Japan

Skandale überschatten die Olympia-Eröffnungsfeier in Tokio

dpa

Von dpa

Do, 22. Juli 2021 um 20:23 Uhr

Olympische Spiele

Nächster Rauswurf, leere Ränge und das Corona-Risiko: Überschattet von beispiellosen Problemen findet die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio am Freitag vor spärlich besetzter Kulisse statt.

Nur einen Tag vor der Zeremonie im Olympia-Stadion der Hauptstadt entließen die Organisatoren den Kreativdirektor der Feier, Kentaro Kobayashi (48). Anlass war ein plötzlich im Internet aufgetauchter Videoclip von einem Sketch von 1998, in dem er als junger Komiker einen Witz über den Holocaust machte. Nur Tage zuvor musste auch der Komponist der Eröffnungsfeier, Keigo Oyamada (52), zurücktreten. Ihm wurden im Internet aufgetauchte alte Interviews zum Verhängnis, in denen er erzählte, wie er in der Schulzeit behinderte Kinder gemobbt hatte.

Weniger als 1000 Zuschauer sollen dabei sein

Das gesamte Programm der Eröffnung solle nun noch einmal genau überprüft werden, sagte OK-Geschäftsführer Toshiro Muto am Donnerstag – kaum mehr als 24 Stunden vor Beginn der Zeremonie. Man werde schnell beraten, wie die Eröffnungsfeier abgehalten werden solle und "so bald wie möglich" zu einem Ergebnis kommen, ergänzte Japans Organisationschefin Seiko Hashimoto. Japanischen Medienberichten zufolge wird die Show dem Motto "Vereint durch Emotionen" folgen und Elemente der japanischen, traditionellen Kultur enthalten. Es wird zugleich erwartet, dass es eine den besonderen Umständen durch die Corona-Pandemie entsprechende schlichte Darbietung werden wird. Es wird in Japan davon ausgegangen, dass Kaiser Naruhito die Spiele vor lediglich 950 VIPs für eröffnet erklären wird.

Japans Organisationschefin Hashimoto entschuldigte sich für den jüngsten Skandal. Sie trage die volle Verantwortung, dass man bei der Vergabe der Posten nicht gründlich hinterfragt habe. Der in Japan populäre Entertainer Kobayashi entschuldigte sich. Seine Wortwahl damals als junger Komiker sei falsch gewesen. Es tue ihm sehr leid. In dem Sketch von 1998, einer Parodie auf ein TV-Erziehungsprogramm, witzelt er über ein Rollenspiel mit Papierfiguren, das er "Lass uns Juden ermorden spielen" nennt. Nach dem Auftauchen des Clips im Internet warf Rabbi Abraham Cooper vom Simon Wiesenthal Center Kobayashi "bösartige und antisemitische Witze" vor. "Jede Verbindung dieser Person mit den Olympischen Spielen in Tokio würde das Andenken von sechs Millionen Juden beleidigen und die Paralympics grausam verspotten".

Der bekannte japanische Wissenschaftler Ken Mogi nahm Kobayashi dagegen in Schutz. Er verdiene es nicht, für eine kurze Bemerkung, die vor mehr als zwei Jahrzehnten gemacht hatte, so verunglimpft zu werden.

Kobayashi ist der dritte mit der Eröffnungsfeier befasste prominente Künstler, der abtreten musste. Im März war der damalige Kreativdirektor Hiroshi Sasaki wegen erniedrigender Äußerungen über eine bekannte japanische Entertainerin von seinem Amt zurückgetreten. Er hatte zugegeben, gegenüber Mitarbeitern die Idee vorgebracht zu haben, dass die Komikerin Naomi Watanabe bei der Eröffnungszeremonie der Spiele als Schwein verkleidet auftreten könnte. In einem rosafarbenen Kostüm erschiene sie dann als ein "Olympig", witzelte der Japaner – pig bedeutet auf Englisch Schwein.

Vor ihm war bereits der damalige Olympia-Organisationschef Yoshiro Mori ebenfalls wegen sexistischer Kommentare zurückgetreten. Seine Nachfolgerin Hashimoto übernahm am Donnerstag die Verantwortung für die jüngsten Skandale, will jedoch nicht zurücktreten. Es sei ihre Aufgabe, die Spiele zu einem "großen Erfolg" zu machen. Unterdessen haben mehrere führende japanische Wirtschaftsvertreter, darunter der Chef des Automobilriesen und Top-Olympia-Sponsors Toyota mitgeteilt, an der Eröffnungsfeier für die Olympischen Spiele nicht teilzunehmen. Der japanische Fernsehsender NHK berichtete am Donnerstag, auch der frühere Ministerpräsident Shinzo Abe wolle ihr fernbleiben. Abe hatte maßgeblich dafür gesorgt, dass Tokio 2013 trotz der Probleme in der Atomruine Fukushima die Spiele zugesprochen bekam, indem er dem IOC versicherte, dass dort "alles unter Kontrolle" sei.