Neuorientierung

Der Jugendclub Holzwurm in Seelbach soll eigenständig werden

Beate Zehnle-Lehmann

Von Beate Zehnle-Lehmann

Fr, 06. Dezember 2019 um 17:39 Uhr

Seelbach

Nach Beschwerden über Lärmbelästigung will die katholische Pfarrgemeinde, dass der Jugendclub eigene rechtliche Verantwortung trägt. Eine Möglichkeit wäre die Gründung eines Vereins.

Der Jugendclub Holzwurm, der im katholischen Pfarrheim in Seelbach untergebracht ist, bleibt vorerst noch geschlossen. Der Grund für die vorübergehende Schließung vor einigen Monaten waren Beschwerden von Anwohnern über Lärmbelästigung (die BZ berichtete). Inzwischen hat ein weiteres Gespräch stattgefunden zwischen dem Clubteam, Dekan Johannes Mette und der Gemeinde-Jugendbeauftragten Ellen Janka.

Der Jugendclub
Den Club Holzwurm gibt es seit 46 Jahren, er wurde als KJG (Katholische junge Gemeinde) gegründet und hat sich bis heute über Generationen als Treffpunkt erhalten und vielen Trends widerstanden. Aktuell wird er von einem 14-köpfigen Team in Selbstverwaltung geführt, Träger ist immer noch die katholische Kirche an der Schutter. Das soll sich nun grundlegend ändern. Der Jugendclub soll ein Konzept entwickeln, wie etwa eine Vereinsgründung, um unabhängig von der Pfarrgemeinde zu werden.

Timon Willmann, Jugendclub
Im Gespräch mit der Badischen Zeitung möchte Willmann vom Clubteam darstellen, dass der beklagten Lärmbelästigung andere Veranstaltungen, unabhängig vom Jugendclub, vorausgegangen seien. Zuvor hätten an drei Wochenenden in Folge im Pfarrsaal, der gemietet werden kann, Feiern stattgefunden, unter anderem zwei Hochzeiten, so Willmann. Er spekuliert, dass die Jugendclub-Feier daraufhin wohl die "Spitze des Eisbergs" gewesen sei. "Das stimmt uns traurig, denn in vielen Jahren ist nie wirklich etwas vorgefallen."

Der unglückliche Umstand, dass der hintere Ausgang zum unbewohnten Gewerbegebiet hin wegen Vermietung an die Sozialstation nicht mehr vom Jugendclub genutzt werden kann, habe sicher zur Entwicklung beigetragen. Denn die jungen Leute müssen nun den Haupteingang gegenüber dem Wohngebiet nutzen.

In einem Gespräch sei nun deutlich geworden, dass die Pfarrgemeinde nicht mehr als Träger fungieren werde. Der Jugendclub soll sich eigenständig aufstellen und dafür ein Konzept entwickeln. Das könnte ein Verein sein. "Wir müssen uns genau überlegen, ob das eine Lösung für uns ist. Wir werden uns auch mal mit dem Jugendclub Wittelbach treffen." Das Gespräch habe er im Nachgang als zufriedenstellend empfunden, andererseits habe sich das Team mit der Schließung vor nicht vollendete Tatsachen gestellt gefühlt. Etwas enttäuscht sei das Team von der Gemeinde – diese hat eine Jugendbeauftragte – oder Gemeinderäten, die in dieser Situation nicht, oder erst jetzt auf sie zugekommen seien, sagt Willmann.

Dekan Johannes Mette
Zur Lärmbelästigung erklärt Dekan Mette, dass es im Pfarrheim künftig grundsätzlich um eine verschärfte Vermietungsordnung gehe; der Jugendclub sei hier ein Baustein. Man sei als Träger der Meinung, dass der Jugendclub auf "eigene Beine kommen soll, auch mit rechtlicher Verantwortung". Eine KJG bestehe nicht mehr, es gebe schon länger keine Aktivitäten oder Mitgliedschaft in Seelbach.

"Wir wollen eine rechtlich saubere Lösung mit einem Konzept. Wir stehen weiterhin als Partner für die Jugendlichen da." Denn wenn Beschwerden oder Komplikationen auftauchten, sollten die nicht immer beim Pfarrer landen, sondern eigenverantwortlich beim Jugendclubteam, so Mette. Sollte das Konzept überzeugen, würde die Kirchengemeinde die Räume weiter kostenlos zur Verfügung stellen. "Wir wollen nicht als Jury fungieren oder kleinlich sein, aber Verantwortung an der richtigen Stelle haben."

Jugendbeauftragte Ellen Janka
Ihre Aufgabe sei es gewesen, beim Gespräch als Vermittlerin zu fungieren, falls nötig. Und dass die Gemeinde aus erster Hand informiert sei. "Der Jugendclub ist eine wichtige Institution, das sieht die Gemeinde ebenso. Wir sind jederzeit bereit für einen runden Tisch." Die Gründung eines Vereins sieht Janka für beide Seiten als Vorteil: Mit einer Struktur sollte Eigenverantwortlichkeit festgelegt sein. Ihr Eindruck beim Gespräch sei nicht gewesen, dass die Kirche nicht mehr dahinter stehe. "Es muss konkrete und transparente Vereinbarungen geben."