Interview

Soziologin spricht über Migration und Heimat in der globalen Moderne

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Mo, 01. Juli 2019 um 16:45 Uhr

Südwest

Der Sonntag "Kaum jemand erklärt die Umbrüche unserer Zeit so glänzend wie Cornelia Koppetsch", schrieb die Zeit über ihr Buch. In "Die Gesellschaft des Zorns" erforscht sie den aktuellen Rechtspopulismus.

BZ: Sie beklagen eine heuchlerische Mentalität vermeintlich aufgeklärter und oft großstädtischer Milieus: Die eigenen Kinder chauffiert man in die Privatschule und hat kein Verständnis für die, die sich über den hohen Anteil ausländischer Schüler anderswo aufregen. Man wählt grün, fliegt aber um die Welt. Diese Doppelmoral trägt für Sie am aufkommenden Rechtspopulismus Mitschuld?

Koppetsch: Ja, das würde ich so sagen. Wobei man ergänzen muss, dass den meisten "Grünen", beziehungsweise "Kosmopoliten" das gar nicht bewusst ist. Ihnen erscheint die eigene Lebensweise als so selbstverständlich, dass sie weder merken, wie sehr sie sich nur mit Ihresgleichen umgeben, noch, wie stark auch sie in das Leben anderer Menschen eingreifen, indem sie sich abgrenzen und damit zur sozialen Segregation beitragen. Sie tun das ja nicht als Einzelpersonen, sondern als soziale Klasse, als die tonangebende Klasse, die sich nicht unter Rechtfertigungsdruck sieht.

BZ: Das liberale Bürgertum engagiert sich in der Flüchtlingshilfe, würde aber nie in ein soziales Problemviertel ziehen . . .

Koppetsch: Genau. Das Engagement ist eine ...

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