Bilder, die vom Humor leben

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 14. November 2019

Schopfheim

Der Kunstverein Schopfheim hat für eine Ausstellung in der Kulturfabrik die Münchner Künstlerin Alexandra Huber engagiert.

SCHOPFHEIM. Eine Bilderwelt voller liebenswürdig skurriler Figuren zeigt die Münchner Malerin Alexandra Huber in der Kulturfabrik. Der Kunstverein Schopfheim ist auf die unkonventionelle Künstlerin aufmerksam geworden, die mit ihrer ganz eigenen Figuren- und Bildsprache zum Schmunzeln anregt, aber auch hinter die Fassaden der Menschen blickt.

"Alexandra Hubers Bilder leben vom Humor", sagte Vorsitzender Johannes Kehm bei der Vernissage über die vielfältigen menschlichen Darstellungen im Werk der Malerin. Er erwähnte auch, dass die Malerin Psychologie studiert hat, bevor sie zur Kunst fand. Anfänglich ist Alexandra Huber in die stilistische Ecke "Art Brut" gestellt worden. An diese Phase erinnern einige wilde Bilder, in denen sie mit dickem Pinsel, viel Schwung, expressiver Geste und leuchtenden Farben Köpfe, Profile, Figuren ins Bild setzt.

Für ihre Schau in der Kulturfabrik hat Huber Arbeiten von 1998 bis heute ausgesucht, die durch ihre originellen Figuren und speziellen Techniken auffallen. Die Malerin arbeitet mit Acrylfarben auf Papier, das sie in die flüssige Grundierung auf der Leinwand einarbeitet. Auch Ölkreide verwendet sie, um ihre Figuren zu konturieren. Aus dem Hintergrund, der in Umbra-Farbe gehalten ist, gestaltet sie ihre eigenwilligen Figuren, oft Paare oder Gruppen, alles Archetypen, die für bestimmte Typen aus dem Alltag stehen.

Es sind oft Alltagsbeobachtungen und Beziehungsgeflechte, die Huber zu ihren hintergründigen Figurenbildern inspirieren. Etwa zu dem Bild von Mann und Frau, das den kryptischen Titel "Denk = Spür" trägt.

Die Malerin schreibt die Titel oft direkt in die Bilder hinein. Dass vieles an ihren Figuren rätselhaft und vieldeutig bleibt, ist beabsichtigt. So könnten die umrisshaften Gestalten auf dem 2,80 Meter breiten Großformat mit dem Titel "Elektrisch" einer Szene in einer Disco entsprungen sein. Alexandra Huber spielt auch mit Schrift und Sprache, wird zur Wortschöpferin voller Fantasie und Humor, wenn sie ihre Bilder mit Texten verwebt. Ganz auffallend ist das in dem aufklappbaren Bild über ein Familientreffen, das auf den Außenseiten Figuren zeigt und im Inneren aus Sprüchen, Gesprächsfetzen, Satzfragmenten besteht, wie sie einer Familie abgelauscht wurden.

In einigen Bildern tauchen mythologische Symbole auf: Boot, Haus, Leiter sind immer wieder zu entdecken oder auch mal ein Hybridwesen, halb Vogel, halb Mensch. Welchen Spaß es der Künstlerin macht, mit ihren Figuren zu "spielen", zeigt ein Bacchus im Boot, der sich eine "Bacchina" angelt. Auch an den Tiergestalten hat der Betrachter ein großes Vergnügen, sei es das etwas moppelige Schaf, der "Elefantenflüsterer" oder die etwas anderen Variationen der Bremer Stadtmusikanten: In Hubers Bildern tummeln sich Schildkröte, Schaf, Schnecke, Igel, Krokodil und formieren sich zu Tier-Pyramiden.

"Im stillen Kämmerlein" heißt eine Serie in Holzkästen mit gezeichneten Kopffüßlern, denen allerlei Gespinste im Kopf herumspuken. Wie Bühnenbilder en miniature wirkt die Installation mit Nachtszenen, in denen die Malerin in Kästen Einblick in das nächtliche Leben ihrer Figuren gibt. In solchen Arbeiten gehen Malerei und Zeichnung in den Raum, ins Dreidimensionale hinaus. Sehr experimentierfreudig zeigt sich die Malerin in Bildern, in denen Pinselstriche in verschiedenen Farben linienartige Spuren bilden.

Info: Die Ausstellung ist bis 8. Dezember mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu sehen.