Sorge um grenznahe Atomkraftwerke

Manfred Dinort

Von Manfred Dinort

Sa, 14. Dezember 2019

Kreis Waldshut

Diskussion bei den Grünen.

KREIS WALDSHUT. Ein beängstigendes Szenario malte Sylvia Kotting-Uhl, Bundestagsabgeordnete der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit bei ihrem Vortrag in Dogern zum Thema "Atomkraftwerke in Grenznähe". Petra Thyen, die Kreisvorsitzende der Grünen, sagte: "Wir machen uns große Sorgen um unsere Grenzmeiler, die völlig überaltert sind und allesamt gravierende Sicherheitsmängel aufweisen und trotz aller Proteste wohl noch Jahre in Betrieb bleiben werden".

Sylvia Kotting-Uhl: "Wir leben in einer Zeit, in der wir uns fast schon an die AKWs in Grenznähe gewöhnt haben, zumal auch für die Jugend Tschernobyl und Fukushima außerhalb ihres Erfahrungshorizontes liegen". Große Sorge bereite ihr in dem Zusammenhang auch der Klimawandel, den die Atomlobby als Vorwand nutzen könnte, erneut durchzustarten, da ja die Kernkraftwerke angeblich CO2 neutral seien.

Abgeordnete der Grünen kritisiert Bundesregierung hart

Als erstes nannte sie das Kernkraftwerk Beznau in direkter Nachbarschaft zu Waldshut, das 1969 ans Netz ging und noch weitere zehn Jahre in Betrieb bleiben soll. Dort würde man das Hochwasser- und Erdbebenrisiko, die Risse in der Reaktorhülle, bewusst kleinreden. Dank seiner vielen Pannen sei auch der Meiler Leibstadt berühmt berüchtigt geworden. Auch bei den französischen Meilern Fessenheim und Catenom sei die Abschaltung immer wieder rausgezögert worden.

"Und Deutschland?", fragte sie. "Auch wir tragen mit unserer Atomfabrik in Lingen und durch die Herstellung von Brennstäben dazu bei, dass die alten Akw am Netz bleiben, obwohl wir selbst den Ausstieg beschlossen haben". Der Bundesregierung warf sie Untätigkeit auf allen Ebenen sowie "diplomatische Hasenfüßigkeit" vor.An ihren Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Ein Schweizer Besucher forderte die Deutschen auf, in Sachen Atomkraftwerke mehr Druck auf die Schweizer Regierung auszuüben.