BZ-Sommeraktion

So funktioniert das Logistikzentrum von Zalando auf dem Lahrer Flugplatzareal

Karl Kovacs

Von Karl Kovacs

Di, 20. August 2019 um 06:27 Uhr

Lahr

Wie kommen Klamotten, Schuhe oder Accessoires vom Logistikzentrum des Online-Händlers auf dem Lahrer Flugplatzareal zu den Menschen nach Hause? Das haben 40 Leser der BZ erfahren.

Von der Autobahn aus ist der riesige, graue Bau mit dem orangefarbenen Zalando-Schriftzug nicht zu übersehen. Er steht auf einer Grundfläche von 130.000 Quadratmetern – das sind 18 Fußballfelder. Mittlerweile beschäftigt Zalando in Lahr an die 1300 Menschen – viele davon aus dem benachbarten Elsass. Die Zahlen beeindrucken die 40 Leserinnen und Leser der BZ bei der Besichtigung des Logistikzentrums.

Standortleiterin Christine Cheray und Senior Operations Manager Joachim Walther legen noch eine Schippe drauf. Seit der Gründung vor gut zehn Jahren habe Zalando eine rasante Entwicklung genommen. Sie untermauern das mit Zahlen: 5,4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2018, 14.000 Mitarbeiter, 300 Millionen Zugriffe pro Monat, 28 Millionen aktive Kunden, 400.000 Artikel im Sortiment. Das ausgegebene Ziel, so Walther, sei weiteres Wachstum.

Vom Start-up in Berlin zum Branchenriesen

"Das alles hat sich aus einem Online-Shop für Schuhe entwickelt, der 2008 in Berlin gegründet wurde", sagt Walther. Nicht fehlen darf beim Bild des Start-ups, das zum Schwergewicht in der Branche wird, dass die Gründer die Ware im eigenen Keller lagerten und anfangs noch selbst zur Post brachten. Seitdem ist viel passiert: Zu den Meilensteinen zählen laut Walther die Schrei-Werbespots, die Zalando ab 2011 zu einer der bekanntesten Marken im Land machten, und der Börsengang 2014.

Das Unternehmen sieht sich nicht mehr nur als reinen Online-Händler. "Wir wollen eine Plattform sein", unterstreicht Walther. Dafür beschäftigt Zalando 500 Designer und Stylisten, Kunden haben zudem die Möglichkeit, sich Outfits zusammenstellen zu lassen, und rund 2000 Mitarbeiter an sieben Standorten tüfteln an neuen technischen Entwicklungen.

Zurück nach Lahr: Das ab 2016 in knapp einem Jahr errichtete und im September 2017 in Betrieb gegangene Logistikzentrum ist einer von vier Standorten in Deutschland. Dazu kommen weitere Zentren in Europa, etwa in Polen und Frankreich. Aktuell wird eins in Rotterdam gebaut. Von Lahr aus wird in erster Linie Süddeutschland, die Schweiz und Frankreich beliefert. Gearbeitet wird in zwei Schichten. "Zusätzlich haben wir weitere Modelle, etwa eine Elternschicht oder eine Nachtschicht", berichtet Walther.

Betriebsrat in Lahr ist in der Findung

Warum es vorkomme, dass man als Kunde in Lahr ein Päckchen aus Mönchengladbach erhalte, möchte ein Besucher wissen. "Das liegt an der Verfügbarkeit. Wenn die Artikel in allen Zentren verfügbar sind, dann entscheidet der Standort, von wo geliefert wird. Innerhalb Deutschlands ist das aber nicht ganz so wichtig", erläutert Walther. Ein Besucher möchte wissen, wie es um einen Betriebsrat steht. "Der ist in der Findung", sagt Walther. An anderen Standorten gebe es Mitarbeitervertretungen.

Beim Rundgang führt Walther die Gruppe durch die Abteilungen – vom Wareneingang über die Vereinnahmung, Lagerung bis hin zur Verpackung und Verladung. Kartons mit Pullovern, Shirts, Hosen und Schuhen warten darauf, sortiert und ins System aufgenommen zu werden. Dazu kommt hängende Ware. "Aktuell wird viel Herbst- und Winterware eingelagert. Die Saison beginnt bald."

"Sobald ein Artikel eingelagert ist, kann er im Internet bestellt werden."

Joachim Walther
An einer Station steht ein Mitarbeiter und klebt Zettel auf frisch eingetroffene Schuhkartons. Waren werden zwar schon vom Hersteller mit Barcodes versehen. Doch Zalando gibt jedem ein eigenes Label. "Damit wissen wir immer, wo sich der Artikel bei uns befindet."

Sein vorläufiges Zuhause findet der Schuh anschließend im riesigen Hochregallager. Dort, in Europas größtem Kleiderschrank (Walther), ist auf fünf Ebenen Platz für sieben Millionen Artikel. Gelagert wird nach einem chaotischen System. Soll heißen: Die Mitarbeiter legen die Ware dort ab, wo Platz ist. "Sobald ein Artikel eingelagert ist, kann er im Internet bestellt werden." Ausgestattet mit einem Navigationsgerät wird der Mitarbeiter zum gewünschten Produkt geführt, um es für den Versand fertig zu machen.

Verpackungen können optimal gestapelt werden

Nachdem die Bestellung verpackt ist, fährt sie durch eine der Etikettierungsanlagen. Das Besondere: "Die Aufkleber werden bei uns per Druckluft auf die Pakete geklebt." Von dort wiederum führt die Reise der Bestellung über Laufbänder und Rutschbahnen zu den Verladerampen. Ein Mitarbeiter stapelt Paket für Paket in einem Lkw, Tüten kommen obendrauf. Die Verpackungen, erläutert Joachim Walther, seien so konzipiert, dass sie optimal gestapelt werden können. Mehrmals pro Tag verlassen vollgepackte Laster mit den Bestellungen der Kunden das Gelände. "Die Abwicklung einer Bestellung soll bei uns maximal zwei Tage dauern", sagt Walther.