"Sichtbar machen, dass es private Initiativen gibt"

Ralf Morys

Von Ralf Morys

Do, 21. Oktober 2021

Lenzkirch

BZ-INTERVIEW mit Thomas Pforte, Vorstandssprecher der Bürger Energie Lenzkirch zum ersten Energietag am kommenden Samstag.

Die Bürger Energie Lenzkirch besteht seit zehn Jahren und veranstaltet am Samstag, 23. Oktober den ersten Energietag zusammen mit starken Partnern vor Ort. Was die Besucher erwartet und über die Ziele der Bürger Energie sprach Ralf Morys mit Vorstandssprecher Thomas Pforte.

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BZ: Zehn Jahre Bürger Energie Lenzkirch. Wie fällt Ihre Bilanz dazu aus?
Pforte: Gelebte Zivilgesellschaft in dem Sinne, dass Bürger sich für das Gemeinwohl engagieren. Eine von vielen Bürgern getragene Bewegung. Schon 2012 haben sich kluge, verständige und mitfühlende Frauen und Männer dieses drängenden Zukunftsthemas "Energie/ Klima" angenommen. Dann hat man der Genossenschaft Bürger Energie Lenzkirch den Wind aus den Segeln genommen, als sich die Gemeinde für die Verlegung der Gasleitung von Titisee nach Saig entschieden hat - ohne Dialog mit der Genossenschaft, wie es sich gehört hätte, bei soviel bürgerschaftlichem Engagement.

BZ: Welche Gründe führten dazu, den ersten Energietag zu veranstalten ?
Pforte: Die Bürger Energie Lenzkirch hat im Vorstand nach dem Scheitern des Nahwärmeprojektes in Saig im Vorstand leider wertvolles Personal verloren. Seitdem gibt es einen laut Satzung notwendigen Rumpfvorstand. Um Visionen zu entwickeln und neue Projekte anzugehen, braucht es dieses Personal. Der Energietag kann Menschen, die sich engagieren wollen, wieder näher an die Genossenschaft heranbringen – nicht zuletzt auch durch das Wissen voneinander. Wir möchten bei einem solchen Aktionstag sichtbar machen, dass es viele, auch persönliche Initiativen in unserer Gemeinde und Region gibt, dass da viel Energie ist. Wichtig ist, nicht im Privaten zu verharren, sondern sich einer gemeinsamen Tatkraft bewusst zu werden.

BZ: Auf was dürfen sich die Besucher denn so alles freuen ?
Pforte: Zunächst ganz allgemein auf Zeit für Erfahrungsaustausch und Dialog in einer schnelllebigen Zeit. Man bekommt von den ausstellenden lokalen und regionalen Partnern wertvolle Informationen, um eigene Ideen konkreter werden zu lassen. Einen Einblick bekommt man auch darin, was Kinder und Jugendliche zu diesem Thema umtreibt und wie man sie an das Thema "Umgang mit Energie" und "Bedeutung von Energie für unser heutiges Leben" heranführen kann. Dazu zeigen Schüler der Franz-Josef-Faller- Schule was sie im Projekt "Mensch-Natur-Technik" erarbeitet haben.

BZ: Lenzkirch ist eine waldreiche Gemeinde. Spielt Holz als Energieträger am Aktionstag eine Rolle?
Pforte: Insofern, als die Firma "Holzhaus Bonndorf" mit einem Stand vor Ort sein wird. Und nicht zuletzt zeigen sich auf dem Gelände der Brauerei Rogg auch Menschen, die regenerative Energien bereits in Form von Stückholzheizungen nutzen. Was uns im Laufe der Jahre abhanden gekommen ist: Wir glauben nicht mehr an die Macht von Veränderungen durch unser individuelles Tun. Oft höre ich Menschen sagen, ich allein kann eh nichts ausrichten. Wir können sehr wohl etwas ausrichten, wenn wir wieder unser gemeinsames Tun im Blick haben, nämlich durch unser Kaufverhalten, unser Nutzungsverhalten und durch das Verändern von Gewohnheiten zu einem bewussteren Umgang mit der Energie.

BZ: Gibt es auch Vorführungen?
Pforte: Joachim Rogg wird im Laufe des Aktionstages drei Mal durch das Gelände der Brauerei Rogg führen. Dabei wird sichtbar, wie auch ein Unternehmen nachhaltig, wirtschaftlich und visionär geführt werden kann. Wir möchten versuchen, auch Ideen und Visionen der Bürger vor Ort festhalten in Form eines "World Cafés". Die Firma Mesa-Parts zeigt, wo Energie verloren gehen kann.
BZ: Welche konkreten Impulse versprechen Sie sich von der Veranstaltung ?
Pforte: Neue Ideen und Impulse aus der Bevölkerung können im Dialog sichtbar werden. Wenn man beginnen kann, ohne Scheuklappen zu denken, Visionen auszusprechen, kann oft Neues entstehen. Zumindest entsteht dann oft eine wertvolle und fruchtbare Grundlage für neue Initiativen, weil man spürt, da gibt es Ideen und Energie, etwas bewegen zu wollen. Notwendig für die Genossenschaft wird es sein, dass sich auch neue Menschen dafür entscheiden, in der Genossenschaft im Vorstand oder in anderer Form aktiv unterstützend mitzuwirken.

BZ: Wird auch an junge und jüngste Besucher gedacht ?
Pforte: In meiner Eigenschaft als Lehrer habe ich Kontakte zu "Energiedienst" aktiviert. Auch Kinder im Grundschulalter können an dem Stand erfahren, wo überall Energie steckt, und was es heißt, Energie zu erzeugen mit eigener Muskelkraft. Wir würden vermutlich anders mit der Ressource Energie umgehen, wenn wir das Tag für Tag am eigenen Leib erfahren könnten, was es braucht, um Energie zur Verfügung zu haben.

BZ: Wie hat sich das Zusammenspiel mit der Brauerei Rogg ergeben, auf deren Gelände der Energietag stattfindet ?
Pforte: Joachim Rogg begleitet die Genossenschaft schon seit Jahren als aktives Mitglied des Aufsichtsrates. Er hat uns das Gelände zur Verfügung gestellt. Und natürlich zeigt sich in seinem Unternehmen, wie das Thema Nachhaltigkeit als Unternehmer ganz konkret gelebt und umgesetzt werden kann.

BZ: Was muss passieren, damit die Bürger Energie Lenzkirch am Ende des Tages sagen kann, es war ein erfolgreicher Tag?
Pforte: Wenn sich bis zu 300 Menschen auf dem Gelände tagsüber einfinden würden und ein echter Dialog entstehen könnte. Wenn Kinder und Jugendliche spüren, dass dieses Thema ein wirklich interessantes und wichtiges für uns Menschen von heute ist. Nicht zuletzt auch, wenn die Menschen nach Hause gehen und wieder bewusst mit dem Thema Energie umgehen. Denn nur dann werden auch die nach uns kommenden Generationen Freude an dieser wunderbaren Welt haben können. Es ist ein erfolgreicher Tag, wenn sich Menschen finden, die bereit sind, sich aktiv einzubringen.

Thomas Pforte, (49) unterrichtet an der Grundschule Bonndorf und ist Vorstandssprecher der Bürger Energie Lenzkirch
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