Weitere Aufgabe

Spahn: Lehrerinnen und Erzieherinnen können sich selbst testen

Thomas Steiner und dpa

Von Thomas Steiner & dpa

Fr, 04. Dezember 2020 um 09:21 Uhr

Gesundheit & Ernährung

Um die Schulen und ihre Rolle in der Corona-Pandemie ist in den vergangenen Wochen viel gerungen worden. Nun kommt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit einer neuen Idee.

Lehrer und Erzieher sollen sich selbst auf das Coronavirus testen dürfen. Die kürzlichen Änderungen am Infektionsschutzgesetz und eine an der Medizinprodukte-Abgabeverordnung machten es möglich. Der Arztvorbehalt, nach dem Schnelltests nur von Medizinern vorgenommen werden durften, entfällt demnach und es wird erlaubt, die Tests nicht nur an medizinische, sondern auch an Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten abzugeben. Die Erzieherinnen in den Kindergärten hat Spahn ebenfalls im Blick. Ziel sei es, sagte er, die Pädagogen ebenso wie die Kinder und Jugendlichen besser vor Infektionen zu schützen.

Es stellt sich die Frage, ob Lehrerinnen und Lehrer tatsächlich nach entsprechender Schulung die Tests an sich selbst vornehmen können. Die richtige und nicht ganz einfache Anwendung ist unabdingbar für das Testergebnis. Spahn verwies, laut einer Mitteilung seines Ministeriums, in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe darauf, die Selbsttestung sei von Lehrkräften "in Hessen erfolgreich erprobt worden". Er bezog sich auf eine Studie, die das hessische Kultusministerium beim Universitätsklinikum Frankfurt in Auftrag gegeben hat. Nach Auskunft des Klinikums liegen deren Ergebnisse allerdings noch gar nicht vor, man sei, sagte ein Sprecher, noch in der Auswertung.

Bildungsgewerkschaften kritisierten am Donnerstag die Idee Spahns. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) meinte, der freie Zugang zu den Tests sei kein Ersatz für die Hygiene- und Gesundheitsschutzregeln. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisierte, dass durch die Politik Erwartungen geweckt würden, die von den Schulen nicht eingelöst werden könnten, weil die Ressourcen nicht vorhanden seien. Verbandschef Udo Beckmann warnte davor, die Beschaffung der Schnelltests bei den Schulen anzusiedeln. "So wird nur eine weitere Aufgabe für Schulleitungen geschaffen, die so schon alle Hände voll zu tun haben." Tests bei Schülerinnen und Schülern dürften keine Aufgabe von Lehrkräften werden. "Das wird auf unseren massiven Widerstand stoßen."

Auch das Landeskultusministerium kritisierte, "dass mit einem solchen Vorgehen Aufgaben des Gesundheitssektors an die Schulen und Lehrkräfte delegiert werden würden". Sprecherin Christine Sattler sagte weiter: "Ob und wie sich dieses Vorhaben (...) umsetzen ließe, müsste erst innerhalb der Landesregierung unter Federführung des Sozialministeriums geklärt werden. Hierzu braucht es aber erst einmal belastbare Details, da momentan noch zu viele Fragen unbeantwortet sind."