Coronavirus

Sozialarbeiterin: "Auch in Ehrenkirchen gibt es Probleme mit Corona-Partys"

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Di, 24. März 2020 um 15:55 Uhr

Ehrenkirchen

Julia Fricke kann wegen des Coronavirus nicht mehr als Street-Workerin arbeiten. Sie versucht, Jugendliche auf anderen Kanälen zu erreichen. Corona-Partys kann sie jedoch nicht verhindern.

"Auch in Ehrenkirchen gibt es ein Problem mit Corona-Partys", sagt die Sozialarbeiterin Julia Fricke. Mitte der vergangenen Woche hätten sich mehrere Jugendliche abends an einem zentralen Plätzen der Gemeinde getroffen und gefeiert – obwohl Virologen und Politiker drängen, soziale Kontakt deutlich zu reduzieren, um die Verbreitung des Virus zu verzögern. In normalen Zeiten würde Julia Fricke als Street Workerin auf die Jugendlichen zugehen. Aber nichts ist normal momentan und der Dachverband der Mobilen Jugendarbeit hat empfohlen, Street-Work-Aktivitäten einzustellen. Die Gefahr, dass es zu weiteren Infektionen komme, sei zu groß. Außerdem sollen keine falschen Anreize gesetzt werden.

Fricke will den Kontakt zu Jugendlichen auch ohne direkten Kontakt aufrecht erhalten

Sind ihr also als Sozialarbeiterin die Hände gebunden? Und verliert Julia Fricke langsam die Zuversicht, Jugendliche erreichen zu können? "Nein", sagt sie. "Wir müssen mit der Situation umgehen." Fricke hat Zettel mit ihrer Handynummer an den Plätzen aufgehängt, wo sich die Jugendlichen treffen. "Ich möchte den Kontakt aufrecht erhalten", sagt Fricke. Denn die Räume in Ehrenkirchen, Norsingen und Bollschweil, in denen sich die Jugendliche sonst regelmäßig zum Kickern und Quatschen treffen, sind geschlossen. Fricke weiß, dass sie mit ihren Zetteln Corona-Partys nicht verhindern kann. "Aber ich kann die Jugendlichen abholen, wo sie sind." Wenn sie Fragen im Umgang mit der Krise haben oder über andere Probleme grübeln, sei sie da. Auch in den sozialen Netzwerken will Fricke diese Botschaft streuen.

"Trotz ist eine Bewältigungsstrategie." Julia Fricke
Sie könne sich vorstellen, warum Jugendliche sich zu Corona-Partys treffen. "Trotz ist eine Bewältigungsstrategie", sagt Fricke. Und bei einigen überwiege vielleicht momentan noch die Euphorie, dass sie nicht in die Schule gehen müssten. Außerdem käme es für einige Jugendlichen zu Situationen zuhause, aus denen sie fliehen müssten. Um so wichtiger sei es nun, klarzumachen: Was ihr macht, ist gefährlich. Eine schnellere Ausbreitung gefährdet Personen, die zur Risikogruppe gehören, auch in der eigenen Familie. "Einige denken nicht weit genug. Schon der Name Corona-Party ist idiotisch", sagt Fricke. Neu ist der Konflikt um die abendliche Nutzung der zentralen Plätze in der Gemeinde durch Jugendliche indes nicht. Die Nachbarn fühlten sich in den Sommermonaten schon öfter durch Partys gestört. "Die Situation ist nicht einfach", sagt Fricke. Schließlich liege es in der Natur der Menschen, sich mit anderen auszutauschen, um Probleme einzuordnen und zu bewältigen.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir die Zeit nun kreativ nutzen können." Julia Fricke
Dass die Jugendräume momentan geschlossen sind, will Fricke nutzen, um sich Gedanken über das Konzept ihrer Arbeit zu machen. Dazu will sie auch Rücksprache mit einer Kollegin halten, die in Schallstadt mobile Jugendarbeit anbietet. Die Gemeinden finanzieren die Stellen, Träger ist das Christophorus Jugendwerk. "Ich bin zuversichtlich, dass wir die Zeit nun kreativ nutzen können", sagt Fricke. Auch, wenn sie nicht wisse, wie lange diese Zeit nun andauere und Termine erst einmal nicht angesetzt werden.

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