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Sind die Kandidaten des Wahlkreises Lörrach-Müllheim für Dieselfahrverbote?

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 06. September 2017 um 00:01 Uhr

Lörrach

Wir fragen die Kandidaten im Wahlkreis Lörrach-Müllheim: Die Schadstoffbelastungen erreichen auch im Ballungsraum um Basel mitunter Grenzwerte. Sind sie für regionale Dieselfahrverbote?

Armin Schuster, CDU:

"Ich halte davon nichts. Auch der baden-württembergische Verkehrsminister ist inzwischen zurückgerudert und will auf Verbote verzichten, wenn eine Nachrüstung von Dieselfahrzeugen rasch und dauerhaft wirksam kommt. Hier ist die Autoindustrie in der Pflicht. Die aktuell diskutierten Updates von Software könnten möglicherweise nicht ausreichen.

Grundsätzlich geht es also darum, einen zügigen Umstieg auf emissionsfreie Antriebe zu schaffen. Optimierte Dieselaggregate sollten wir dennoch nicht verdammen, ich halte sie als Brückentechnologie weiterhin für sinnvoll. Die Industrie muss sich diesem Thema stellen, sonst wird sie im internationalen Wettbewerb Probleme bekommen."

Jonas Hoffmann, SPD:

"Wir müssen die S-Bahn ausbauen, die Rheintalstrecke elektrifizieren und einen Regelbetrieb der Kandertalbahn mit elektrifizierten Triebwagen forcieren. Auf neue Technologien wie elektrische Busse setzen, Carsharing weiter fördern und den Autoverkehr reduzieren.

Ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge halte ich aber im Moment nicht für sinnvoll, da dies vor allem Familien treffen würde, die auf ihr Auto besonders angewiesen sind. Bei Neuverkäufen die Mindeststandards anzuheben, halte ich allerdings für sehr wichtig."

Gerhard Zickenheiner, Grüne:

"Nein, ich bin gegen Dieselfahrverbote. Ich bin für eine Verantwortungsübernahme durch die Automobilindustrie und für Abwendung der drohenden Schäden von deren Kunden durch entsprechende, effiziente Nachrüstung. Die Konzerne setzen mit der Softwareaktualisierung, deren Wirkung höchst fragwürdig ist, auf Milde bei den Gerichten und riskieren damit aufs Neue Fahrverbote für unbescholtene Bürger.

Die Regierung muss nach Jahren der unzulässigen Kungelei ihrer Schutzpflicht für die Gesundheit nachkommen und über die blaue Plakette, Abgasmessungen unter Realbedingungen und verbindlichen Auflagen zur Abwendung von Fahrverboten und überhöhter Luftbelastung sorgen."

Christoph Hoffmann, FDP

"Wir brauchen keine Verbote, sondern einen technologieoffenen Umstieg, einen 30-Minuten-Takt auf der Rheintalbahn und die Verlängerung der Tram in Weil und nach Lörrach. E-Autos sind noch keine Lösung, da die Produktion der Batterien enorme Mengen CO2 freisetzt und der Strom zu viele Anteile aus Kohle hat. E-Autos werden trotz Subvention nicht angenommen.

Es wäre sinnvoll, E-Auto- Subventionen für ein Wasserstofftankstellennetz zu verwenden. Es gibt bereits Serien-Wasserstoff-Pkw und Busse. Wird dann noch der Überschussstrom aus Sonne und Wind nicht verschenkt, sondern in der Wasserstoffproduktion genutzt, wird die Sache rund und Busse könnten mit Wasserstoff laufen."

David Trunz, Die Linke:

"Die Einführung einer CO2- Steuer gepaart mit dem Ausbau des Erneuerbare Energien Gesetzes unter Einschluss der Förderung von Elektromotoren ist der einzige Weg, langfristig die Grenzwerte zu unterschreiten."

Wolfgang Fuhl, AfD:

"Der Grenzwert für Büroräume liegt 25-mal höher als bei den Straßenmessstellen. Wir dürfen eine 25-fach höhere Schadstoffbelastung acht Stunden am Tag im Büro aushalten und schädigen uns damit offensichtlich nicht. Hier ist etwas gewaltig aus dem Lot gelaufen, die Grenzwerte sind entweder für den Verkehr zu niedrig oder für die Büroräume zu hoch.

Die Belastung der Luft mit Schadstoffen nimmt seit 25 Jahren kontinuierlich ab, im Verkehr wurde fast eine Halbierung der ausgestoßenen Schadstoffe erreicht. Hier findet eine Hetzjagd auf unsere Industrie statt, die mit Fakten nicht zu belegen ist. Die Presse sollte informieren und aufklären! Als Fazit lehne ich Dieselfahrverbote ab."



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