"Das sind für mich gute Vorbilder"

bex

Von bex

Fr, 03. Mai 2019

Schülertexte

ZISCHUP-INTERVIEW mit Martina Feierling-Rombach über Frauen, die die Ärmel hochkrempeln und als Unternehmerin loslegen.

Der Verband deutscher Unternehmerinnen, kurz VdU, vertritt seit 1954 als Wirtschaftsverband branchenübergreifend die Interessen von Unternehmerinnen. Sophie Hummelsiep aus der Klasse 9a des Markgräfler-Gymnasiums in Müllheim hat mit Martina Feierling-Rombach, der Vorsitzenden des Landesverbandes VdU Baden, über weibliches Unternehmertum gesprochen.

Zischup: Wie haben Sie vom VdU erfahren?
Feierling-Rombach: Vor über zehn Jahren erzählte mir eine Freundin, die zu diesen Zeitpunkt schon Mitglied war, vom VdU. Sie lud mich auf ein Business-Treffen ein, und ich war von Anfang an total begeistert, dass es endlich ein branchenübergreifendes Frauennetzwerk gibt. Daraufhin habe ich mich angemeldet.

Zischup: Welche Ziele verfolgt der VdU?
Feierling-Rombach: Da gibt es eine ganze Reihe, aber in erster Linie ist es, sich durch die immer wachsende hohe Mitgliederzahl in der Politik Gehör zu verschaffen. Aber es ist auch wichtig, dass wir die Möglichkeit haben, untereinander zu netzwerken, also sich auszutauschen und dass wir Geschäfte untereinander machen.

Zischup: Was motiviert Sie, im VdU tätig zu sein?
Feierling-Rombach: Dass ich das Gefühl habe, viel bewegen zu können. Unser Netzwerk wächst, vor fünf Jahren waren es in Baden 30 Mitglieder, heute sind es zwischen 70 und 80. Viele jüngere Unternehmerinnen kommen dazu, auch mit mir unbekannten Berufen. Und von ihnen kann ich auch als erfahrene Unternehmerin noch viel lernen, es beflügelt mich und macht mir Freude.

Zischup: Was können Sie bewegen?
Feierling-Rombach: Durch unsere Stärke bekommen wir jetzt auch Gehör in der Politik, Aufmerksamkeit von den Kammern und bei den männlich geführten Unternehmen. Der Vdu hat in Südbaden eine große Bedeutung, das kommt durch unsere Arbeit, aber auch durch die vielen
engagierten Mitglieder, die einfach Multiplikatoren sind.

Zischup: Haben Sie Vorbilder?
Feierling-Rombach: Im VdU gibt es unglaublich tolle Unternehmerinnen, aber im Großen und Ganzen sind es für mich die Frauen, die trotz wirtschaftlich schlechter Zeiten zum Beispiel im Krieg, wenn die Männer gefallen sind, völlig alleine da standen. Sie mussten sich entscheiden , entweder muss ich den Betrieb jetzt schließen und die Leute entlassen oder ich mache weiter. Und da gibt es wirklich einige Beispiele, auch im VdU, die die Ärmel hochgekrempelt und gesagt haben: Okay, ich versuche den Betrieb weiterzuleiten. Das sind für mich ganz große Vorbilder.

Zischup: War es schon immer Ihr Wunsch Landesverbandsvorsitzende zu werden?
Feierling-Rombach: Nein, im Gegenteil. Ich habe mich lange Zeit geziert. Ich habe gedacht, dass mir das einfach eine Nummer zu groß ist. Aber irgendwann saß dann Margot Selz, meine Vorgängerin, bei mir und hat gesagt "Martina, ich weiß niemanden, der es besser macht als du, mache es mir zuliebe, als Freundin." Ich habe zugesagt. Und hatte das Glück, dass ich schnell tolle Unterstützerinnen gefunden habe, die mir geholfen haben, dadurch hat es sich auch ganz schnell eingespielt.

Zischup: Welche Bedeutung hat für Sie Erfolg?
Feierling-Rombach: Generell ist Erfolg für mich nicht nur wirtschaftlicher Erfolg, sondern auch, dass man das Gefühl hat, man kann einen Mehrwert, zum Beispiel in der Gesellschaft, erreichen. Wenn man unternehmerisch etwas entscheidet, geht es immer mehr in die Richtung, dass wir nicht nur auf uns selbst, auf unser eigenes Unternehmen achten, sondern wie wir uns in der Gesamtheit der Gesellschaft und der Wirtschaft einbinden. Ein Beispiel dafür ist, dass ich jetzt zwar eine Entscheidung treffen kann, die finanziell vorteilhaft ist, aber im Sinne der Ökologie, der Umwelt katastrophal ist, und da stellt sich für mich die Frage: Habe ich einen finanziellen Erfolg, weil ich gleichzeitig etwas tue, das der Allgemeinheit schadet? Das sind für mich dann keine wirklich erfolgreichen Entwicklungen. Erfolg ist viel mehr als Geld verdienen und Kapitalzahlen.

Zischup: Wie wichtig ist für Sie die Frauenquote in der Wirtschaft?
Feierling-Rombach: Ich war lange sehr verhalten, aber ich habe dann irgendwann für mich erkannt, dass es ohne die Quote nicht geht. Diese unverbindliche Forderung mehr Frauen in die Aufsichtsräte, mehr Frauen in die Vorstände, das sind alles Lippenbekenntnisse. Wenn Frauen im Aufsichtsrat sitzen, hat das oft zur Folge, dass Frauen in Personalentscheidungen mehr Berücksichtigung finden, dadurch kommen automatisch Frauen leichter in Vorstands- oder Führungspositionen von Unternehmen. Das geht leider nur über die Quote. Deshalb stehe ich da hundertprozentig dahinter.

Zischup: Als junges Mädchen würde mich interessieren, wie der VdU junge Unternehmerinnen unterstützt?
Feierling-Rombach: Es gibt ein Mentorenprogramm, da trifft sich eine erfahrene Unternehmerin mit einer jungen Unternehmerin, die vielleicht noch Hilfestellungen braucht in ihrer Persönlichkeitsentwicklung oder Netzwerkdefizite hat. Das Programm geht ein Jahr lang und es gibt regelmäßige Treffen. Begleitet wird das Programm von einer Organisation, die heißt Käte-Ahlmann-Stiftung, diese Stiftung bringt die erfahrene Mentorin und die junge Mentee zusammen. Zwei Frauen profitieren voneinander, die Junge lernt von der Erfahrenen und die Erfahrene bekommt einen Einblick in eine ganz andere Welt.