Dorian Gray bricht auch in Schopfheim zusammen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 06. April 2019

Schopfheim

Theatergastspiele Fürth bringen zum Abschluss der Theaterreihe Oscar Wildes Klassiker beeindruckend auf die Stadthallen-Bühne.

SCHOPFHEIM. Ewig jung und schön zu bleiben, ist der brennende Wunsch des Jünglings Dorian Gray. Dafür gibt der Liebling der Gesellschaft sogar seine Seele her. Während er den Glanz der Jugend bewahrt, altert sein Porträtgemälde und verwandelt sich in eine hässliche Fratze. Oscar Wildes Klassiker "Das Bildnis des Dorian Gray" brachten die Theatergastspiele Fürth zum Saisonabschluss der Theaterreihe in einer eindrücklichen Inszenierung auf die Bühne der Schopfheimer Stadthalle.

Das Stück in der Schauspielfassung von John von Düffel spielt in der vornehmen Gesellschaft der dekadenten Dandys und feinen Ladys Ende des 19. Jahrhunderts. Doch die Botschaft ist zeitlos und hochaktuell in einer Zeit, da in allen Medien der Jugendwahn und Schönheitskult grassiert. "Jugend ist das Kostbarste, was es gibt", gibt Lord Henry, Freund und Mentor des Titelhelden, als Lebensmotto aus. Er rät seinem Schützling, die Vergnügungen in vollen Zügen zu genießen, bevor die Schönheit dahin welkt. In der ersten Szene sieht man den Maler Basil in seinem Atelier mit Pinsel und Palette an der Staffelei, wo er sein Meisterwerk vollendet: das Porträt des für sein Aussehen bewunderten Dorian Gray. Dieser ist so hingerissen von seinem Konterfei, dass er einen teuflischen Pakt eingeht. An seiner Stelle wird das Bildnis älter, wird zum Spiegelbild seiner Seele, seines Inneren, zeigt die Grausamkeit, Verderbtheit und Lasterhaftigkeit seines Lebens. Oscar Wilde, Meister der scharfsinnigen Gesellschaftskritik, entlarvt die Dekadenz und den Lebensstil der damaligen besseren Kreise. In der Inszenierung von Oliver Karbus erlebte das Publikum einen packenden Theaterabend auf sehr hohem Niveau mit herausragenden Schauspielern, die man teils aus dem Fernsehen kennt. Das Bühnenbild war eher schlicht gehalten, illustrierte mit Sofa, Staffelei und Garderobe mit Spiegel aber treffend die verschiedenen Schauplätze. In der Titelrolle gab Christian David Gebert einen sehr überzeugenden jungen Lebemann. Mit snobistischer Arroganz der Jugend, überheblichem Gesichtsausdruck stürzt sich dieser Liebling der Salons ins Vergnügen und andere ins Verderben. Alle um ihn herum altern, werden grau, gehen am Stock, nur Dorians Fassade bleibt faltenlos. Doch wenn er das Tuch vom verhüllten Bildnis nimmt, erschrickt er: eine Fratze blickt ihm entgegen, mit grausamem Zug um den Mund, zerfurcht, verderbt, verfallen. Diese zwei Seiten, das Abgründige, Unheimliche, Verderbte hinter dem schönen Schein, macht der Darsteller glaubhaft spürbar.

In der Rolle des Lord Henry brilliert Steffen Wink als messerscharf spöttelnder Dandy und Zyniker. Elegant mit Zylinder und Ausgehrock, einen süffisanten Kommentar oder eine Lebensweisheit auf den Lippen, gibt der großartige Darsteller diesen lebensklugen Genießer und erfahrenen Bonvivant. Als noble Dame der Gesellschaft erscheint Manuela Denz in der Rolle der Lady Wotton. Eine empfindsame Künstlerseele bringt Steffen Schlösser als Maler Basil ein, für den sein Modell Dorian die größte Inspiration darstellt. Umso entsetzter reagiert der Künstler, als er das entstellte Bildnis erblickt. Um sein schreckliches Geheimnis zu wahren, ersticht Dorian den Malerfreund in einer dramatischen Szene.

Im Zeitraffer sieht man Dorian Gray immer mehr Schuld auf sich laden, andere ins Unglück stürzen. Er kokst, treibt sich in Lasterhöhlen herum. In einer beklemmenden Alptraum-Szene sieht man ihn am Boden liegen, um ihn tönen Stimmen aus der Vergangenheit, tauchen Figuren aus seinem Leben wie Halluzinationen und Geistergestalten auf. Die Tragödie um den bewunderten Schönling, der zum Wüstling wird, gipfelt in der expressiven Schlussszene, in der Gray wie besessen auf sein Bildnis einsticht und tot zusammenbricht. Ein dichter Theaterabend mit erstklassigen Schauspielern, was die Zuschauer mit starkem Beifall quittierten.