Skaten auf braunem Bremsschnee

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 02. März 2020

Biathlon

Biathlet Roman Rees aus Hofsgrund macht bei der EM im Sprint ein tadelloses Rennen, trifft alle Scheiben, aber die Ski gleiten nicht: Rang sechs.

MINSK-RAUBICHI. "Wir kämpfen hier mit dem Material. Der Kunstschnee ist extrem dreckig, die Oberfläche schmilzt und dann kommt noch mehr Dreck durch – unsere Ski laufen einfach nicht", sagt Roman Rees. Der Biathlet vom SV Schauinsland ist erwartungsvoll bei der Europameisterschaft in Minsk-Raubichi angetreten, doch der dreckige Kunstschnee bremst den Fünften der IBU-Cup-Wertung in Weißrussland immer wieder aus.

Das beste EM-Rennen gelang dem Schwarzwälder im Sprint. Drei Biathleten im 118er-Feld blieben ohne Schießfehler – Rees war einer davon. "Es war ein Toprennen, besser hätte ich es nicht machen können", sagt er. Nach acht Kilometern lag er auf Rang vier, die Bronzemedaille war zum Greifen nah. Es ging um Sekunden. "Am höchsten Punkt habe ich noch um den dritten Platz gekämpft", sagt Rees, anschließend Richtung Ziel ging es jedoch bergab und der 27-Jährige fiel auf den sechsten Platz zurück. Er lag 5,3 Sekunden hinter dem Bronzerang zurück.

Fast alle osteuropäischen Staaten sind mit einigen ihrer WM-Teilnehmer bei der Europameisterschaft am Start, Sprint-Sieger Matvey Eliseev (Russland) war ebenso in Antholz wie der Sprint-Zweite Andrejs Rastorgujevs (Lettland) oder Verfolgungssieger Sergey Bocharnikow (Weißrussland). Von einer zweitklassigen EM-Besetzung zu sprechen, wird der Realität nicht gerecht. Übrigens machte während der Tage in Weißrussland das Gerücht die Runde, dass einige der osteuropäischen Starter die Gleitfähigkeit ihrer Ski mit diversen Schmiermitteln verbesserten.

Als Sechster mit einem Rückstand von 30,8 Sekunden ging Rees ins Verfolgungsrennen. Eigentlich eine gute Ausgangssituation für einen treffsicheren Schützen wie Rees, um anzugreifen. Denkste. "Wenn die Ski nicht laufen, das merkst du sofort", sagt Rees, "der Wettkampf war ein Totalausfall. Unser Material war unterirdisch, die Ski waren einfach nicht konkurrenzfähig". Ein mehr als acht Sekunden nach ihm gestartete Russe lief dem Schwarzwälder schon auf der ersten Runde um die Ohren, "so was ist deprimierend". Rees wird auf der ersten Schleife mit der 41. Zeit gestoppt. Die Plackerei auf der Strecke wirkt sich auch am Schießstand aus. Rees verfehlt im liegenden Anschlag zwei Scheiben und muss zusätzlich 300 Meter auf dem Bremsschnee zurücklegen. Es wurden Doppelrunden gelaufen, das bedeutet, jeder Läufer ging zehnmal über die Kunstschnee-Piste. Multipliziert mit 60 Biathleten gingen im Verfolgungsrennen 600 Beinpaare drüber. "Die Oberfläche der Strecke bricht dann irgendwann auf und darunter ist dann noch mehr Dreck, so ein braunes Mus", erzählt Rees. Er verliert nicht nur beständig Zeit auf die Spitze, sondern auch auf die Biathleten, die um ihn herum sind.

"So will man Biathlon

eigentlich nicht betreiben."

Roman Rees nach dem Verfolger
Bei den folgenden drei Stopps am Schießstand verfehlt er nur noch zwei der 15 Scheiben – es werden sehr viele Fehler geschossen – aber es ist ein aussichtsloser Kampf an diesem Tag. Rees beendet den Verfolger auf dem 23. Platz.

Von Mittwoch an soll in Minsk-Raubichi zusätzlich der letzte IBU-Cup der Saison ausgetragen werden, doch wie das gehen soll, weiß keiner. Denn auch in Weißrussland hat es satte Plusgrade. "Das Ganze hier ist eine Farce", sagt Rees, "so will man Biathlon eigentlich nicht betreiben".