Senioren-Tennis auf höchstem Niveau

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Mi, 02. September 2020

Tennis

Ex-Fedcup-Spielerin Heidi Eisterlehner dominiert im Feld der 713 Starter die Rothaus-Open in Hinterzarten, Löffingen und Lenzkirch.

Hochklassigen Tennissport boten die 713 Teilnehmer aus sieben Nationen bei den 34. Rothaus-Open in Hinterzarten, Löffingen und Lenzkirch. In vielen hundert Matches ermittelten die Ranglistenspieler, unter ihnen Welt- und Europameister sowie Top-Ten-Akteure, ihre Besten. Die meisten von ihnen freuten sich auf das Turnier, eines der größten im Badischen Tennisverband, hagelte es in diesem Corona-Jahr doch nur so an Absagen von Wettbewerben. Trotz zeitweiliger Windböen und Regenschauer herrschte bei den wetterfesten Cracks beste Stimmung.

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Am Sonntag, dem letzten Wettkampftag, zwang Dauerregen die Tennissportler zum Umzug unters Hallendach der Fünf-Feld-Anlage im Sportpark March. Hallenbesitzer Rüdiger van der Vliet, Halbfinalist bei den Männern der Altersklasse M-50 und einstiger Schüler des jahrelangen Turnier-Organisators Wolfram Schmidle, machte es möglich und kam dem Veranstalter preislich entgegen.

Prominenteste Teilnehmerin der Rothaus-Open war die ehemalige Fed-Cup-Spielerin Heidi Eisterlehner vom TEC Waldau-Stuttgart. Die gebürtige Magdeburgerin lebt in Sonnenbühl bei Reutlingen. Beim Viertelfinale der Australian Open erlebte sie einst ihren sportlichen Höhepunkt. Neben Einzeltiteln verbuchte sie an der Seite der ehemaligen deutschen Spitzenspielerinnen Helga Masthoff und Sylvia Hanika zahlreiche Erfolge im Doppel.

Die zweite Tennis-Karriere der heute 71-Jährigen begann vor 20 Jahren beim Senioren-Turnier in Hinterzarten: "Ich habe damals erst kurz vor der Auslosung angerufen und wurde noch angenommen." Seither feierte sie Welt- und Europameistertitel. Die deutsche Rangliste führt sie mit deutlichem Vorsprung an, in der Weltrangliste nimmt sie Rang zwei ein. Bis zum Finale der Frauen 70 gab Heidi Eisterlehner im Hochschwarzwald nur ein einziges Spiel ab. Im Endspiel machte ihr der böige Wind zu schaffen. Deshalb schlug sie manchmal sogar von unten auf: "Das ist eigentlich peinlich, aber ich fand nie so recht ins Match." Ganz anders ihre Gegnerin Gabriele Meier vom Marienburger SC. Die laufstarke Nummer fünf der nationalen Rangliste konnte mit ihrem druckvollen und mutigen Spiel den ersten Satz mit 6:4 für sich entscheiden. Im zweiten Satz setzte sich bei nachlassendem Wind das geradlinige und technisch saubere Spiel von Eisterlehner durch. Sie gewann 6:1. Im Match-Tiebreak ging die Favoritin gleich in Führung und siegte nach hartem Kampf mit 10:7.

Interessiert verfolgten vor allem einheimische Zuschauer die Spiele der Männer 70 mit den an Nummer eins und zwei gesetzten Bernd Ganther (Donaueschingen/TC Freiburg) und dem einst in Schluchsee ansässigen Wolfram Schmidle, der jetzt in Singen lebt. Das Vorjahresfinale hatte Ganther für sich entschieden. Doch die erwartete Revanche fiel aus. Schmidle unterlag im Halbfinale dem späteren Turniersieger Joachim Meier aus Düsseldorf (1:6/4:6), Ganther verlornach hartem Kampf mit 4:6, 7:6, 8:10 gegen den Schwaben Wilfried Siwitza (TG Gahmen). Edgar Roll vom TC Bonndorf schied in der ersten Runde mit 1:6 und 2:6 aus.

In den Gruppenspielen der Männer 75 blieben Peter Uffelmann (BW Villingen) und Rolf Wehrle (Lenzkirch) ohne Sieg. Dieses Schicksal teilten sie mit Walter Holzer (Neustadt) und Ewald Hoff (Löffingen) bei den Männern 80. Diese Disziplin gewann Günter Graf aus Donaueschingen ohne Satzverlust. Bei den Männern 50 verlor Urs Ganter (Hinterzarten) sein Auftaktmatch in zwei Sätzen. Bei den Männern 55 erreichte Weltmeister Christian Greuter (Rheinbach) ohne Satzverlust das Finale, im dem er überraschend gegen Bernd Legutke (Aschaffenburg) knapp mit 3:6, 6:0 und 10:12 unterlag. Ähnlich erging es dem Weltmeister der Männer 65, Frits Raijmakers. Der Niederländer verlor im Finale der M 60 gegen den Berliner Joachim Dufner mit 6:4, 3:6 und 8:10. Bei den Frauen 45 gewann Jana Lenz (Mengen) überraschend und ohne Satzverlust. Sie hatte keinerlei Probleme mit dem erstmals gespielten French-Open-Ball "Roland Garros".

Spieler und Fans halten sich an das Hygienekonzept

"Nach dem Ausfall des Sommer-Gandprix der Skispringer und des Ultra-Bike-Marathons konnte dieser internationale Wettbewerb immerhin stattfinden", sagte Projektleiter Norbert Göppert vom Veranstalter Hochschwarzwald Tourismus GmbH erfreut. Er hatte ein umfassendes Hygiene-Konzept erstellt: "Sowohl die Spieler als auch die Zuschauer hielten sich daran." Zudem brachte das Turnier einige hundert Gästeübernachtungen: "Solche Sportereignisse sind beste Werbung für den Hochschwarzwald. Der Tennisclub Hinterzarten sorgte für einen reibungslosen Shuttle-Dienst zwischen den drei Spielorten. Viele Akteure waren voll des Lobes über "die vorbildliche Betreuung" durch die Tennis-Gilde Löffingen mit der stellvertretenden Vorsitzenden Birte Meder. Nur selten musste Oberschiedsrichter Olaf Wells (Münster) eingreifen: "Es gab die üblichen kleinen Auseinandersetzungen. Alle Akteure spielten selbst bei Regen ohne Murren durch."