kilogramm schweren Horste auf Rathaus und Kirche Anfang März von Grund auf durch den Bauhof erneuert, wie aus dem Rathaus zu erfahren ist. Das Nest auf dem Gelände der Bahn – spektakulär zwischen Schienen und Bundesstraße gelegen – wurde von der DB Netze durch ein Gestell stabilisiert und gesichert.

Störche sind für ihre Treue zum Partner bekannt – eher ungewöhnlich in der Tierwelt. "Sie gewöhnen sich an den Anderen", vermutet Martin Kury, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Weißstorch Breisgau. Trennungen gebe es nichtsdestotrotz. "Bei Männchen gilt das Recht des Stärkeren, bei Weibchen verhält es sich umgekehrt." Das ältere Weibchen hätte das Vorrecht, sollte es das Männchen, das etwa zwei Wochen vor den Weibchen zurückkehrt, mit neuer Partnerin vorfinden.

Der Speiseplan der Störche hat sich verändert

Der Gundelfinger Storchenexperte Dieter Engelbrecht hat viel über das Verhalten von Störchen zu erzählen: "Weil Lurche selten geworden sind, hat sich der Speiseplan der Störche geändert. Regenwürmer, Mäuse und Insekten sind ihre hauptsächliche Nahrungsgrundlage." Selbst für den bitterkältesten Winter lautet Engelbrechts dringliches Anliegen: "Nicht füttern!" Denn Störche, die zu viel Kontakt mit Menschen haben, sind nicht mehr selbstständig genug.

Aus diesem Grund bestehe auch nur zweimal im Jahr Kontakt mit ihnen: beim Frühjahrsputz des Nestes und beim Beringen der Jungen. Störchen Namen zu geben, wie es manche Gemeinden tun, davon hält er nichts. "Störche sind Wildtiere." Ihnen einen Namen zu geben, bedeute, eine emotionale Verbindung einzugehen, ähnlich wie bei einem Haustier.

Wer den Storch sucht, der findet ihn in vielen Gemeinden auf dem Dach der Kirche. "Die Gestelle, auf denen das fertige Nest thront, sowie Reisig zum Bau des Nestes stellen die Gemeinden", sagt Engelbrecht, denn: "Die Tiere finden nur wenig Baumaterial, unsere Landschaft ist zu aufgeräumt." Bauen sich die Störche ihre Nester selbst, geschieht das oft an ungewöhnlichen Orten, wie in Schallstadt, wo die Störche den Abspannmast direkt an der Bahnstrecke zu ihrem neuen Zuhause auserkoren haben – ist das eine Gefahr für sie?

Gustav Bickel, Vorsitzender von Weißstorch Breisgau, erklärt: "Hochspannungsleitungen sind kein Problem, weil die Leitungen weit genug vom Mast entfernt sind." Zudem seien die meisten Strommasten gut abgesichert. "Bei Niederspannungsleitungen dagegen rufen wir den Energiebetreiber an, um das Nest entfernen zu lassen. Die Leitungen sind nahe am Mast, das ist eine Gefährdung." In der Umgebung gebe es 14 Nester, die auf Hochspannungsmasten gebaut sind.

Dass Wiesen zunehmend Getreide- und Maisfelder weichen müssen, die Düngung von landwirtschaftlichen Flächen, der Rückgang an Insekten – "all das sind eher Dinge, die dem Storch das Leben in Zukunft erschweren könnten", sagt Martin Kury. Insgesamt sei die Population aber stabil.

Gibt es doch einmal einen verletzten Storch, wird dieser zu Kurys Pflegestation in Reute gebracht – sie liegt in seinem eigenen Garten. Hier päppelt er verletzte Störche in einer großen Voliere wieder auf um sie im Herbst zum Flug gen Süden wieder frei zu lassen. "Das ist jedes Jahr ein emotionales Erlebnis", sagt Dieter Engelbrecht.


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