Prima fürs Klima (?)

Schulen leben Klimaschutz im Kleinen

Erika Bader

Von Erika Bader

Mo, 22. November 2021 um 19:00 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Schüler in Grenzach-Wyhlen und Rheinfelden engagieren sich in Projekten und bei Demonstrationen für das Klima, die Pandemie überlagert allerdings die Bemühungen in Schulen.

Hochwasser, Hitzewellen, schmelzende Gletscher: Wir müssen unser Klima schützen, und zwar auch vor der eigenen Haustür. In einer Serie schaut die BZ sich daher an, was man vor Ort tun kann – und wie sinnvoll die verschiedenen Maßnahmen sind. In den Schulen der Region gehört das Thema Klimaschutz zum Programm und das nicht nur im Bildungsplan – die Schulen leben Klimaschutz auch ganz praktisch vor.

Die Bärenfelsschule in Grenzach-Wyhlen geht den Klimaschutz mit vielen Projekten an, lebt das Thema aber auch im Alltag mit etablierten Gewohnheiten. Mülltrennung und Stromsparen mit Hilfe von Bewegungsmeldern und Zeitschaltuhren gehören zum Selbstverständnis der Grundschule in Grenzach-Wyhlen.

Lüften wegen Corona

Corona macht es in der Praxis aktuell allerdings etwas schwerer auf die Energie-Bilanz zu achten, wie Sabine Braun, Rektorin der Bärenfelsschule in Grenzach-Wyhlen, auf Anfrage der Badischen Zeitung erklärt: "Durch Corona und die Lüftkonzepte der Schulen – alle 20 Minuten – ist aktuell die Heizbilanz eher nicht umweltfreundlich." Visuell begegnen die Grundschüler dem Thema Klimaschutz direkt in beziehungsweise auf ihrer Schule. So beherbergt das 2017 erbaute Dach der Mensa durch die Begrünung eine Bienenweide. In der Mensa selbst sorgen zwei lebend-grüne Wände für ein gutes Raumklima. Die Bienen leben allerdings nicht nur auf dem Mensadach, eine eigene AG beschäftigt sich zudem mit ihnen – daneben hat die Schule auch noch eine Upcycling-AG.

Rektorin Sabine Braun sieht bei ihren Schülern großes Interesse am Thema Klimaschutz: "Die Kinder sind stark von ihren Vorerfahrungen geprägt. Wird im Elternhaus auf Nachhaltigkeit geachtet, bringen das die Kinder im Unterricht stark mit ein. Sie leben dies im Schulhaus ebenso wie zuhause und animieren andere Kinder durch ihr Vorbild."

Es gibt aber auch Kinder, die erstmals in der Schule an das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz herangeführt werden: So sind im Bildungsplan Recycling, Verkehr, Lebensräume von Tieren und Pflanzen sowie weitere Themen festgeschrieben. Laut Rektorin Braun sehen ihre Schüler "in den Medien die Auswirkungen des Klimawandels und machen sich viele Gedanken, teilweise auch Sorgen." Einige Kinder der Bärenfelsschule sind beim Klimaschutz auch selbst aktiv geworden und haben sich beispielsweise an der Bewegung "Fridays for Future" beteiligt, erklärt die Rektorin.

Neue Anreize schaffen

Am Georg-Büchner-Gymnasium in Rheinfelden sind Klimaschutz und Nachhaltigkeit in allen Fächern präsent, naturgemäß aber vor allem im Fach Biologie. Die neunten Klassen widmen sich darin verstärkt der Ökologie.

"Hierbei reagieren die Schüler zumeist mit Ablehnung auf die Nennung des Themas, denn sie erwarten zumeist, dass ihnen jetzt wieder einmal gesagt wird, worauf sie zu verzichten haben, damit die Erde bewohnbar bleibt", erklärt Biologielehrerin Stephanie Sandvoß. Dennoch versuchen die Lehrer, den Schülern einen Zugang zum Thema zu vermitteln. Stephanie Sandvoß ist Mitglied der erweiterten Schulleitung und Mitglied der ehemaligen Umweltgruppe.

"Unsere ehemals sehr aktive Umweltgruppe besteht leider nicht mehr, da sich der Versuch des Ressourcensparens an unserer Schule als wenig nachhaltig und damit zunehmend unattraktiv herausgestellt hat. Selbst die Arbeit im Schulgarten, die die ökologischen Zugänge im kleinen Rahmen direkt erlebbar macht, ist nur für jüngere Schüler attraktiv", so Sandvoß. Dem möchte das Georg-Büchner-Gymnasium entgegenwirken, indem der Schulgarten in einem neuen Projekt ,Gesund leben’ als wesentliches Element eingebunden werden soll. "Denn zum gesunden Leben gehört eine gesunde Umwelt unbedingt dazu", erklärt Stephanie Sandvoß die Bemühungen der Schule. Das Projekt soll den Schülern die positiven Auswirkungen von nachhaltiger Lebensweise nahebringen.

Soziales Miteinander im Fokus

Auch wenn Klimaschutz in zahlreichen Fächern an der Realschule Grenzach-Wyhlen Thema ist, derzeit steht das Thema im gelebten Schulalltag etwas zurück, wie Schulleiter Christoph Bigler deutlich macht: "Momentan wird sehr viel durch die Auswirkungen der Pandemiesituation überlagert, insofern als dass wir einen Schwerpunkt auf dem sozialen Miteinander sehen, da dies in Schullockdown-Zeiten natürlich zu kurz kam." Was die Teilnahme an Demonstrationen bei Fridays for Future angeht, beschreibt der Schulleiter seine Realschüler als eher "zurückhaltend".

Bildung für Erwachsene

Nicht nur bei den Schulen, sondern auch bei den Volkshochschulen ist das Thema Klimaschutz allgegenwärtig. So stehen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Co. auf der Agenda der VHS Grenzach-Wyhlen ganz oben, wie es auf Anfrage heißt. Die VHS Rheinfelden hat gar für das Herbst-/Wintersemester den Blickpunkt auf das Thema Nachhaltigkeit gelegt.

Wegen der zugespitzten Corona-Situation finden Vorträge als Livestream statt. So kann man sich beispielsweise beim Vortrag wie "Klimawandel und Klimapolitik" von Ottmar Edenhofer, Direktor sowie Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, informieren lassen, oder bei "Sichere, saubere und effiziente Energie" von Walter Pfeil Neues dazulernen.