Vereinbarung

Software-Konzern übernimmt US-Geschäfte der Video-App Tiktok

dpa

Von dpa

Mo, 21. September 2020 um 08:46 Uhr

Wirtschaft

Erst nannte Donald Trump die chinesische Video-App Tiktok ein Sicherheitsrisiko. Jetzt soll sie ein willkommener Ort für neue Arbeitsplätze in den USA sein – und einen umstrittenen Bildungsfond finanzieren.

Wochenlang hat der US-Präsident Donald Trump die Video-App Tiktok unter Druck gesetzt, jetzt darf sie doch im US-Markt bleiben. Der von Trump präsentierte Deal mit dem chinesischen Eigentümer Bytedance: Das globale Geschäft von Tiktok zieht in die USA um und die Firma zahlt fünf Milliarden Dollar in einen Bildungsfonds in Texas ein.

Das weltweite Geschäft von Tiktok komme in eine neue Firma mit Sitz in den USA, "wahrscheinlich in Texas", sagte Trump in der Nacht zum Sonntag. "Ich habe den Deal abgesegnet." Der Software-Konzern Oracle soll alle Daten von den rund 100 Millionen US-Nutzern verarbeiten und sich um die dazugehörigen technischen Systeme kümmern. In den Vereinigten Staaten entstünden 25 000 Arbeitsplätze, kündigten Trump und Tiktok an. Eine formelle Aufhebung der US-Sanktionen gegen die App steht noch aus. Das Handelsministerium verschob den Download-Stopp, der für Nutzer von diesem Montag an greifen sollte, um eine Woche.

Auch Wechat soll am Montag aus den App Stores verschwinden

Trump hatte Tiktok als Sicherheitsrisiko bezeichnet, weil die App dem chinesischen Bytedance-Konzern gehört. Aus seiner Sicht hätten chinesische Behörden über die App an Daten von Amerikanern kommen können. Deshalb besiegelte er mit zwei Anordnungen das Aus für die App in den USA. Tiktok und Bytedance hatten vergeblich entgegnet, dass Daten von US-Nutzern in den USA gespeichert würden und nicht nach China gingen.

Die US-Regierung will auch gegen die chinesische Kommunikations-App Wechat vorgehen. US-Amerikaner nutzen Wechat vor allem, um mit Freunden und Verwandten in China in Kontakt zu bleiben. Die App sollte am Montag ebenfalls aus den App Stores in den USA verschwinden und den Großteil der Funktion für US-Nutzer verlieren. Eine Richterin in Kalifornien setzte diese Sanktionen am Sonntag nach einer Klage von Wechat-Nutzern jedoch mit einer einstweiligen Verfügung aus. Eine einstweilige Verfügung sei gerechtfertigt, weil Wechat durch die Sanktionen zu großen Schaden nehmen würde, während der Dienst sich noch im Hauptverfahren durchsetzen könnte, befand die Richterin.

Oracle und Walmart sollen bei Tiktok einsteigen

Eine zentrale Forderung Trumps beim Tiktok-Deal war, dass US-Investoren eine Mehrheit an der neuen Firma halten. Dazu wurde offiziell bisher nur bekannt, dass Oracle vor einem Börsengang von Tiktok Global einen Anteil von 12,5 Prozent übernehmen soll, und der Supermarkt-Riese Walmart 7,5 Prozent. Bytedance strebe dabei eine Gesamtbewertung von 60 Milliarden Dollar für Tiktok an, schrieb der Finanzdienst Bloomberg. Oracle und Walmart müssten demnach zusammen zwölf Milliarden Dollar bezahlen. Über den Preis werde aber noch verhandelt, schränkte Bloomberg ein.

Das Wall Street Journal berichtete, dass Bytedance die restlichen 80 Prozent von Tiktok Global behalten werde. Aber: Da amerikanische Investoren wie die Start-up-Finanzierer Sequoia und General Atlantic rund 40 Prozent an Bytedance hielten, könne man von einer US-Mehrheit bei Tiktok sprechen, so die Zeitung. Trump hatte zuvor verkündet: "Es wird eine ganz neue Firma sein. Sie wird nichts mit China zu tun haben."

Das neue Konstrukt könnte den Vorteil haben, dass die chinesische Regierung dem Handel keine Steine in den Weg legen wird. Die Führung in Peking hatte zuvor einen direkten Verkauf des US-Geschäfts von Tiktok an den Software-Konzern Microsoft verhindert. Sie erließ eine neue Regel, wonach Software-Algorithmen nur mit Erlaubnis der Behörden ins Ausland verkauft werden dürfen.

Geld soll in Bildungsfond fließen

Neu ist, dass Tiktok fünf Milliarden Dollar an einen Bildungsfonds in Texas überweisen werde, wie Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Fayetteville im Bundesstaat North Carolina sagte. Er hatte eine Art Kommission für die US-Regierung verlangt, weil sie den Deal herbeigeführt habe. Bytedance teilte am Sonntag mit, von der Milliardenspende "erstmals in den Nachrichten erfahren" zu haben. Bloomberg berichtete, Trump habe sie am Freitag in einem Telefonat mit Oracle-Gründer Larry Ellison und Walmart-Chef Doug McMillon ausgehandelt.

Tiktok hatte bereits einen Cloud-Deal mit einem anderen US-Unternehmen: Amazons IT-Tochter AWS. Trump ist in der Vergangenheit häufiger mit Attacken gegen den Gründer und Chef des Online-Händlers, Jeff Bezos, aufgefallen. Bezos gehört die Zeitung Washington Post, in der Trump oft kritisiert wird. Oracle-Gründer Ellison gehört dagegen zu Trumps prominentesten Unterstützern im Silicon Valley. Walmart ist ein Amazon-Konkurrent.