Social-Media-Schau

So zeigt Südbaden Solidarität mit seinen Helfern in der Coronakrise

Lisa Böttinger

Von Lisa Böttinger

Mi, 25. März 2020 um 17:38 Uhr

Südwest

Ein Lkw voller Blumen, Pizza für ein ganzes Krankenhaus oder einfach eine kleine Botschaft auf Papier: Auch die südbadischen Bürger und Händler sind einfallsreich, wenn es darum geht, Danke zu sagen.

"Nicht alle Superhelden tragen einen Umhang": Der Spruch, den eine Supermarktkette dieser Tage mit dem Bild eines Lagermitarbeiters auf Instagram postet, trifft die schwierige Zeit der Corona-Krise auf den Punkt.





Vielen Menschen, die im normalen Alltag wenig Anerkennung – gesellschaftlich, aber auch finanziell – bekommen, gebührt zur Zeit nicht nur im Netz viel Ehre und Dank. Zahlreichen ihrer Mitmenschen wird erst jetzt bewusst, was unsere gesellschaftliche Normalität – Sicherheit, Gesundheit und Zugang zu Lebensmitteln – am Laufen hält: Das Engagement zahlloser Alten- und Krankenpfleger, Apothekerinnen, Kassiererinnen und Lageristen, Erzieher, Polizisten, Postbotinnen und Müllmänner.

Den Slogan der Supermarktkette hat sich die Krise schon jetzt verdient – die nötige Wertschätzung dieser Berufsgruppen war aber schon lange überfällig, findet ein User unter einem Dankeschön-Posting von Aldi-Süd auf Instagram: "(...) Sie arbeiten schon immer am Limit. Schätzt sie mehr,belohnt sie. Nicht nur mit einem netten Danke. (...)"

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Danke!

Ein Beitrag geteilt von ALDI SÜD (@aldisuedde) am Mär 16, 2020 um 4:42 PDT



Ein anderer Nutzer setzt das gleich in die Tat um – und erntet viele strahlende Gesichter.



Auf Wochenmärkten in Südbaden nutzen mittlerweile die meisten Händler Absperrbänder, um den Abstand zwischen Verkäufer und Kunde zu wahren – oder sie bringen Plexiglasscheiben an, um ihre Verkäuferinnen zu schützen, wie zum Beispiel an einigen Ständen auf dem Emmendinger Wochenmarkt. Auch deutschlandweit schützen große Händler ihre Mitarbeiter mittlerweile mit Schutzwänden.

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Euer Schutz liegt uns am ❤️! Deshalb bringen wir zurzeit an allen Kassen Plexiglas-Wände an. #REWE #DeinMarkt

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Aber was ist eigentlich mit denen, die sich den Einkauf im Supermarkt gar nicht leisten können? In Freiburg hat das Solidaritäts- und Nachbarschaftsnetzwerk "Corona Solidarität Freiburg" einen Gabenzaun für Wohungslose und Bedürftige eingerichtet.



Und auch die Kliniken in der Region machen deutlich: Es geht nicht nur um Corona-Patienten und Helfer selbst, sondern auch um den ganz normalen Medizinbetrieb, der weiterhin dringend gewährleistet werden muss – zum Beispiel auf der Kinderintensivstation des Ortenauklinikums.



Zum Dank an die Angestellten des Emmendinger Kreiskrankenhauses überraschte letzte Woche ein Teninger Floristik-Großhändler die Angestellten und Patienten mit einer Lkw-Ladung Blumen. Dazu kamen Nervennahrung einer Emmendinger Schokoladenmanufaktur, frische Äpfel und eine große Lieferung Pizza einer Emmendinger Trattoria – ausgeliefert mit Mundschutz.



Auch das Team der Uniklinik Freiburg bringt die dringende Solidarität in dieser schweren Zeit auf Instagram auf den Punkt: "Wir bleiben für Euch hier, bleibt ihr für uns zuhause", steht auf den schildern der Medizinerinnen und Mediziner. Ein User, der noch vor Kurzem zu einer OP im Uniklinikum war, bedankt sich: "Hoffentlich wird eure Arbeit endlich honoriert, die ihr Tag für Tag leistet" – und spricht dabei wohl Tausenden aus der Seele.



Schokolade und Blumen standen zwar noch nicht Lkw-weise vor der Tür, aber auch kleine Zeichen der Dankbarkeit sind in diesen Tagen Gold wert.



Aufruhr gab es nicht nur auf Twitter um ein Dankesbanner an der Freiburger Wiwilíbrücke:

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Danke! #fuckcorona #freiburg #dankeheldinnen #dankesagen

Ein Beitrag geteilt von Alex Röderer (@frauvominternet) am Mär 21, 2020 um 4:30 PDT



Das Banner spricht für unzählige Freiburger, die den Helfern in Corona-Zeiten danken wollen. Aufgehängt und unterzeichnet hatte es die Ultra-Gruppierung Synthesia Ultras 79 – nicht nur an der Blauen Brücke am Hauptbahnhof, sondern auch vor den Kliniken der Stadt. Das Banner an der Blauen Brücke mussten die Fans aber auf Geheiß der Polizei schon wieder abhängen. Es sei nicht ausreichend gefestigt gewesen, so die Polizei. Die Ultras widersprechen. Aber immerhin: Die Polizei sagt auch, sie habe sich über die Plakate gefreut, schließlich fühlten sie sich mitgemeint.

Überhaupt, die Polizei: Auch ihre Mitarbeiter zählen für viele Menschen zu den stillen Helden der Corona-Krise. Eine deutsch-italienische Beamtin der Polizei Freiburg spricht ihren italienischen Kolleginnen und Kollegen auf Twitter Mut zu – und sich selbst: So schwer es ihr und anderen Polizisten derzeit falle, ihre Familien tagtäglich für ihre Arbeit zurückzulassen, so wichtig sei diese Aufgabe für die Allgemeinheit. Ebenfalls schwierig für sie: Verunsicherte Menschen zurechtweisen zu müssen, damit sie sich in der Corona-Krise im öffentlichen Raum an die Regeln halten. Sie tue das, um andere Menschen zu schützen – und die Verunsicherten selbst. Ihr Appell: "Bitte haltet durch, für uns alle."



Zwischenzeitlich bekommt die Polizei es aber auch mit kleineren Zwischenfällen zu tun, wie hier in Simonswald, wo wohl nicht allein die Abenteuerlust eines 6-Jährigen zu einem Einsatz führte. Der kleine Junge hatte vielleicht auch einfach keine Lust mehr, zuhause zu sitzen.



Das Beispiel zeigt einmal mehr: Zu den wahren Helden des Alltags gehören zur Zeit auch die unzähligen Eltern, die zum Teil zwischen Kinderbetreuung und Homeoffice oder systemrelevantem Job verzweifeln. Viele Gedanken machen sich auch die Lehrer, wie sie von zuhause aus bestmöglich unterstützen können – sogar beim Sportunterricht.



Und dennoch geht eben auch in Zeiten von Corona nicht alles digital. Die Deutsche Post erinnert auf Twitter daran, wer derzeit wichtige Dokumente und Medikamente ausliefert, Großeltern die Grüße ihrer Enkel überbringt und Bestellungen liefert, während andere im Homeoffice arbeiten können – und fordert ihre Kunden auf, physisch Abstand zu den "tapferen Seelen", ihren Mitarbeitern, zu halten:



Heldinnen und Helden in der Corona-Ausnahmesituation gibt es also unzählige, in der Region und weltweit. Bleibt zu hoffen, dass die Krise ihnen zumindest zu einem verhilft: Mehr Respekt und Anerkennung, auch nach Corona.