Strandbad Titisee

Schwimmbecken wird mit Sand verfüllt – und so zur Kulturfläche

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Mi, 14. April 2021 um 17:54 Uhr

Titisee-Neustadt

Mit dem Verfüllen des Schwimmbeckens soll ein altes Problem beseitigt und eine neue Attraktion im Strandbad Titisee geschaffen werden. In Zukunft soll am Titisee "Kulturbaden" möglich sein.

Die Situation
Gerne hätte der Ausschuss wohl die Reaktivierung des Beckens geschlossen, so Bürgermeisterin Meike Folkerts. "Aber Wunsch und Wirklichkeit stimmen nicht immer überein." Die Finanzlage der Stadt mache die Wiederinbetriebnahme – mit hohen sechsstelligen Kosten für die Überholung der Technik – in den kommenden Jahren nicht möglich. Schulsanierung und -neubau kosteten zwischen 10 und 11 Millionen Euro, Straßen müssten dringend erneuert, Millionenbeträge in die Kanäle fließen: "Man muss diese Realitäten benennen." Und doch sei es ihr, so Folkerts, ein Anliegen, die trostlose Situation im Strandbad zu beenden und einen Mehrwert für die Bürger zu schaffen. Wie das möglich sein könnte, habe sie am Beispiel Bergisch-Gladbachs gesehen, wo ein stillgelegtes Schwimmbecken mit Sand verfüllt und so zur Veranstaltungsfläche mit Wohlfühlambiente wurde. Auch in Titisee sei das möglich: Der neu entstehende Bereich würde dem Bad ein Alleinstellungsmerkmal geben.

Das Konzept
Das Becken bleibt in seiner Grundstruktur erhalten. Sollte also in ferner Zukunft eine Reaktivierung gewünscht sein, sei diese – wenn auch mit einigem Aufwand – möglich. Eine Folie bietet nicht nur Schutz für die Fliesen, sondern leitet auch Regenwasser ab. Weiter wird ein Drainagesystem aus Kies und Vliesschichten eingebaut, die vorhandene Infrastruktur zur Wasserableitung wird genutzt. Verwendet wird Sand, wie er auch auf Beachvolleyball-Feldern zum Einsatz kommt. Er hat eine hohe Qualität und verklumpt nicht. Die Überlaufrillen rund um das Becken werden mit Holzplanken verkleidet, die als Sitzgelegenheit dienen. Versehen mit Strandkörben und Liegestühlen soll die Sand- zur Entspannungsfläche werden, so Felix Tritschler von der Verwaltung. Und zum Platz für Veranstaltungen: Unter dem Motto "Kulturbaden am Titisee" will die Stadt hier im Sommer – vorbehaltlich der Corona-Regeln – Konzerte, Lesungen, öffentliche Musikproben, Bürgerworkshops und mehr möglich machen. Die Kosten für das gesamte Vorhaben liegen bei rund 51 000 Euro, die Planung war erst von 55 000 ausgegangen. Den Auftrag vergab der Ausschuss an die Firma Hofmeier Garten- und Landschaftsbau aus Titisee-Neustadt. Im Mai starten die Arbeiten. In nichtöffentlicher Sitzung wurde der Kioskbetrieb neu vergeben: Katharina Villinger wird ihn nach Aussage von Folkerts übernehmen.

Der Ausschuss
Als sinnvolle Ergänzung, schönes Vorhaben und pfiffige Idee bezeichneten die Gemeinderäte die Pläne. Sie seien, so CDU-Fraktionssprecher Gustl Frey, ein logischer Schritt, um Klarheit zu schaffen und die Diskussion um die Wiederinbetriebnahme des Beckens nicht jedes Jahr aufs Neue führen zu müssen. Manfred Wittmer (Bürgerliste) regte an, sich auch über das Erscheinungsbild der Wärmehalle Gedanken zu machen. Man werde sich für sie und auch für den Kleinkindbereich
Lösungen überlegen, so Folkerts. Vielleicht seit mit bürgerschaftlichem Engagement ja das Anlegen eines Wasserspielplatzes möglich.