Spahn bittet um Geduld

Bernhard Walker

Von Bernhard Walker

Do, 07. Januar 2021

Deutschland

Nach der Zulassung eines weiteren Impfstoffs ist der Zuteilungsplan noch offen – das macht die Vergabe von Impfterminen schwierig.

In Deutschland sind nun zwei Impfstoffe gegen Covid-19 verfügbar: Die Europäische Medizinagentur EMA hat am Mittwoch den Impfstoff des US-Herstellers Moderna zugelassen. Die Länder bekommen bis Ende März knapp zwei Millionen Dosen dieses Vakzins, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch sagte. Wie viel Moderna-Vakzine im ersten Quartal in welcher Woche an die Länder geliefert werden, ließ Spahn offen. Damit ist es für die Länder schwierig, Impftermine zu vergeben. Sie wissen derzeit nur, dass der Bund ihnen bis einschließlich der siebten Kalenderwoche 2021 knapp 5,35 Millionen Dosen des bisher schon zugelassenen Impfstoffs der Firmen Biontech und Pfizer liefert. Davon haben sie bis Ende vergangenen Jahres 1,34 Millionen Dosen erhalten.

Die nächste Lieferung dieses Vakzins ist für Freitag geplant, weitere fünf Liefertermine sind bis Ende der siebten Kalenderwoche 2021 vorgesehen. Die vom Bund zugesagten Mengen reichen nicht aus, um alle Bürger zu impfen, die aus Sicht Spahns höchste Priorität haben.

Spahn bat die Bürger angesichts der Impfstoffknappheit um Geduld. Der Engpass habe nichts damit zu tun, dass die EU zu wenig bestellt habe. Vielmehr gebe es eine begrenzte Kapazität bei der Produktion. Er setzt darauf, dass Biontech noch im Februar die Produktion in einem Werk in Marburg steigern kann. Die Genehmigung werde von den Landesbehörden in Hessen geprüft. Spahn betonte, es sei wichtig, vorrangig Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zu impfen. Das solle spätestens Mitte Februar gelungen sein.

Laut Robert-Koch-Institut wurden 150 000 der etwa 950 000 Bewohner in Alten- und Pflegeeinrichtungen geimpft. Die Evangelische Heimstiftung (EHS), die im Südwesten 86 Einrichtungen betreibt, mahnt, den Blick nicht auf Heime zu verengen. "Sorge bereitet mir die Frage, wie die rund 300 000 Pflegebedürftigen geimpft werden sollen, die in Baden-Württemberg zu Hause oder in betreuten Wohnungen gepflegt werden", sagt EHS-Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider: "Hier erkenne ich noch keine überzeugende Strategie."