Skurriler Entenmarsch

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Do, 10. Oktober 2019

Klassik

Ein tierischer Liederabend der Freiburger Opera Factory.

Zoobesucher wissen es – im realen "Bestiarium" kann es auch schon mal laut werden. Ein Umstand, dem der Bariton Christian Wagner und der Freiburger Dirigent und Pianist Klaus Simon bei ihrem Liederabend "Von Forellen, Karpfen und anderem Getier" möglichst naturalistisch Rechnung tragen wollten. Mit der Konsequenz, dass so manches Fortissimo den Freiburger Humboldtsaal mit seiner ohnedies gut tragenden Akustik immer wieder an die Kapazitätsgrenzen bringt.

Dabei beschert die Entdeckerlust der beiden Interpreten dem Publikum manch rare Begegnung. Etwa mit den tierischen Nummern aus Max Regers "Schlichten Weisen". Die Ironie liegt Wagner und Simon, und doch gehen sie auch hier im Überzeichnen oft über die Grenzen hinaus. So werden zum Beispiel die tumultuösen Phrasen im Klaviersatz bei den "Fünf Hühnerchen" von Simon allzu kantig, holzschnittartig gezeichnet. Wie überhaupt bei seiner Behandlung des Klaviersatzes in puncto Linienführung, Eleganz und Präzision Luft nach oben ist. In Schuberts berühmter "Forelle" schwimmt das ostinate, nach oben perlende verkürzte Sextolen-Begleitmotiv immer etwas unklar davon – das Bächlein wird zu früh trübe. Überzeugender wirkt die Klavier-Faktur bei manchem Opus aus dem 20. Jahrhundert. In Samuel Barbers "Un Cygne" gleitet der Schwan mit ostinater Eleganz über die Tasten. Und in "Le grillon" aus Maurice Ravels "Histoires naturelles" setzt Simon mit den rhythmisch exponierten Dissonanzen im Diskant markante Eckpunkte.

Christian Wagner ist stets um penible, mitunter artifiziell plastische Textausdeutung bemüht, was wiederum, etwa gleich in der "Forelle", zu allzu konsonantischer Deklamation führt. Umgekehrt sucht Wagner im äußersten Piano, wie zu Beginn von Henri Duparcs "Lamento", melancholischen Melodiefluss über unschöne Vokalangleichungen und Verengung der Resonanzräume zu erzwingen. Insgesamt gelingt es ihm zu selten, seinen tragfähigen lyrischer Bariton in einer Linie zu halten. Dass das Duo Simon/Wagner mit Grotesken wie Benjamin Brittens Moritat "The Crocodile" besonders präsent wirkt, verwundert vor den genannten Hintergründen nicht. In dem Sinne lassen sie auch ihre Zugabe wirken – Emmanuel Chabriers skurrilen Entenmarsch "Villanelle des petits canards": viel Comic, wenig französischer Esprit.